Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
AZ Meilen · Bahnhofstrasse 28 · 8706 Meilen · Telefon 044 923 88 33 · info(at)meileneranzeiger.ch

Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Musikalische Sternstunde

Am vergangenen Sonntag begrüsste Mentorin Annette Bartholdy bei schönstem Herbstwetter die zahlreichen Zuhörer zum Eröffnungskonzert der 22. Saison der von ihr gegründeten Konzertreihe «Vier Jahreszeiten».

Vier Jahreszeiten_Oliver Dähler_web
Das Amelio Trio: Violinistin Johanna Schubert, Pianist Philipp Kirchner und Cellistin Merle Geissler. Foto: Oliver Dähler

Das Thema der neuen Saison lautet «Perlen der Kammermusik», es kommen ganz berühmte Werke, aber auch musikalische Entdeckungen zur Aufführung.

Das preisgekrönte Amelio Trio mit Violinistin Johanna Schubert, Cellistin Merle Geissler und Pianist Philipp Kirchner betrat den Altarraum, um zum Klaviertrio in Es-Dur, Hob. XV von Joseph Haydn anzusetzen. Das Werk stammt aus des Komponisten Londoner Zeit, wo sich die klangvolleren Hammerflügel etablierten. Vom ersten Ton an war klar: Hier sind junge Meister am Werk. Der wunderbar klangvolle Einstig liess sofort aufhorchen. Die Exposition kam in feinst abgestimmter Motivik und perfektem Zusammenspiel daher. Die Rückführung in die Reprise gefiel dank ausserordentlich feinem Pianissimo. Das Andantino mit dem Zusatz «innocentemente» stellte durch individuelle Tongebung ein Kleinod dar. Im finalen Presto assai zeigte das Trio mit perlenden Läufen und rasanter Virtuosität sein überragendes Können.

Dann kam der Sonatensatz in B-Dur, D. 28 von Franz Schubert zur Aufführung. Der gerade einmal Fünfzehnjährige legte bereits da den Grundstein für sein kompositorisches Schaffen: Wunderbare Klavierakkorde kontrastieren mit feinstem Streicherklang. In der Interpretation des Amelio Trios faszinierte einmal mehr die Selbstverständlichkeit des perfekten Zusammenspiels und berührte durch fein variiertes Vibrato.

Im dritten Teil dann der Höhepunkt des Abends: Johannes Brahms‘ Klaviertrio in C-Dur Op. 82. Das wunderbare Werk entstand im Sommer 1882 in Bad Ischl im lieblichen Salzkammergut. Die typisch Brahmssche Hin- und Her-Gerissenheit kommt in diesem Klaviertrio bestens zur Geltung. Hier steigerte sich das Amelio Trio zur absoluten Höchstform: Perfekte Intonation, genauestes Zusammenspiel, wunderbare Klangfülle und vornehme Zurückhaltung der drei Instrumente, wo angebracht, steigerten die Interpretation zum grossen Erlebnis. Dabei gefielen ganz besonders die fulminante Coda des Allegros, der feinst gestaltete Dialog zwischen Violine und Cello und der berückende Ausdruck im zweiten Thema des Andante con moto, die huschende Tongebung im Scherzo und zum Schluss die Coda des finalen Allegro giocoso mit einer Energie, dass einen fast nicht in den Bänken hielt!

Eine musikalische Sternstunde, für die sich das Publikum mit Riesenapplaus bedankte. Nach Rosenübergabe gab’s die Zugabe mit Ludwig van Beethovens Bagatelle in B-Dur und die drei jungen, sympathischen Musikerinnen und Musiker verabschiedeten sich.

 Am nächsten Konzert vom 17. Januar 2027 spielt das Minguet-Quartett Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Maurice Ravel.

teilen
teilen
teilen
XING
WhatsApp

Weitere aktuelle Artikel in der Kategorie Kultur / Politik

Weiterlesen
Weiterlesen