Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Kinder sollen eigene Lösungen entwickeln dürfen

Mit dem neuen Schuljahr beginnt für Kinder und Jugendliche wieder eine Zeit voller Anforderungen: Schulsachen organisieren, Hausaufgaben erledigen, Prüfungen vorbereiten und an Termine denken.

Als Eltern möchten man unterstützen – und oft kennen die Erwachsenen die Lösung schon, bevor das Kind darüber nachgedacht hat.

Doch Selbstständigkeit bedeutet nicht, dass Kinder alles allein schaffen müssen. Sie entsteht, wenn sie die Möglichkeit bekommen, selbst ins Denken und Handeln zu kommen.

Hat ein Kind etwas vergessen, liegt der Satz «Dann schreib es dir doch in die Agenda!» schnell auf der Zunge. Hilfreicher kann eine Frage sein: «Was könntest du machen, damit du morgen daran denkst?»

Vielleicht möchte das Kind eine Erinnerung ins Handy stellen oder seine Sachen am Abend bereitlegen. Entscheidend ist nicht, ob wir Erwachsenen eine bessere Lösung kennen, sondern dass das Kind eine eigene entwickeln und ausprobieren darf. Und wenn diese nicht funktioniert?  Dann beginnt Lernen indem man die richtigen Fragen stellt: «Was hat nicht geklappt?», «Was könntest du nächstes Mal anders machen?» oder «Was würde dir helfen?»

Findet das Kind keine Lösung, dürfen Eltern Ideen anbieten und fragen, ob das Kind die Vorschläge hören möchte. Die Entscheidung darf möglichst beim Kind bleiben. Das bedeutet manchmal auch auszuhalten, dass ein gewählter Weg nicht dem eigenen entspricht oder sogar scheitert. Doch genau daraus entsteht eine wichtige Erfahrung: Ich hatte eine Idee. Ich habe sie ausprobiert. Ich kann etwas verändern.

Hier wächst Selbstwirksamkeit – das Vertrauen, durch eigenes Denken und Handeln etwas bewirken zu können. Kinder in die Selbstständigkeit zu begleiten bedeutet deshalb nicht, sich zurückzuziehen, sondern die eigene Rolle zu verändern – nicht weniger begleiten, sondern anders begleiten.

Denn wo Kinder sich selbst etwas zutrauen und eigene Wege gehen dürfen, können Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Freude am Lernen wachsen.

/Anke Pera, Dipl. Lerntherapeutin, www.freudeamlernen.ch

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