Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Lukas Jufer vom LC Meilen Triathlon hat zwischen Mai und September viermal das gemeistert, was andere Ausdauersportlerinnen und -sportler vielleicht als Traum und Lebensziel ansteuern: einen Ironman oder einen vergleichbaren Extrem-Triathlon.
Die Erklärung des 51-Jährigen tönt simpel: «Ich habe festgestellt, dass ich mich schnell erhole.»
Der Ruf in der Szene ist sagenumwoben. Der Name ICON Xtri weckt Furcht und Ehrfurcht. In Livigno findet dieser Triathlon mit den besonderen Anforderungen statt: 3,4 km Schwimmen im 13 Grad kalten Lago di Livigno, gestartet um fünf Uhr früh im Dunkeln, 170 km Velo mit gut 5000 Höhenmetern – darunter zweimal das Stilfserjoch – und zum Abschluss ein Marathon mit 1600 Höhenmetern, der auf dem Carosello 3000 endet. Auch bei Lukas Jufer sorgte diese Affiche für mulmige Gefühle und für Fragezeichen.
Nicht nur die Kennziffern dieses Parcours und die Distanzen an sich trugen dazu bei, sondern auch das Vorangegangene. Für ihn handelte es sich um die vierte Prüfung dieser Art innert dreieinhalb Monaten. Doch es sei vorweggenommen: «Es lief nach Plan – mit den üblichen Hochs und Tiefs, die zu einem so langen Tag gehören. Nach 19 Langdistanz-Triathlons weiss Lukas Jufer: «In den Hochs nicht zu viel wollen, in den Tiefs die Ruhe bewahren.» Nach 18:32 Stunden erreichte er kurz vor Mitternacht zusammen mit Begleiter Rico Romagnoli das Ziel auf dem Carosello 3000, auf gut 2700 Metern über Meer. «Der Marathon war eben doch nicht ganz flach», lacht er. Unter den 199 Startenden klassierte sich Jufer auf Position 77 – 51 Athletinnen und Athleten gaben auf, und nur 102 erreichten das Bergziel rechtzeitig, um das begehrte weisse Finisher-Shirt zu erhalten.
Den Ironman Switzerland zur Vorbereitung
Erst Anfang Juli hatte Jufer den Ironman Switzerland in Thun bestritten – diese Langdistanz-Prüfung über die klassischen Distanzen 3,8 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen. Doch damit ist das bisherige Wettkampfjahr von Lukas Jufer nur halbwegs zusammengefasst. Mit dem Ironman Lanzarote war er Ende Mai eingestiegen.
Und am 20. Juni folgte der Swissman Xtreme Triathlon mit dem Schwimmen von den Brissago-Inseln nach Ascona, dem Velo-Parcours über Gotthard-, Furka- und Grimselpass nach Brienz und dem abschliessenden Marathon von Brienz über Grindelwald hinauf auf die Kleine Scheidegg – Jufer beendete ihn in 15:53 Stunden als 41. von 186 Startenden. «Der Swissman war für mich das Haupttraining für den Extrem-Triathlon in Italien», sagt er. Zu nutzen wusste er auch eine Ferienwoche mit der Familie auf den Lofoten (Norwegen) mit den vielen technischen Trails.
Wie kommt ein Mensch – auch wenn er noch so ausdauererprobt ist – auf die Idee, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen? Aus der Erkenntnis, dass er sich nach Wettkämpfen rasch erholt, zog Lukas Jufer einen Schluss: «Jedes Rennen ist auch ein hervorragendes Training für das folgende.» Gesagt, getan: Er nahm «die Form mit und ging immer weiter».
Grosse Dankbarkeit empfindet er gegenüber seiner Familie, seiner Frau und den beiden Kindern. Seine Frau Nicole hat ihn an alle vier Wettkämpfe begleitet – beim Swissman und beim ICON als Teil der Support-Crew. Bei den Extrem-Triathlons gibt es keine Verpflegungsposten: Die eigene Crew ist Pflicht. Sie reicht Flaschen und Gels und behält den Zeitplan im Auge.
Angst vor der Premiere über die Kurzdistanz
Doch wie ist Lukas Jufer zu diesem extremen Sporttreiben gekommen? Beim Squash liess er sich 2010 von einem Kollegen zum Olympischen Triathlon in Uster überreden. Nur, er hatte derart Respekt davor, dass er zuerst einen Short-Distance-Triathlon absolvieren wollte: den Züri Triathlon über 500 m Schwimmen, 20 km Velo und 5 km Laufen. Das war der Startschuss. «Es hat mich sogleich gepackt», blickt er zurück. Kontinuierlich hat er den Trainingsumfang gesteigert, ebenso die Distanzen bei den Rennen. Und er ist dem LC Meilen Triathlon beigetreten. Vor diesem Hintergrund rät er allen: «Klein und geduldig beginnen, bevor du dich ans ganz Wilde wagst.»
Wegen seiner zahlreichen Auslandaufenthalte – als Leiter des Kamerageschäfts Europa beim japanischen Hersteller Nikon pendelt er zwischen der Europazentrale in Amsterdam und den Zweigniederlassungen in ganz Europa – trainiert er oft alleine. Aber nicht planlos. Patrick Jaberg, der frühere Ironman-Profi und heutige Erfolgscoach, schreibt ihm die Pläne. «Sie sind auf mich massgeschneidert», sagt er. Sein Hauptanspruch: «Die freie Zeit effizient nutzen.»
Und welche Pläne hegt Lukas Jufer für die Zukunft? «Ich hoffe, dass ich mit den gesammelten X-Points die Kriterien für den Norseman Xtreme Triathlon erfülle.» Es handelt sich um den Ursprung dieser Sparte. Nächstes Jahr möchte er in Norwegen am Start stehen. Und auch einen Traum verfolgt er: Irgendwann am Ironman Hawaii teilnehmen. Aber dazu, so sagt er, «muss ich noch etwas an meinem Pacing arbeiten und alle drei Disziplinen einen Tick offensiver angehen.»