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- Karin Aeschlimann
Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Manche Vereine sind in der Öffentlichkeit gut sichtbar – so etwa der Fussballclub oder die Mittwochgesellschaft. Andere erfüllen ihren Zweck eher im Stillen. Zu ihnen gehört die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirkes Meilen (GGM).

Der Verein unterstützt Menschen in vorübergehenden materiellen Notlagen mit einmaligen Beiträgen und organisiert Gratisferien. Es geht darum, dort einzuspringen, wo niemand anders finanziell helfen kann, auch nicht der Staat.
Vereinszweck: Härtefälle lindern
Die über 600 Mitglieder der GGM stammen aus allen elf Gemeinden des Bezirks Meilen. Ihre einzige Pflicht ist es, jährlich einen Mitgliederbeitrag von 25 Franken zu bezahlen. «Es gibt also kaum einen Grund, der GGM nicht beizutreten: Man braucht keinen Termin im Kalender freizuhalten und keine Freiwilligenarbeit zu leisten», sagt Philipp Huser.
Er ist Notar in Männedorf und seit 2016 Präsident der GGM. Als sein Vorgänger Laurent Mueller zurücktrat, war er als damaliges Vorstandsmitglied sofort bereit, die Funktion zu übernehmen: «Mir sagt der Vereinszweck sehr zu», sagt er, «ich habe nun schon viele Male erleben dürfen, dass gute Sachen aus unserer Unterstützung erwachsen sind.» Diese Unterstützung besteht darin, dass mit meist einmaliger finanzieller Hilfe Härtefälle gelindert werden. Denn solche gibt es selbst im Goldküsten-Bezirk Meilen.
«Aus unserer Unterstützung
entstehen gute Sachen.»
Da ist zum Beispiel die Privatperson, welcher die GGM den Jahresbeitrag für den Gesangsverein bezahlte, damit sie ihr geliebtes Hobby weiter ausüben konnte. Oder der Familienvater, für den drei Monatsmieten übernommen wurden, damit er mit seinen minderjährigen Kindern, wovon eines schwer erkrankt war, in seiner Wohnung bleiben konnte. Einer erwachsenen Frau, die endlich eine Lehre absolvierte, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, wurde der zu bescheidene Lehrlingslohn aufgestockt. Denkbar sind auch die Übernahme von Zahnarztkosten oder Stipendien für Umschulungskurse.
Wer Hilfe bei der Antragstellung braucht, kann sich melden
«Grundsätzlich unterstützen wir Gesuchsteller höchstens mit 3000 Franken und nur einmalig; durchschnittlich sind es 1000 Franken», erklärt Philipp Huser. 2025 gab es 61 Gesuche, wovon 17 abgelehnt wurden, wobei die Ablehnung oft mit unvollständigen Anträgen zusammenhing. «Wer Mühe hat, seinen Antrag auszufüllen, kann uns anrufen oder mailen, wir helfen», sagt Philipp Huser. Ob und wie viel Unterstützung es gibt, entscheidet der siebenköpfige Vorstand innerhalb von ein bis drei Monaten, bei Notfällen auch schneller.
Bitten um Unterstützung bei der privaten Schuldentilgung oder um die Übernahme von Zuschüssen an Ferienkosten lehnt der Vorstand übrigens ab. «Es geht uns um die nachhaltige Verbesserung der persönlichen Lebenssituation und eine klare Perspektive», sagt Philipp Huser, «nicht um eine temporäre Linderung von Geldnot.»
Jährliche Ferienaktion: Jetzt anmelden
Am meisten investiert die GGM in die jährliche Ferienaktion. Bei dieser können Einzelpersonen und Familien in finanziell schwierigen Verhältnissen gratis eine Woche in die Ferien fahren: Es werden Aufenthalte im Juli, im August und im Oktober angeboten, und zwar in Churwalden oder auf der Lenzerheide.
Alles (ausser der Haftpflicht- und der Unfallversicherung) ist dabei inbegriffen: Die Hin- und die Rückreise im Car oder mit dem öV, Vollpension und ein abwechslungsreiches Ferienprogramm: Spielen beim Ferienhaus, Hallenbadbesuche, Grillieren und vieles mehr sowie Kinderbetreuung und Ausflüge, letztere je nach Wunsch mit den Gastgebern zusammen oder auf eigene Faust samt Lunchpaket. «Dadurch können die Kinder nach den Schulferien endlich auch einmal ihren Gspänli von Ferienerlebnissen weg von zuhause erzählen», sagt Philipp Huser. Mehr als 300 Personen profitieren jährlich von der Aktion, darunter im letzten Jahr 56 aus Meilen.
«Es geht uns um eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation.»
Für die diesjährigen Ferienwochen sind noch wenige Plätze frei! Anmelden kann man sich über das Online-Formular auf der GGM-Website bis spätestens 16. Mai. Die Ferien eignen sich für Senioren, Alleinstehende, Alleinerziehende, Familien und selbständige Menschen mit einer Beeinträchtigung. Wichtig: Man muss sich auf Deutsch verständigen können, um teilzunehmen.
Auch Institutionen werden unterstützt
Neben Einzelpersonen und Familien unterstützt die GGM auch rund zwei Dutzend Institutionen im Bezirk Meilen. Das alles kostet natürlich sehr viel mehr, als es die Mitgliederbeiträge hergeben, die von Anfang an vor allem für die Deckung der Verwaltungskosten gedacht waren. Bezahlt wird aus dem grossen Vereinsvermögen, das Wertschriftenerträge generiert.
Die GGM wurde am Sonntag, 13. Juli 1862 im Meilemer «Löwen» als Verein gegründet und ist somit bereits über 160 Jahre alt. Treibende Kraft war François Wille, der Vater des späteren Generals Ulrich Wille. Der Meilemer Verein war damals nur einer von vielen «Gemeinnützigen» im Kanton: Ihre Ziele waren die Bekämpfung von Armut, die Förderung von Bildung, Erziehung und wissenschaftlichem Fortschritt, kurz, sie pflegten das Gedankengut der Aufklärung und wollten Menschen dort unterstützen, wo es staatliche «Fürsorgelücken» gab. Auch Ferienaufenthalte zur Erholung, damals noch vor allem für Jugendliche, wurden schon früh angeboten. Sicher ist: Wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe bietet die bei vielen unbekannte GGM bis heute – diskret und im Hintergrund.