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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Unter dem Motto «Natur pur vor der Haustür» organisiert das Naturnetz Pfannenstil (NNP) seit einigen Jahren informative, unterhaltsame und abwechslungsreiche «Spaziergänge» in den Pfannenstielgemeinden jeweils zu einem Schwerpunktthema.

Am 7. Juli trafen sich Interessierte in der Badi Dorfmeilen. Thema des Abends: «Lebendiges Seeufer».
Wie es in Meilen schon zur Tradition geworden ist, übernimmt die Gemeinde die Kosten des Abends. So überbrachte Gemeinderätin Marzena Kopp auch eine Grussbotschaft des Gemeinderates. Im Namen des NNP begrüsste der Meilemer Michiel Hartmann die rund 20 Spaziergänger. Wirklich spaziert wurde an diesem Sommerabend allerdings nicht, dafür gab es umso mehr interessante Informationen und Pläne für die Zukunft zu hören. Geleitet wurde der Abend von Landschaftsarchitekt Patrick Altermatt und Wasserbauingenieurin Stephanie Matthias, beide sind in die geplante Optimierung der Badi direkt involviert.
Viele private Badehäuser
Bevor es um konkrete Ideen für die Zukunft ging, die in erster Linie einer ökologischen Aufwertung gleichkommen, warf Patrick Altermatt einen Blick zurück auf die Geschichte der Badi Meilen und der Badekultur am Zürichsee. Thematisiert wurde dabei, wie lange der Zürichsee schon zum Baden benutzt wird – vermutlich schon immer, erste Belege dafür findet man datiert auf das Jahr 1692 –, wann die ersten, aus Angst vor dem Sittenverfall strikt nach Geschlechtern getrennten, Badeanstalten eröffnet wurden (1804 in Zürich) oder was es mit den vielen privaten Badehäusern als Meilemer Eigenheit auf sich hatte. Die erste öffentliche Badeanstalt Meilens entstand 1883 in Feldmeilen, ebenfalls streng geschlechtergetrennt.
«Charakteristisch für Meilen wurde nicht die öffentliche, sondern die private Badekultur», sagte Patrick Altermatt. Wer es sich leisten konnte, baute sein eigenes Badehaus am See – gemeinsames Baden mit Fremden war schlicht nicht jedermanns Sache. «Ein regelrechter Bauboom solcher privaten Badehäuser ereignete sich in Meilen 1899 und 1900. Damals entstanden 14 der ältesten noch erhaltenen Objekte. Die weiteren folgten über die Jahrzehnte verteilt, kaum mehr aber nach dem zweiten Weltkrieg», informierte er.
Der Wandel zur öffentlichen Freizeitbadi fand in Meilen vergleichsweise spät statt – erst 1936 entstand das eigentliche Strandbad im Dorf. Es löste die zuvor üblichen Holz-Badeanstalten auf Pfählen ab und bot erstmals eine richtige Liegewiese.
Um diese zu erstellen, wurde durch Aufschüttungen das Seeufer künstlich verschoben. Da diese «Schichten» der Aufschüttung aufwändig und teuer waren, wurde nur ein grober Grund geschüttet. Das merke man heute ökologisch, erklärte Wasserbauingenieurin Stephanie Matthias. Denn das Ziel war damals einzig, möglichst günstig mehr Land zu gewinnen und ein stabiles Ufer zu kreieren.
Weiterentwickeln statt umkrempeln
Heute sind die Anforderungen an eine Badi andere: eine Ganzjahresnutzung wird gewünscht, die ökologischen Aspekte gewinnen – auch durch Vorgaben von Bund und Kantonen – an Bedeutung, und eine regelmässige Modernisierung wird erwartet. Analysen zeigten, dass eine Weiterentwicklung der bestehenden Badi mehr Sinn ergibt, als alles umzukrempeln. Die Badi Meilen bietet sich an, um die gesetzlichen ökologischen Vorgaben umzusetzen. Erreicht werden sollen sie durch einen Mix aus ökologischen Uferzonen, zum Beispiel durch Schilfzonen oder Massnahmen unter Wasser, die für die Badibesucher gar nicht zwingend sichtbar sind, und sogenannten Wasserwechselzonen.
Wie sich das Wasser an unterschiedlichen Ufern und bei unterschiedlichen Massnahmen verhält und welche direkten Einflüsse diese auf Wasserpflanzen, Muscheln, Krebse, Fische und andere Lebewesen haben, erklärte Stephanie Matthias anhand von Beispielen. Wie die genaue Aufwertung der Badi am Ende aussieht, und in welchem Zeitraum diese passieren soll, ist noch nicht definiert.
Aktuell befindet sich die Gemeinde erst in der Planungsphase. Angedacht sind aber die Erhaltung der Liegewiese, eine Modernisierung der Badi-Beiz, ein Platz für Spiel und Sport, die Erstellung von Rückzugsbereichen und ein geeigneter Zugang für SUPs. Der einfache Zugang ins Wasser und der Komfort für Badegäste sind dabei genauso wichtig wie die ökologische Aufwertung des Seeufers.