Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Den Klang von Meilen sichtbar machen

Sylwia Nowakowska sammelt Daten und macht sie zu Kunst. Ihr erstes Projekt widmet sie ihrer Wohngemeinde Meilen.

Das Ufer und die Wellen vereint in einem Kunstwerk, zu dem auch eine Animation gehört.

Im letzten Juni sass die 38-jährige promovierte Nanowissenschaftlerin gegen vier Uhr morgens am Fähresteg in Meilen und wartete. Ihre einzige Gesellschaft in der lauen Sommernacht war ein einsamer Fischer in einiger Entfernung, der etwas vergessen zu haben schien, er verschwand bald wieder. «Das war mir nur recht», sagt Sylwia Nowakowska. Denn sie wartete auf den richtigen Moment. Einen Moment, in dem bloss drei Geräusche zu hören sein würden: Das Plätschern der Zürichseewellen am Ufer, das Zwitschern der Vögel und der Schlag der Turmglocke der reformierten Kirche.

Tonaufnahmen am Wasser

Ab 04.14 Uhr gelang es ihr schliesslich, diese drei Tonspuren sauber, klar und ohne das Brummen eines vorbeifahrenden Autos aufzunehmen, und dies während mehreren Minuten. Zufrieden packte sie ihr Mikrofon und das Aufnahmegerät ein und ging nach Hause. «Ich möchte mit meiner künstlerischen Arbeit die rhythmischen Klänge des Zürichsees nicht nur hörbar machen, sondern auch sichtbar», sagt sie. Und sie möchte ihre Verbundenheit mit Meilen ausdrücken.

Dafür setzt sie auf algorithmische Kunst. Sie hat die an der Fährestation gesammelten Töne mithilfe eines von ihr geschriebenen Programms in Farben und Muster übersetzt, die selber Wellen ähneln – ein Kunstwerk kann auch entstehen, indem durch die Künstlerin Regeln festgelegt werden, nach denen es erzeugt wird.

Die Kurven, die man schliesslich in Form eines Bildes an die Wand hängen kann, folgen mit vielen wellenartigen Spitzen der geschwungenen Form des hölzernen Meilemer Fähre-Anlegeplatzes und haben teilweise auch dessen Farbe: Braun bedeutet in der Sprache des Algorithmus eine andere Tonhöhe als das Blau des Sees.

Das finale Werk setzt sich schliesslich aus zwei Teilen zusammen, nämlich aus zwei Fine-Art-Drucken hinter Acrylglas von zusammen 1 x 1 m Grösse. Rechts die Wellenformen, links ein minimalistisches Drohnenfoto des hölzernen Stegs, am Morgen nach Sonnenaufgang aufgenommen in einem Winkel von 90 Grad zur Horizontalen, also genau senkrecht nach unten.

Dazu kommt eine 1-minütige Animation, bei der man die Wellen gluckern, die Vögel zwitschern und die Glocken läuten hört. Synchron zu den Klängen wird dabei das Kunstwerk erzeugt, dessen Farben in der Animation wirken, als ob sie zerfliessen und anschliessend trocknen würden. Käufer des Werks, das in einer Auflage von 10 Stück gedruckt wird, erhalten die Animation zusätzlich als hochauflösendes Video zum Herunterladen.

Physik und Nanowissenschaften als Ausgangspunkt

«Ich hoffe, dass die Betrachter durch dieses Kunstwerk die Verbundenheit mit ihrer Heimat spüren könnten. Ich möchte das Gefühl mit ihnen teilen», sagt Sylwia Nowakowska. Sie lebt seit etwas über zehn Jahren in Meilen und liebt besonders den See. Diese Verbundenheit zum Wasser kennt sie schon aus ihrer Heimat Polen, wo sie ebenfalls an einem See aufgewachsen ist, am Jeleń-See im Norden des Landes. In Polen hat sie Physik studiert, in Basel in Nanowissenschaften doktoriert und dann in Industrie, Forschung und Entwicklung gearbeitet. «Es war sehr erfüllend, aber ich wünschte mir noch mehr kreativen Freiraum», sagt sie. So hat sie vor fünf Monaten ihr eigenes Kunststudio «Data Immersion» gegründet und fokussiert jetzt ganz auf Kunst.

Sie habe noch viele Ideen für andere Kunstwerke, sagt Sylwia Nowakowska. Zuerst beendet sie nun die Serie Shorelines der «Gold Coast Collection», denn neben Meilen werden sieben weitere Gemeinden am rechten Seeufer ihr individuelles Diptychon erhalten.

Gezeigt wird das Werk für Meilen anlässlich von «Private Viewings» im Fähre-Stübli des «Löwen» vom 11. bis 13. Dezember, und im Sommer ist eine Ausstellung mit allen acht Diptychen im Goldbach Center in Küsnacht geplant.

Die Animation zum Kunstwerk ist zu finden unter https://meilen.data-immersion.com. Dort kann man sich auch für Private Viewings anmelden.

www.data-immersion.com

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