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- /Christoph Hiller, Gemeindepräsident
Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Pfarrerinnen und Pfarrer prägen das Leben einer Kirchgemeinde unter Umständen in besonderem Masse, und so ist die Freude gross, wenn eine Person gefunden wird, die zur Gemeinde und ebenfalls ins Pfarrteam passt.
Das war denn auch der Tenor der Ansprache des reformierten Kirchgemeindepräsidenten Andrea Picenoni am letzten Sonntag. Nach der Pensionierung von Daniel Eschmann hat Karola Wildenauer die Stelle als Verweserin übernommen, und sie habe sogleich Spuren hinterlassen. Zudem habe auch die Zusammenarbeit im Team funktioniert. Daher freue er sich so sehr, dass sie nun Pfarrerin in Meilen sei. Im Gegenzug beglückwünschte er sie zu ihrer Entscheidung, nach Meilen zu kommen, denn sie habe sich damit für die beste Kirchgemeinde am See entschieden.
Der Vizedekan sprang ein
Zuvor aber wurde die neue Pfarrerin in einer schönen Feier in ihr Amt eingesetzt. Agnes Suszter-Gautschi an der Querflöte und Barbara Meldau an der Orgel spielten klassische Werke und setzten so einen heiter-fröhlichen Grundton für die Feier. Zur Eingangsmusik zogen die Pfarrpersonen Marc Stillhard, Erich Wyss und Karola Wildenauer in die Kirche ein. Eigentlich hätte auch der Dekan des Bezirks Meilen mit einziehen sollen, da er üblicherweise Einsetzungen durchführt. Doch wie die Gemeinde erfuhr, hatte der arme Pfarrer Jäger einen Unfall, der einen Spitalaufenthalt nötig machte. Die Verletzung scheint nicht bedrohlich zu sein, doch konnte er am vergangenen Sonntag nicht seines Amtes walten.
Also musste der Vizedekan einspringen, und das ist glücklicherweise Marc Stillhard. Erich Wyss las die Geschichte der Emmaus-Jünger, auf die dann sowohl Marc Stillhard in seiner Ansprache als auch später Karola Wildenauer in ihrer Predigt Bezug nahmen. Zur feierlichen Einsetzung von Karola Wildenauer erhob sich die ganze Gemeinde. Abschliessend wurde sie vom Vizedekan mit einem ausführlichen Segen für ihre Arbeit ausgerüstet.
Die Legende vom Bau der Meilemer Kirche am See
In ihrer Antrittspredigt stieg die neue Pfarrerin gleich mit der Legende vom Bau der Meilemer Kirche ein. Da sollte die Kirche in der Höhe und auf exponierter Lage gebaut werden, doch am anderen Morgen lagen Steine und Balken unten am See. Wieder trugen die Meilemer das Material auf den ursprünglich vorgesehenen Bauplatz, und wieder war am nächsten Morgen alles Material unten am See – wo die Kirche schliesslich gebaut wurde. «Nicht die Menschen bestimmen, wo Gott sein Haus bauen will», deutete Wildenauer die Legende und sprach damit zugleich etwas Grundsätzliches über das Kirchesein aus. Anschliessend betrachtete sie in einem weiten Bogen den Vers aus dem Propheten Micha: «Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Einsicht mit deinem Gott zu gehen.» Dabei legte sie Gewicht auf die befreiende Aussage, nämlich, dass es den Menschen gesagt ist, was gut ist. Im Grunde des Herzens weiss das jeder Mensch. Und so seien die Meilemer in Einsicht mit ihrem Gott gegangen und hätten die Kirche dort gebaut, wo er sie haben wollte: Unten am See, am belebenden Wasser und nahe bei den Menschen.
Grussworte von Kirchgemeinden und Gemeindepräsident
Schliesslich wurde, nachdem Andrea Picenoni den Anfang gemacht hatte, eine ganze Reihe von Grussworten ausgerichtet. Hans-Ueli Leemann sprach im Namen der Bezirkskirchenpflege und wünschte der Pfarrerin alles Gute und viel Kraft, gerade auch in den schwierigen Zeiten. Von der katholischen Schwesterkirche richtete Beat Birkenmeier Grüsse aus und betonte das gute Einvernehmen, das zwischen den beiden Kirchgemeinden bestehe. Von der Viva Kirche Meilen grüsste Martin Meier. Auch er drückte seine Freude über das gute Verhältnis aus, das zur reformierten Kirche bestehe.
Das letzte Wort hatte Gemeindepräsident Christoph Hiller. Als Präsident stehe er auch der Wahlbehörde vor, und er hatte bei der vergangenen Urnenwahl festzustellen, dass Karola Wildenauer mit 95% der Stimmen gewählt worden sei, wohingegen der Gemeindepräsident «nur» 80% der Stimmen erreicht habe. Er unterstrich, dass auch die Arbeit im Gemeinderat nicht geistlos sei, und überreichte der neuen Pfarrerin zwar nicht den Heiligen Geist, wohl aber den Gemeinderatsgeist.
Herzhaftes Lachen im Chilesaal
Anschliessend an den Gottesdienst traf sich die Festgesellschaft im Chilesaal und stiess auf die neue Pfarrerin an. Christian Raichle von der katholischen Kirchenpflege spielte, begleitet von Barbara Meldau, der neuen Pfarrerin ein Ständchen, und hier und da entstanden kurze oder längere Gespräche, die immer wieder ein herzhaftes Lachen auslösten.