Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Die Hohe Messe als Pfingstkonzert

Ein Dirigent sagte einmal: «Jeder Chor stösst bei der h-Moll-Messe an seine Grenzen.» Wenn er recht hatte, müsste das auch für die Kantorei Meilen gelten. Bemerkt hat man es nicht.

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Das Publikum in der reformierten Kirche war vom Dargebotenen begeistert. Foto: MAZ

Johann Sebastian Bach selber hat die h-Moll-Messe als Gesamtwerk nie gehört. Er hat sie gewissermassen im Laufe seines Lebens geschrieben, ohne das so geplant zu haben. Erst vor seinem Tod fügte er aus dem reichen Schatz seiner Werke ausgewählte Stücke zu jener grossen Messe zusammen, die wir heute als h-Moll-Messe kennen.

Aufführungsdauer: zwei Stunden

Schon die Aufführungsdauer von rund zwei Stunden weist darauf hin, dass dieses Werk nicht für einen gottesdienstlichen Anlass geschrieben worden ist. Auch in anderer Hinsicht ist die h-Moll-Messe eher «unpraktisch» veranlagt. So singt der Chor über weite Strecken fünfstimmig, gelegentlich aber auch vierstimmig. Dann aber auch mal sechs-, ja sogar achtstimmig, also doppelchörig. Spätestens dann muss der Chor sich anders aufstellen. Und das Jagdhorn hat in den ganzen zwei Stunden einen einzigen Einsatz für rund fünf Minuten. Kurz: Das alles sind Hinweise darauf, dass dieses Werk nicht auf einen bestimmten Anlass mit einem bestimmten Chor und Orchester hin geschrieben wurde, sondern eine Art Zusammenfassung von Bachs künstlerischem Lebenswerk darstellt.

Für jeden Chor ist das Werk nur schon in gesangstechnischer Hinsicht eine Herausforderung. Die Sänger sind zudem beinahe ohne Unterbruch im Einsatz: Für ein Werk dieser Grössenordnung hat es relativ wenig Arien. Verschnaufpausen für den Chor sind daher rar.

Klangliche Farbenpracht

Schwierig hin oder her: In Meilen stimmte alles. Von Beginn an entfaltete sich ein wunderbarer Chorklang. Leicht erklomm der Sopran die höchsten Höhen, zuverlässig lieferte der Bass das Fundament. Und die Mittelstimmen sorgten dafür, dass die klangliche Farbenpracht zum Tragen kam. Kantor Ernst Buscagne schlug von Beginn an ein eher ruhiges Tempo an. So konnte sich der Jubel des «Gloria» gut vom «Kyrie» abheben und im «Cum sancto siritu» den heiligen Geist vollends kräftig wehen lassen. Das «Cruzifixus», das architektonische Zentrum des ganzen Werks, liess Buscagne vom Solistenensemble singen und hob es so in seiner Bedeutung hervor.

Das Meilemer Barockensemble mit Konzertmeisterin Johanna M. Pfister gab gekonnt den Ton an und legte kunstvoll den musikalischen Boden für Chor und Solisten. Es ist eine schöne Sache für die Kantorei und damit auch für die Musikliebhaber Meilens, dass aus der Zusammenarbeit zwischen Ernst Buscagne und Johanna Pfister dieses Ensemble hervorgegangen ist.

Das Gemeinschaftswerk Vieler

Wer frühzeitig in der Kirche Platz genommen hatte, fand noch Zeit, das informative Programmheft zu studieren. Es enthielt wertvolle Beiträge zu einem vertieften Verständnis der h-Moll-Messe. Zudem führte es einem vor Augen, was man ja im Grunde weiss: Nämlich, wie viele Menschen und damit wie viel Arbeit es braucht, damit so eine Aufführung stattfinden kann.

Während Bach sein Werk nie integral zu hören bekam – geschweige denn, dass er es selber aufgeführt hätte –, durften die Meilemerinnen und Meilemer dieses Meisterwerk am vergangenen Pfingstsonntag erleben.

Die Messe und damit das Konzert endete mit dem grossartigen «Dona nobis pacem», das sich wie ein grosser Regenbogen über das ganze Konzerterlebnis spannte. Nachdem der letzte Ton verklungen war, dankte das Publikum den Aufführenden mit einer Standing Ovation.

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