Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Meilen hat einen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Architekten, Städteplaner und Hochschullehrer verloren. Am 11. April 2026 ist Ueli Roth kurz vor seinem 91. Geburtstag gestorben.

Ueli Roth ist in Zofingen aufgewachsen und hat von 1954 bis 1959 an der ETH in Zürich und 1960/1961 an der Graduate School of Design der Harvard University in Cambridge Architektur und Stadtplanung studiert. Er arbeitete in den Vereinigten Staaten an verschiedenen Stadterneuerungsprojekten – so zum Beispiel in Nashville, Tennessee – und wurde Professor für Städtebau an der University of California in Berkeley.
1966 kehrte er in die Schweiz zurück, wo er als Dozent für Stadtplanung und Siedlungsbau an der ETH wirkte. Parallel eröffnete er ein eigenes Planungsbüro (Büro «ur») und setzte sein Wissen in die Praxis um. Als Pionier verantwortete er in der «Regio Basiliensis» eine länderübergreifende Planung zwischen Jura, Schwarzwald und Vogesen. Sein Büro erarbeitete wegweisende Grundlagen zu Bevölkerung, Besiedlung, Infrastruktur, Energie, Verkehr, Luftfahrt und Lärm. Eines seiner weiteren bedeutenden Projekte war die Umnutzung des Industriegebiets Neu-Oerlikon: 1988, mitten in den heftig geführten Debatten über die Revision der Zürcher Bau- und Zonenordnung (BZO), begann das «Planungsmärchen» – wie Roth es selber bezeichnete – mit ersten Ideen für die Entwicklung des 60 Hektaren grossen Gebiets; 2010 war Neu-Oerlikon vollendet. Ein neuer, vielseitig genutzter und lebendiger Stadtteil ist entstanden.
Ueli Roth hat nicht nur skizziert und projektiert, er hat vor allem auch mit politischem Gespür und Diplomatie alle Beteiligten immer wieder auf eine gemeinsame Linie gebracht, wie er nicht zu unrecht stolz erzählte. Der Mehrwert für die Investoren wurde ausgeglichen mit neuen Plätzen und Pärken für die Bevölkerung.
Weitere seiner Arbeiten umfassten die Entwicklung des Maag-Areals mit dem Prime Tower in Zürich-Hard und das ABB-Areal in Baden, den Bau des Bahnhofs Stettbach, die Glattalbahn oder auch die Arealentwicklung der Papierfabrik Balsthal.
Meilen wurde 1976 Ueli Roths Heimat. Er konnte den «Bünishof» erwerben, das ehemalige Weinbauernhaus oberhalb des Bahnhofs Feldmeilen mit der markanten Zeder im Garten, dessen Name auf den 1267 erstmals urkundlich erwähnten Ritter Conrad Meyer zurückgeht. Roth hat das denkmalgeschützte Haus aus dem 17. Jahrhundert sorgfältig restauriert und den Park mit einer terrassierten Rasenanlage liebevoll neu gestaltet.
2012 waren Ueli Roth und seine Frau Bianca Pestalozzi im Bünishof Gastgeber für die Vernissage der Tafeln «bedeutende Gebäude in Meilen». Nicht nur als Hausherr des Bünishofs war Roth in Meilen bekannt. Er engagierte sich im Quartierverein Feldmeilen und brachte sein bedeutendes Fachwissen ein als Mitglied im Baukollegium (1978 bis 1994) und in der Ortsplanungskommission (1986 bis 1990). In den Protokollbüchern ist nachzulesen, wie sich Roth bei Überbauungen für Gestaltungspläne im öffentlichen Interesse und für die architektonische Einordnung in die Umgebung stark machte und gleichzeitig mit sicherem Auge auf die Ausgestaltung im Detail achtete.
Selbst wenn Ueli Roths berufliche Bühne international war, so hat er sich immer ebenso ernsthaft mit den lokalen Fragen beschäftigt. So setzte er sich zum Beispiel erfolgreich für die Erhaltung des Naherholungsgebiets «Luft» ein. Auch mit dem aktuellen Projekt der Gebietsentwicklung am Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen hat er sich vertieft auseinandergesetzt und sein Lob sowie seine konstruktive Kritik mit den Behörden und den zuständigen Architekten debattiert.
Ueli Roth war eine eindrückliche Persönlichkeit mit einem weit über die Schweiz hinaus bekannten Renommee in den Themen des Städtebaus. Ihm zuzuhören, wenn er auch für einen Laien verständlich über sein Fachgebiet referierte, war ein Genuss. Gekonnt und spannungsvoll schilderte er die Ausgangslage, den Weg der Problemlösung und brachte das Resultat konzis auf den Punkt. Sein offener Geist, sein breites Interesse, sein erfrischender Humor zeichneten ihn aus. Er bleibt als grosszügiger und liebenswürdiger Mensch in allerbester Erinnerung.
Neben seinem Beruf liebte er die Kunst und die Natur. Daneben zählte das Reisen zu seinen Leidenschaften, und wenn er mit seinem Motorrad die Schweizer Alpenpässe bezwang, strahlte er. Ueli Roth hinterlässt seine Frau Bianca mit Sohn Florian und drei Töchter mit deren Familien. Der Gemeinderat spricht der Trauerfamilie sein tief empfundenes Beileid aus.