Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Gestern vor einer Woche fand im Jürg-Wille-Saal des «Löwen» die Generalversammlung des Vereins Heimatbuch Meilen mit anschliessendem «Forum» und Nachtessen statt.

Der Ablauf ist seit vielen Jahren gleich und hat sich bewährt: Die Traktanden der Generalversammlung wie etwa die Berichterstattung über das Geschäftsjahr, Jahresrechnung, Entlastung des Vorstandes und Budgetgenehmigung werden zügig und kompetent abgehandelt. Die Präsentation aller geplanten Artikel und die damit verbundene Beschlussfassung zur Herausgabe des Heimatbuches braucht jeweils etwas mehr Zeit und macht schon gluschtig auf die Ausgabe 2026, welche sich thematisch des Meilemer (Ess-)Kultur-Jahrs annimmt und als Schwerpunktthema «Essen und Trinken in Meilen» behandelt.
Der Leitartikel stammt von Ortsmuseum-Kuratorin Julia Hübner zum Thema «Der Wandel der Esskultur über die Jahrhunderte». Weitere Artikel sind «Das Abendmahl in der reformierten Kirche Meilen» (Erich Wyss) oder «Wie die Herren auf der Burg Friedberg tafelten» (Heinrich Boxler). Porträts von sechs Meilemer Food-Produzenten oder Menschen, die in ihrem täglichen Beruf im weitesten Sinne mit Kulinarik und Lebensmitteln zu tun haben, gehören ebenso zum Inhalt wie viele weitere spannende Texte, die mit dem Thema Esskultur nichts zu tun haben. «Carte Blanche» erhielt dieses Jahr Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari, Professorin für Geriatrie und Altersforschung. Nicht wegzudenken ist die Chronik der Ereignisse in der Gemeinde, die in jedes Heimatbuch gehört.
Die Herausgabe des Buches wurde erwartungsgemäss ohne Diskussionen oder Gegenstimme beschlossen, und der statutarische Teil des Abends fand schnell seinen Abschluss.
Nach einer kurzen Pause startete auf der Löwen-Bühne das Forum, das von Heimatbuch-Redaktor Hansruedi Galliker geleitet wurde. Gäste waren die fünf im kommenden Heimatbuch porträtierten Meilemer und eine Meilemerin. Red und Antwort standen Metzgermeister Karl Luminati, Bäcker Markus Brandenberger, Berufsfischer Pius Grieser, die Servicefachangestellte Theres Fuchs, Koch Cham Günter und Landwirt Reto Alig. Letzterer wird im Buch gemeinsam mit seinem Sohn Roman porträtiert, der Anfang Jahr den Hof Arbach übernommen hat.
Kontakt mit Menschen und lebendiger Teig
Sie habe eigentlich Handarbeitslehrerin werden wollen, erzählte Theres Fuchs. Die Aufnahmeprüfung machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Herr Steiner von der bekannten «Steiner Chilbi», einem der bekanntesten Volksfeste der Schweiz, motivierte sie dazu, die Hotelfachschule zu besuchen. Als «Landei», wie sich Theres Fuchs selber bezeichnet, brauchte es viel Überwindung, in der weit von zuhause entfernten Stadt Zürich die Ausbildung zu absolvieren. Bereut hat sie die Entscheidung aber nie. «Ich bin jetzt seit über 50 Jahren im Gastgewerbe tätig und habe in all den Jahren sehr viel erlebt und gelernt», sagte sie. Nach Meilen kam die Urnerin durch ihren Mann. Seit vielen Jahren ist sie im Löwen tätig, vor allem im Service bei Veranstaltungen oder Banketten. Obwohl sie eigentlich längst den verdienten Ruhestand hätte antreten können, freut sie sich, durch ihren Beruf mit vielen Menschen in Kontakt zu bleiben.
Die lebendige Materie Teig hat es Markus Brandenberger schon als Bub in Vaters Backstube angetan. «Ich mochte immer, dass im Bäckerberuf jede Handbewegung das Endprodukt beeinflusst», erzählte der Bäcker, der diesen Frühling seine Bäckerei aufgab und in Pension ging. Für ihn war es immer wichtig, über den persönlichen Kundenkontakt Identifikation mit dem Unternehmen zu schaffen. Nur so konnte er all die Jahre auch gegen grosse Produzenten und Detailhändler überleben. Tagwache war bei Markus Brandenberger übrigens jeweils um ein Uhr nachts, damit auch ohne viel Technologie pünktlich zur Ladenöffnung das frisch gebackene Brot für die Kundinnen und Kunden bereit lag. Das Handwerk habe sich über all die Jahre stark verändert. Der Preisdruck stieg, aber wer viel Wert auf hohe Qualität legte, war bei Brandenbergers immer gut bedient.
