- Kultur / Politik
- Die Mitte
Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
AZ Meilen · Bahnhofstrasse 28 · 8706 Meilen · Telefon 044 923 88 33 · info(at)meileneranzeiger.ch
Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag hat nicht nur einen sperrigen Namen, sondern ist auch ein wichtiger überkonfessioneller Feiertag. Gott, wie auch immer er angebetet wird, steht dann im Zentrum.

Dieser besondere Tag hat in der Schweiz eine längere Geschichte, aber nach dem Sonderbundskrieg und mit der Gründung des Bundesstaates erhielt er eine zusätzliche Bedeutung. Der neue Staat sollte politisch und konfessionell zusammenfinden. Im Volksmund wird er einfach Bettag genannt. Aber eigentlich beinhaltet dieser Tag drei Aspekte: Danken, Busse tun und Beten. Im vorliegenden Text geht es vor allem um das Busse tun, denn dieser Teil des sperrigen Dreiklangs geht oft unter. Beten und Danken sind vertraute Ausdrucksformen religiösen Lebens. Hingegen ist das Busse tun einigen von uns eher fremd.
Auch die Bedeutung des Begriffs scheint nicht mehr klar zu sein. Busse verbinden wir mit Strassenverkehr. Der Duden schreibt zu «die Busse», falls das Wort in einem religiösen Sinne verwendet wird: das Bemühen um die Wiederherstellung eines durch menschliches Vergehen gestörten Verhältnisses zwischen Gott und Mensch. Nach dem Sonderbundskrieg mussten gewiss einige Menschen mit dem Gewissen ringen und wollten mögliche Verfehlungen wieder zurechtrücken. Dieser vom Staat eingesetzte religiöse Feiertag stellte dabei einen von mehreren Ansätzen dar, das angespannte Verhältnis zwischen den Konfessionen und den politischen Lagern zu verbessern. Die Menschen mussten sich anstrengen, sie mussten wieder aufeinander zu gehen, sie mussten wieder miteinander reden, damit dieser damals revolutionäre Bundesstaat in Europa aufblühen konnte. Und sie dankten. Und sie beteten. Und sie taten eben auch Busse. Die ehemals verfeindeten Gruppierungen vergruben ihre Kriegsbeile, oder als stramme Eidgenossen eher ihre Hellebarden.
Dieser staatlich verordnete Dreiklang einer religiösen Feier hat einigermassen gewirkt. Aber insbesondere das Busse tun war möglicherweise nicht ganz einfach. Wer tut schon gerne Busse? Denn das bedeutet schliesslich, dass Fehler gemacht wurden, aber auch, dass immerhin Fehler eingestanden wurden. Vielleicht ist genau das die leise, aber anspruchsvolle Botschaft des eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettages. Der Zusammenhalt einer Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass jeder auf seinem Recht beharrt, sondern dadurch, dass Menschen bereit sind, innezuhalten, Fehler einzugestehen und aufeinander zuzugehen.
Busse tun bedeutet aber nicht, sich kleinzumachen. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, die gestörten Verhältnisse heilen zu lassen. Das war bei der Gründung des Bundesstaates notwendig, und vielleicht ist es auch heute wieder ein bisschen notwendig. In einer Zeit, in der politische Gräben offenbar tiefer werden, der Ton gerne rauer wird und das Streben nach Einfluss, Identität und persönlicher Durchsetzungskraft immer mehr Raum einnimmt, tut ein Tag des Innehaltens und der Besinnung auf Gott gut.
Ein Tag, an dem wir nicht nur fragen, was wir erreichen wollen, sondern auch, was wir einander geben können. Ein Tag, an dem wir die Fehler nicht bei anderen suchen, sondern die Fehler bei uns finden können. Es war damals eine weise Entscheidung, einen staatlichen Feiertag anzuordnen, bei dem Gott im Zentrum steht. Denn: Wo die Besinnung auf Gott Raum gewinnt, tritt das eigene Streben nach Geltung, Anspruch und Rechthaberei in den Hintergrund. Das mag auch sperrig klingen, ist aber trotzdem wichtig.