Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Besser als das Oktoberfest

Wer braucht schon das Münchner oder das Zürcher Oktoberfest, wenn er an die Obermeilemer Suuserchilbi pilgern kann! Bei Traubensaft, Live-Musik und allerlei Köstlichkeiten genossen die Meilemer ein herbstsonniges Wochenende.

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«Auf allen Tischen stand unser Suuser», freut sich Alain Schwarzenbach. Mineralwasser sieht man an der Suuserchilbi tatsächlich nur selten, und für Wein oder Bier ist es schon gar nicht die Zeit. Suuser ist für alle da, und es findet jeder den für ihn passenden Promillewert, der vom Stadium des Gärprozesses bestimmt wird: «Mannesuuser» hat am meisten Alkohol (rund 9 Volumenprozent), beim «Wybersuuser» ist es dann schon nur noch halb so viel, und der Suuser für die «Goofen» ist alkoholfrei. Der geschlechterbewusste Sprachgebrauch wird hier also stark betont mit der seit Jahrzehnten gepflegten Zuordnung von starken «Mannen» und etwas weniger starken «Wybern».

Total 1420 Liter Suuser ausgeschenkt

Gelagert werden die vergorenen Traubensäfte in riesigen 755-Liter-Fässern vor der Alten Sonne. Während man früher manchmal von Samstag auf Sonntag noch Nachschub besorgen musste, reicht der Suuser seit einigen Jahren jeweils nahezu «tout juste». So auch diesmal: Insgesamt wurden aus den beiden grossen Fässern 1300 Liter Manne- und Wybersuuser ausgeschenkt. Vom Goofesuuser, für den ein kleines Fass reicht, waren es 120 Liter. «Die Leute hatten den diesjährigen Suuser gern», sagt Alain Schwarzenbach, «wir haben viele Komplimente bekommen.» Trotzdem, an die ausgeschenkten Mengen aus früheren Zeiten – bis zu 3000 Liter – kommt man nicht mehr heran. Die Senkung der Promillegrenze für Autofahrer vor bald 20 Jahren stellte die Zäsur dar.

Nicht nur das Getränk ist exklusiver als das Allerweltsbier, welches an Oktoberfesten ausgeschenkt wird, auch die Band zeigte den gewissen Lokalkolorit. «Bregy and Friends» spielten am Sonntag an der prallen Sonne vor dem grossen Festzelt unermüdlich Hits von Italo-Gassenhauern aus den Achtzigern bis zur «W. Nuss vo Bümpliz», auf jeden Fall etwas zum Mitsingen, und am Samstagabend legte DJ Manolo auf.

«Es Kilo bitte!»

Äusserst wichtig bei einem solchen Anlass sind natürlich die freiwilligen Helferinnen und Helfer. Dutzende von ihnen arbeiteten im Dreischichtbetrieb: Sie schenkten Suuser aus, servierten, kümmerten sich um den Abwasch und halfen am Büffet und in der Küche. Zu erkennen waren sie an ihren gelben T-Shirts. «Coole Liibli» hörten sie diesmal so oft wie noch nie. Zwar sind die Shirts nicht neu, doch wird das Design normalerweise von wärmenden Jacken verdeckt: «Ich stahn uf Wyber», «Ich stahn uf Manne» und «Es Kilo bitte!» (Meilemer Slang für «einen Liter Suuser bitte») stand dieses Jahr ganz klar zu lesen. Es war bis in den Abend hinein so warm wie im Sommer, und Jacken erwiesen sich als völlig überflüssig.

Die legendären Müslichüechli

Wie immer gab es an der Suuserchilbi auch gutes Essen: Die Crew der Alten Sonne um Wirtin Ann Blättler (zum letzten Mal im Einsatz, aber eine Nachfolge ist schon in Sicht!) und die Helfer tischten im grossen Festzelt und auf der Terrasse des Restaurants Schnipo, Pommes, Käsespätzli oder Hirschpfeffer auf, dazu gab es an diversen Ständen Fischchnusperli, Bratwürste und Co. zu kaufen, die im Festzelt und an direkt auf der Alten Landstrasse stehenden Festbänken verzehrt wurden, so man denn noch einen Platz fand. Auch die legendären Müslichüechli – knusprig frittierte Salbeiblätter – durften nicht fehlen, wobei Apfelchüechli mit Vanillesauce ihnen starke Konkurrenz machten.

Komplettiert wurde das Bild von einem nostalgischen Kinderkarussell, «Hau den Lukas», einem Schiessstand und Verkaufsständen mit Gestricktem und Spielzeug. Ausserdem wurde eine kleine Kaffee-Station aufgebaut.

Übrigens ist die Suuserchilbi auch der gesellige Auftakt in die neue Weinsaison, die gut zu werden verspricht. Konsequenterweise wird alles, was vom Suuser übrig bleibt, bei Schwarzenbachs schliesslich zu Riesling x Sylvaner weiterverarbeitet.

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