Schweinskotelett ist das beste Stück Fleisch
Karl Luminati schätzt heute an seinem Beruf besonders, dass er sein Wissen an die Kundschaft weitergeben kann. Auch sein Beruf habe sich seit der Ausbildung, die er 1981 abschloss, stark verändert. Heute habe man nicht mehr so viel Zeit zum Kochen, fertige Gerichte sind heute also viel gefragter als früher.: «Wir verkaufen heute fast mehr Gekochtes als rohes Geschnetzeltes. Gut läuft auch der Mittags-Imbiss mit wechselndem Angebot.» Was als Spontanidee mit einem kleinen Grill auf dem Trottoir vor dem Laden startete, ist heute für viele Meilemerinnen und Meilemer ein Treffpunkt über Mittag. Einen Tipp fürs beste Stück Fleisch hatte der Metzgermeister für das Publikum auch bereit: «Ich liebe Schweinskotelett. Richtig zubereitet hat es viel Geschmack und ist schön saftig.»
In den Job als Berufsfischer hereingeboren wurde Pius Grieser, der seinen Vater schon im Maxi-Cosi beim Fischen auf dem Zürichsee begleitete. «Für mich war also immer klar, dass ich Fischer werden möchte», sagte Grieser, der an seiner Arbeit liebt, dass jeder Tag eine Überraschung ist, weil die Natur vieles vorgibt. «Ich weiss am Vorabend nie, was ich am nächsten Morgen fange.» Ob ihm so allein auf dem See nicht auch mal langweilig werde, wollte Hansruedi Galliker wissen. «Ich könnte den ganzen Tag fischen, und mir würde die Freude daran nicht vergehen. Gerade die Ruhe schätze ich an meinem Beruf», sagte er und ergänzte: «Ganz allein bin ich nie unterwegs. Köbi, der Fischreiher, begleitet mich jeden Tag.» Die Berufsfischerei ist in der Schweiz aktuell ein Auslaufmodell, Nachwuchs zu finden ist schwer. In Zukunft wird sich wohl alles auf einige wenige Familienbetriebe konzentrieren.
Am liebsten einfach Bauer
«Bei den Kühen fühle ich mich am wohlsten», fasste Reto Alig die Faszination für seinen Beruf zusammen. Auf dem Hof Arbach produziert er gemeinsam mit seinem Sohn Roman, der den Hof Anfang Jahr übernommen hat, Milch, Rahm, 29 verschiedene Joghurts und Quark. Die Produktion erfolgt extern in einer Molkerei. Immer mehr Vorschriften erschweren die Arbeit im Milchviehbetrieb zunehmend. «Früher musste ich pro Jahr zwei Formulare ausfüllen, heute verbringt ein Landwirt jeden Tag auch mit Büroarbeit. Besonders die Dokumentationspflicht hat stark zugenommen», erzählte er. Neben Stallarbeiten gehören auch wetterabhängige Feldarbeiten, das Heuen und das Erstellen von Silo-Ballen zum Tagesprogramm. «Auch nach all den Jahren bin ich immer noch gerne einfach Bauer. Und jetzt, wo ich nicht mehr der Chef auf dem Hof bin, kann ich mich auch wieder mehr um die Kühe und weniger um Administratives kümmern», freut er sich.
Bereits als Kind seine Zeit in der Küche verbracht hat Koch Cham Günter, der mit seiner Partnerin Sascia Held die Wirtschaft zur Burg mit viel Leidenschaft führt. «Ich habe mir diverse Berufe angeschaut, aber in der Küche habe ich mich einfach immer am wohlsten gefühlt», erzählte er. In der Spitzengastronomie fühlt er sich zuhause, obwohl er seine 16 Gault-Millau-Punkte nie wirklich aktiv anstrebte. «Am wichtigsten in meinem Beruf sind gute regionale und lokale Produkte, die frisch verarbeitet werden. Darauf lege ich meinen Fokus. Wenn ich damit die Punkte halten kann, umso besser», sagte er. Auch in der Küche ist es schwierig, guten, motivierten Nachwuchs zu finden. GastroSuisse setze aber alles daran, den Beruf wieder attraktiver zu machen.
Beim anschliessenden gemeinsamen Nachtessen wurde weiter über das Thema Kulinarik diskutiert, und man darf sich darauf freuen, in den Porträts noch mehr in die Welt der Forumsteilnehmer eintauchen zu können.