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Meilen stellt vor: Judo und Jiu Jitsu Club Meilen

Der Judo und Jiu Jitsu Club in Meilen (JJCM) ist stolze 50 Jahre alt – und hat in den letzten Jahren seine Mitgliederzahl fast verdoppelt. Gerade auch bei Mädchen ist die japanische Kampfkunst, die mit Technik, Timing und Gleichgewicht arbeitet, beliebter denn je. 

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Judo muss nicht immer drinnen stattfinden: Foto vom Clubfest im vergangenen Herbst auf dem Hof des Clubpräsidenten. Foto: zvg

Praktisch an jedem Tag unter der Woche bietet der JJCM Trainings im Dojo an, dem Übungsraum für japanische Kampfkünste. Das Dojo befindet sich seit 1978 am selben Ort, in einem Zivilschutzkeller des Schulhauses Allmend, einige Schritte seeseits des Hallenbads. Auf den Eingangsbereich mit Umkleideräumen und WC folgt der Eintritt in eine besondere Welt: Die ganzen 220 Quadratmeter des Dojos sind komplett mit gepolsterten Matten ausgelegt, im hellen Raum hängen nur wenige, mit Japan verbundene Bilder an der Wand.

Technik üben, bis sie «sitzt»

Im 90-minütigen Unterricht folgt auf das Aufwärmen jeweils die «Fallschule» über andere Menschen oder über Hindernisse. «Die richtige Technik übt man so lange, bis sie einem in Fleisch und Blut übergegangen ist», sagt Clubpräsident Adrian Haggenmacher. «Lernen, richtig zu fallen, ist sowohl im Judo als auch im Jiu Jitsu absolut zentral.» Ihn hat das Judo-
Training einst vor schlimmen Verletzungen bewahrt: Er war auf seinem Roller unterwegs, als ihm ein Autofahrer den Vortritt nahm. «Ich bin mit 40 km/h in das Auto reingebrettert, über den Lenker in die Frontscheibe geflogen und dann auf dem Boden gelandet. Nur weil ich mich instinktiv richtig abgerollt habe, blieb ich bis auf ein paar Prellungen heil.»

«Im Verein hat es inzwischen fast gleich viele Mädchen wie Jungs.»

Ins Judo sei er relativ spät eingestiegen, erinnert er sich, nämlich als Fünftklässler. Als 17-Jähriger erreichte er den blauen Gurt, bevor er wegen Auslandaufenthalten nicht mehr regelmässig trainieren konnte. Jetzt freut er sich, dass seine älteste Tochter, die in den Chindsgi geht, schon früh in seine Fussstapfen tritt und frisch mit Judo angefangen hat. Sie gehört zu den Jüngsten in der Trainingsgruppe der 5- bis 10-Jährigen, ist aber als Mädchen nicht mehr automatisch in der Minderheit: «Noch vor zehn Jahren hatte es im Verein fast nur Jungs – das hat sich geändert. Aktuell ist das Verhältnis fast ausgeglichen.» Insgesamt trainieren knapp 70 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sowie knapp 30 Erwachsene.

Ein fairer Wettkampfsport

Dass die Erwachsenen eher Jiu Jitsu praktizieren, wo der Fokus auf Selbstverteidigung liegt, hängt damit zusammen, dass «Jiu» potenziell gefährlicher und verletzungskritischer ist und sich deshalb erst für Jugendliche eignet. «Im Judo hingegen kann man sich beim fairen Wettkampfsport verausgaben und messen, ohne dass eine nennenswerte Verletzungsgefahr besteht», sagt Adrian Haggenmacher.

«Eigentlich ist Judo ein Einzelsport, aber unsere Judokas halten zusammen.»

Seit einigen Jahren besteht im JJCM nun auch wieder eine Wettkampfgruppe, die jedes Jahr wächst. Die Kämpfer nennen sich «Drachen», ihr Symbol ist der japanische Drache Tatsu. Aufgebaut wurde die Gruppe vor allem von Trainer Daniel Häring, der mit seinem strukturierten Training dafür sorgt, dass die Meilemer regelmässig an grösseren Turnieren bestehen können und auch Medaillen holen: Es geht inzwischen also nicht mehr nur um Breitensport, sondern auch um durchaus ambitionierte Ziele beim Nachwuchs.

