Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Die neue Ausstellung im Ortsmuseum über Max Hunziker (1901 – 1976) ist ein kleines Bijou: Sie zeigt in neun Gruppen die überraschende Vielfalt seines Werks und erstmals auch die originalgrosse Vorlage eines Meilemer Kirchenfensters.
Vielen Meilemern dürfte der Name Max Hunziker ein Begriff sein: Die fünf «Hunziker-Fenster» in der reformierten Kirche – direkt schräg gegenüber des Ortsmuseums Meilen – sind seit 55 Jahren mit leuchtenden Farben der Schmuck des spätgotischen Chors und für alle Betrachter eine Freude, ob religiös oder nicht. Dass Hunziker nicht nur Glaskünstler, sondern auch Maler, Buchillustrator und Druckgrafiker war, ist jedoch den wenigsten bekannt.
Jubiläum und Nähe
Der Zürcher Max Hunziker wurde vor 125 Jahren geboren und starb vor 50 Jahren. Dies und die örtliche Nähe zu den Kirchenfenstern führten zur Ausstellung in Meilen, die vom Verein «Atelier Max Hunziker» initiiert und mit vielen engagierten Helfern umgesetzt wurde. Am letzten Freitag war die Vernissage.
Der Eröffnungsabend stiess auf grosses Interesse – so gross, dass im Gewölbekeller des Ortsmuseums zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Begrüsst wurden die Besucher von Ursula Kunz. Sie war eine gute Freundin des Ehepaars Hunziker und macht heute den Nachlass des kinderlosen Künstlers zugänglich. Sie hat die Werke in den letzten Jahren erschlossen und inventarisiert, dies gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Angela Schiffhauer, die die Besucher ihrerseits mit einem Kurzvortrag auf die Ausstellung einstimmte.
Als musikalische Umrahmung der Vernissage spielte Matthias Arter auf seiner Oboe die Fantasie Nr. 7 und Nr. 12 von G. Ph. Telemann. Er hat sämtliche zwölf Fantasien in der reformierten Kirche Volketswil unter Fenstern von Max Hunzikern eingespielt und mit einem Begleittext auf CD veröffentlicht.
Chronologisch aufgebauter Rundgang
Mit Hunziker schon länger verbunden ist auch der Kunsthistoriker F. Carlo Schmid aus Düsseldorf, der schon 2001 einen wichtigen Aufsatz über dessen grafisches Werk verfasste. Im Ortsmuseum wies er auf Besonderheiten von Hunzikers Schaffen hin und erläuterte den Stil des tief religiösen Künstlers. Auch wer am interessanten Vortrag nicht dabei war, erhält fundierte Infos zur Ausstellung, denn es wurde ein handlicher Führer in Form eines kleinen Büchleins gedruckt, den man mitnehmen und auf dem Gang durch die Räume als Infoquelle benutzen kann.
Der Rundgang ist chronologisch aufgebaut und beginnt gleich hinter dem Eingang. Im linken Raum werden die 1920er-Jahre behandelt, geradeaus die Jahre in Paris (1931-1939) und im rechten Raum Werke der Kriegszeit. Bis zum Zweiten Weltkrieg arbeitete Hunziker, der übrigens nie eine Akademie besuchte und Autodidakt war, in Italien und Frankreich. Dann kehrte er nach Zürich zurück. Die nach 1939 entstandenen Werke sind im Gewölbekeller zu sehen.
Von Badenden bis Bürgerkrieg
Im Erdgeschoss werden Bilder gezeigt, die von Cézanne inspiriert wurden, zum Beispiel Porträts, Landschaften, Stillleben und Badende oder Alltagsszenen. Hunziker malte 1934 auch erstmals die Landschaft des Wallis, das in seinem Werk bis an sein Lebensende immer wieder wichtig ist. Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg zeichnete er mit Tusche und stellte mit kräftigen schwarzen Umgrenzungen der Körper Leid, Abschied und Trauer dar.
Als hübsches Detail zu sehen ist ausserdem ein Milchkrug aus Max Hunzikers Sammlung, die er als jüngster Sohn eines Milchmanns anlegte.
Durchbruch als Glasmaler mit 40
Hunzikers sonnige Seite zeigt sich auf Tourismus-Plakaten für Zürich. Das Grossmünster steht auf einem Plakat 1957 vor hellgelbem Himmel, die Enten fliegen, und in der Ferne grüssen die Voralpen. Noch fünfzig Jahre später gab es das Sujet als Postkarte zu kaufen. Ebenfalls 1957 wurde in Zürich-Witikon Hunzikers Haus mit Atelier erbaut, das heute anlässlich von Führungen besichtigt werden kann.
Auch Buchillustrationen lassen sich als Thema entdecken. Seinen künstlerischen Durchbruch erlebte Max Hunziker aber als Glasmaler mit 40 Jahren. Seine Glasmalereien sind in über 30 öffentlichen Gebäuden und Kirchen zu sehen, sogar an der Landesausstellung 1964 in Lausanne war er vertreten. In Meilen gibt es einen weiteren Hunziker nicht nur in der reformierten Kirche, sondern auch im Altbau des Bezirksgerichts.
Kirchenfenster in Originalgrösse
Um nochmals auf die Meilemer «Hunziker-Fenster» zurückzukommen: Sie sind auch deshalb aussergewöhnlich, weil sie in einem speziellen Verfahren entstanden, das Max Hunziker 1967 zusammen mit dem Kunstglaser Karl Ganz entwickelt hatte. Es wurde nicht mehr farbiges Glas mit Bleiruten zusammengehalten, sondern in Polystyrol mit geschmolzenem farbigem Granulat «gemalt». Damit wurden die grossflächigen farbintensiven Motive möglich. Einer der ausgeführten Entwürfe mit der Martinslegende und dem Dorf Meilen im Zentrum wird in liegender Form als farbige Gouache-Zeichnung auf Karton in Originalgrösse gezeigt. Es ist erstaunlich, wie stark auch hier die Farben leuchten, obwohl kein Licht durch sie hindurch fällt.
Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit einer Predigt zu den Fenstern von Max Hunziker am 10. Januar, Führungen durch die Ausstellung am 10. und am 17. Januar sowie einem Konzert am 17. Januar in der reformierten Kirche. Details und Anmeldung siehe www. ortsmuseum-meilen.ch, Link «Wechselausstellung».
Ausstellung Max Hunziker zum Gedenken, «EinBlick» in den Nachlass des Künstlers, bis 31. Januar 2027, geschlossen 21. Dezember bis 3. Januar. Offen Samstag und Sonntag, 14.00 – 17.00 Uhr, Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14.