Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
AZ Meilen · Bahnhofstrasse 28 · 8706 Meilen · Telefon 044 923 88 33 · info(at)meileneranzeiger.ch

Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Meilemer Nachwuchsforscherin ausgezeichnet

Die 19-jährige Samriddhi Singh aus Meilen wurde für das Finale von «Schweizer Jugend forscht» nominiert. Ihre Sicherheitsbewertung einer Intranet- und Filesharing-Plattform, die von 44 Schweizer Gymnasien genutzt wird, erhielt am letzten Samstag Silber.

Samriddhi Singh in Muttenz, wo letzte Woche das Finale von «Schweizer Jugend forscht» stattfand. Fotos: zvg

«Ich interessiere mich für Cybersecurity und bin Fan der Serie ‘Mr. Robot’ über einen jungen IT-Sicherheitsspezialisten», erklärt Samriddhi Singh, die alle nur Simi nennen, als Motivation für das Thema ihrer Arbeit, die sie ursprünglich als Maturaarbeit für den Gymi-Abschluss 2025 geschrieben hatte. Ausserdem sei «Pentesting», also die Simulation von Cyberangriffen, für sie ein relativ neues und deshalb umso interessanteres Thema gewesen.

Hacking the school’s intranet

Weil Simi am liebsten konkrete Probleme löst und projektbezogen arbeitet, suchte sie nach einem realen Szenario im direkten Umfeld. Die damalige Gymischülerin fand es an der Kantonsschule Uetikon a.S.. Schliesslich trug ihre Arbeit den Titel «Hacking the school’s intranet», also «Unbefugt auf das Intranet der Schule zugreifen», und beschäftigte sich damit, ob es möglich sei, private Daten der Nutzer zu klauen. Und tatsächlich: So war es. Simi dokumentierte vier Schwachstellen, von denen zwei erfolgreich ausgenutzt werden konnten.

Natürlich geschah das alles mit schriftlicher Genehmigung der Administratoren und in einer gesicherten Umgebung. «Nun sind sich die Verantwortlichen der Schwachstellen bewusst und arbeiten an einigen Punkten», sagt Simi. Ihre Befunde dürften auch andere Schulen interessieren, denn die betroffene Intranet-Plattform ist an Schweizer Gymnasien und Berufsschulen weit verbreitet.

Eine von 114 Finalisten

Simi hat ihre auf Englisch verfasste Arbeit im letzten Herbst selber im Bereich Mathematik und Informatik bei «Schweizer Jugend forscht» eingereicht. Im Januar folgte die Präsentation vor einer Fachjury, wonach die 114 Finalistinnen und Finalisten ausgewählt wurden. Anschliessend folgte die «Coachingphase», in der die Arbeiten verbessert werden konnten. «Ich hätte formal noch einiges ändern können», erinnert sich Simi, «aber das schien mir eher langweilig.» Stattdessen pentestete sie zusätzlich eine Cloud-Speicherplattform, die ebenfalls von vielen Schulen genutzt wird, und fand weitere acht Schwachstellen.

Mit der erhaltenen Silber-Auszeichnung, die sie am Wochenende an der FHNW Muttenz (bei Basel) entgegennehmen durfte, ist sie jetzt mehr als zufrieden: «Es war eine grosse Lernmöglichkeit. Cybersecurity in der Realität lernen zu dürfen, ist ein grosser Luxus!»

Gründungsmitglied von «Girls Can Code»

Simi bewegt sich schon seit langem in der Welt der Informatik: 2020 hat sie als 12-Jährige den Verein «Girls Can Code» (girlscancode.ch) mitbegründet, der weiterhin besteht und aktiv ist. Das Ziel: Jugendlichen das Thema Technologie auf eine coole Art näherzubringen. «Aktuell arbeite ich an einem neuen Konzept namens ‘Mini-Internship’, das erste Berufserfahrungen ermöglichen soll», sagt Simi.

Ausserdem nimmt sie regelmässig an Hackathons teil, wo im Team an Soft- und Hardwarelösungen gearbeitet wird, zum Beispiel an einer Ray-Ban-Brille, die Personen erkennt und Informationen über sie anzeigt.

Robotern das Boxen beibringen

Am meisten interessiert Simi im Moment ein Anlass, der Anfang Juli in Davos stattfinden wird. Im Rahmen des «Tech Summit» arbeitet sie mit zwei humanoiden Robotern, die lernen sollen, wie man boxt. «Es geht darum, den Robotern Intelligenz beizubringen, das Ziel ist nicht, dass sie sich gegenseitig k.o. schlagen», versichert sie lachend: «Dafür wären die beiden auch viel zu wertvoll.» Sie werden ihr vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Schon fast nebenbei studiert Simi ausserdem an der ETH Elektrotechnik, wo sie im 2. Semester des Basisjahrs steht.

Von oben nach unten lernen

In Meilen wohnt sie zusammen mit Mutter Tanvi und Vater Amitabh, Schwester Samragye (Samy) sowie Pura und Vida, zwei Katzen, und ein paar Fischen. Zur Familie gehört auch Roboterhund Odin von Unitree: «Gerade bringe ich ihm bei, sich im Haus zu bewegen und mir Dinge zu holen. Mich interessiert grundsätzlich das Lernen ‘von oben nach unten’», sagt Simi. Also nicht etwas lernen, indem man theoretisches Basiswissen vermittelt bekommt und dieses dann irgendwann anwendet, sondern indem man konkrete Probleme löst.

Wichtig ist für sie auch die Vernetzung mit anderen interessanten Menschen. «Bei Schweizer Jugend forscht erhielt ich die Rückmeldung, dass ich zu selten an meinem Stand anwesend war, wo meine Arbeit präsentiert wurde», erzählt Simi, «und das stimmt tatsächlich. Ich habe stattdessen lieber die anderen besucht, wenn ich schon die Chance dazu habe. Literatur und Kunst finde ich nämlich auch wahnsinnig spannend!»

teilen
teilen
teilen
XING
WhatsApp

Weitere aktuelle Artikel in der Kategorie Kultur / Politik

Weiterlesen
Weiterlesen
Weiterlesen