Training auch für Achtzigjährige

Den Ausbildnern – so etwa auch dem langjährigen Trainer Pascal Ragettli, der zusätzlich im siebenköpfigen Vorstand sitzt – ist es ausserdem sehr wichtig, dass die Meilemer Judokas zusammenhalten. «Judo ist an sich ein Einzelsport. Aus den Judokas ein Team zu bilden, das füreinander einsteht, ist nicht selbstverständlich. Es gelingt uns aber ganz gut», findet der Präsident. Schön: mittlerweile können aus den eigenen Reihen Nachwuchstrainer «herangezogen» werden, momentan sind es zwei junge Frauen, die sich mit finanzieller Unterstützung des Vereins zu Assistenztrainerinnen ausbilden lassen.

Nicht nur auf den Nachwuchs ist Adrian Haggenmacher stolz, sondern auch auf die älteren Vereinsmitglieder. «Wir hatten beispielsweise einen 80-Jährigen im Training, der sein Leben lang ein- bis zweimal pro Woche Judo praktiziert hatte. Der ging beim Aufwärmen noch in den Handstand und wollte im Kampf nicht geschont werden. Sollte ich in diesem Alter noch so ‘zwäg’ sein, hätte ich das sicher dem Judo zu verdanken!»

Neben dem Training gibt es weitere Anlässe wie das jährliche Clubfest auf Adrian Haggenmachers Hof Hinterburg inklusive Vorführungen der Judokas. Daneben weiden die 25 Wagyu-Rinder des Clubpräsidenten. Dass er als einer der wenigen Landwirte in der Schweiz die berühmte japanische Rasse hält, hat natürlich auch damit zu tun, dass er einen besonderen Bezug zu Japan hat, er war auch schon im Land in den Ferien und sagt von sich, mit zunehmendem Alter habe er die Philosophie hinter dem Judo, «der sanfte Weg» (sanft im Sinne von nachgiebig, flexibel), besser verstanden.

Open Dojo Days im September

Weniger japanisch, sondern eher schweizerisch ist das Chlaustraining im Dezember: «Jede und jeder zeigt eine Technik oder einen Wurf und erhält dafür vom Schmutzli ein Chlaussäckli.» Es sei immer ein herziger Anlass, die Fünfjährigen glauben noch an den Samichlaus, die Zehnjährigen dürfen nicht verraten, dass sie bereits wissen, wer im Kostüm steckt, und die Teenager schauen amüsiert zu.

Aktuell bereitet der JJCM die Open Dojo Days vom 7. bis 13. September vor. Der Anlass wird vom Schweizerischen Judoverband organisiert, um koordiniert für Judo und Jiu Jitsu zu werben und möglichst vielen die Gelegenheit zu geben, die Sportart kennenzulernen. «Auch wenn unsere Trainings unter dem Jahr immer für Schnupperer offen sind, ist diese Woche noch besser, um einen Einblick zu erhalten.» Das Meilemer Dojo sei an den «Days» jedes Mal voll. Infos dazu finden sich auf der Website des Vereins.

«Full house» gibt es übrigens auch immer häufiger beim Goldküsten-Turnier, das schon seit vielen Jahren besteht – «erfunden» hat es der langjährige Clubpräsident Hanspeter Schuhmacher. Hier können Kampf-Anfänger erste Wettkampfluft schnuppern. Und: «Im nächsten Frühling werden wir erstmals seit über 20 Jahren wieder ein Turnier in der Allmend-Turnhalle durchführen, mit zwei Mattenfeldern und für wahrscheinlich rund hundert Kämpferinnen und Kämpfer aus der Region», blickt Adrian Haggenmacher voraus: «Für uns als Club ist es immer eine besondere Freude, selber etwas Grösseres zu machen!»

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