Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ein Plädoyer für den Journalismus

Oliver Steffen verband in seiner 1.-August-Rede beste Unterhaltung mit wertvoller Information.

Der Chefredaktor, Journalist und Moderator liess die versammelte 1.-August-Gemeinde im Festzelt in der Seeanlage mit einer Geschichte aufmerken, die seit seinen Jugendtagen immer wieder über ihn kolportiert werde. Und zwar werde berichtet, er habe den Atlantik schwimmend von Europa nach Amerika durchquert und unterwegs sogar einen Wal mit dem kleinen Finger erwürgt.

So eine Geschichte macht einen nachdenklich. Und natürlich fragt man sich sogleich: Kann das sein? Recherchen werden ergeben, dass der Atlantik tatsächlich zwischen Europa und Amerika liegt, und sie werden auch bestätigen, dass es im Atlantik Wale in allen Grössen gibt. Eine Rückfrage bei Steffen selber würde aber zeigen, dass sich seine Begeisterung fürs Schwimmen in engen Grenzen hält. Und ein Grössenvergleich auch eines kleinen Wals mit dem zugegebenermassen grossen kleinen Finger von Oliver Steffen würde zudem zeigen, dass das mit dem Erwürgen doch eher ins Reich der Märchen gehört. Schliesslich würden die Recherchen einzig ergeben, dass die Geschichte von Steffens Atlantiküberquerung in Verbindung mit einer Walerwürgung tatsächlich erzählt wird, inhaltlich aber nichts dran ist.

Nachdenken, recherchieren, kombinieren

Andererseits: Welcher Artikel würde die Aufmerksamkeit der Leser eher auf sich ziehen: «Steffen erwürgt Wal» oder «Steffen schwimmt nicht gern»?

An diesem Beispiel veranschaulichte der Festredner die Aufgabe und das Dilemma eines Journalisten.

Zum Job des Journalisten gehörten ganz wesentlich die drei Schritte «nachdenken», «recherchieren», «kombinieren», sagte er. Zugleich müsse er zusehen, dass er die Aufmerksamkeit des Medienkonsumenten auf sich lenken kann. Da generiert die Überschrift «Steffen schwimmt nicht gern» weit weniger Leser, Zuschauer und Klicks als die Überschrift «Steffen erwürgt Wal».

Schon der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt pflegte zu sagen, dass Journalisten und Politiker dasselbes Problem gemeinsam haben, nämlich, dass sie über Dinge schreiben müssen, die sie noch nicht wirklich verstehen.

Oder, wie Steffen es ausdrückte: Journalisten sind Spezialisten für alles bei völliger Unwissenheit. Vielleicht ist es ja diese problematische Situation, in der sich beide Seiten befinden, die dazu führt, dass ihre Berufsgattungen regelmässig am Schluss von Beliebtheitsskalen auftauchen. Aber Journalisten – und bestimmt auch Politiker – denken wenigstens noch nach, stellen Recherchen an und kombinieren die dadurch vorliegenden Fakten, während die neuen Medien, die Social Media, ungeprüft alles weitergeben, was bei ihnen hochgeladen wird.

Dennoch geht jeder zweite Werbefranken, der in der Schweiz ausgegeben wird, zu Grosskonzernen, die keinerlei Verantwortung für die Informationen übernehmen, die über ihre Kanäle verbreitet werden. Eine Information, die zum Nachdenken anregt und einem die hart arbeitenden Journalisten gleich ein ganzes Stück sympathischer macht.

Informationen kritisch geprüft

Dann wäre da noch die Geschichte mit dem Obervampir. Das ist eine wunderbare Anekdote, die etwas mit einem Zeitungsartikel, einem hart arbeitenden Politiker – der besonders freundlich sein wollte –, einem Versehen in der Verwaltung und einer wohlwollenden Postzustellung zu tun hat. Aber wie genau die nun lautet, sei für einmal Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, überlassen. Mit etwas Recherche und Kombination werden Sie das schon herausfinden.

Denn das, so Steffen, gehört wesentlich zur viel gelobten Freiheit in unserem Land. Dass auch die Bürgerin und der Bürger die dargereichten Informationen kritisch prüft und schliesslich selber entscheidet – und eben nicht Social Media und schon gar nicht die KI für sich entscheiden lässt.

Alle singen die Nationalhymne

So legte Oliver Steffen mit Witz und Humor der grossen Festgemeinde den Beruf des Journalisten ans Herz, und zumindest an diesem Morgen stieg seine Berufsgattung in der Beliebtheitsskala steil nach oben. So wurde die Meilemer Nationalfeier zu einem schönen Fest, das von Festordnerin Maria Häni einmal mehr ausgezeichnet organisiert worden war. Den Festbetrieb hielten dieses Jahr die Mitglieder des Männerturnvereins mit grossem Engagement aufrecht. Der Musikverein Meilen spielte frisch auf und liess auch die Nationalhymne kräftig erklingen. Wie jedes Jahr sang Daniel Mark die erste Strophe allein, worauf die Festgemeinde in die reslichen drei Strophen mit einstimmte. Die Ehrendamen verkauften das 1.-August-Abzeichen, und während der ganzen offiziellen Feier schmückten die Fahnen der Meilemer Vereine die Rednertribüne. Mit dem traditionellen Anstossen auf die Schweiz fand der offizielle Teil der Feier 2026 ein fröhliches Ende.

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