Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Pippo Pollina begeisterte ein grosses Publikum

Bereits eine Viertelstunde vor Konzertbeginn war der Jürg-Wille-Saal nahezu voll belegt. Langjährige Fans, die den Cantautore aus Sizilien schon seit Jahrzehnten verfolgen, sassen neben interessierten Meilemern, die noch nie ein Stück von Pollina gehört hatten.

In Meilen trat Pippo Pollina mit einer vierköpfigen Band auf. Fotos: MAZ

Regula Litschig begrüsste im Namen der Mittwochgesellschaft die Anwesenden und hiess Pippo Pollina, der mit Musik, Worten und seiner unverwechselbaren Stimme die Menschen berührt, in Meilen willkommen.
Pollina eröffnete sein Konzert, indem er durch das Publikum nach vorne schreitend seinen ersten Song sang. Da wird er nicht der erste Musiker sein, der auf diese Idee gekommen ist. Dennoch erwies sich dieser Auftritt als typisch für Pollina: Seine Musik ist nahe bei den Menschen. «Meine Musik ist immer auf der Seite der Schwachen», konnte er später sogar sagen. «Wir müssen Menschen bleiben, und das bedeutet auch: Wir müssen uns unsere Hände schmutzig machen.»

Ein politischer Künstler
Pollina gab damit zu verstehen, dass er auch ein politischer Künstler ist und keine Angst hat, sich mit klaren Stellungnahmen zu exponieren. So prangerte er u.a. die unverhältnismässige Reaktion der israelischen Regierung auf den Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 an. Pollina verurteilte ebenso deutlich den Überfall der Hamas. «Aber», meinte er, «es kann nicht sein, dass ein demokratisch verfasster Staat mit einem Krieg antwortet, der 100’000 Todesopfer fordert.» Darauf sang er «Free Palestina». Das war gegen Ende des Konzerts. Zu Beginn sang er als drittes oder viertes Lied «Hasta siempre», in dem er Peppe Mujica ein Denkmal setzt. Mujica war von 2010 bis 2015 Präsident Uruguays und sorgte u.a. durch seinen bescheidenen Lebensstil – er wohnte während seiner Regierungszeit nicht im Präsidentenpalast, sondern blieb in seiner einfachen Finca – und eine bemerkenswerte Rede vor der Uno-Vollversammlung für Aufsehen.
Pollina sang aber auch über die Reichskristallnacht («La notte dei cristalli») und über die Widerstandsgruppe «Weisse Rose». Die «Weisse Rose» war der einzige namhafte Widerstand gegen das Nazi-Regime in Deutschland, der aus den Universitäten kam. Hans Scholl gehörte unter anderen dieser Gruppe an. Unmittelbar vor seiner Hinrichtung rief er laut: «Es lebe die Freiheit!» Mit diesem Ausruf endete auch Pollinas Lied «La rosa bianca».

Entdeckt von Linard Bardill
Pollina studierte Rechtswissenschaft, um sich als politischer Journalist gegen die Mafia zu engagieren. Doch dann gewann seine musikalische Leidenschaft die Überhand, und er machte sich als Strassenmusiker auf eine Reise durch ganz Europa. Es war schliesslich der Schweizer Liedermacher Linard Bardill, der ihn in der Fussgängerzone in Luzern hörte und sein Talent erkannte. Bardill lud den jungen Italiener ein, mit ihm ein Album aufzunehmen und ihn auf einer Tour von 60 Konzerten zu begleiten. Das war der Anfang von Pollinas professioneller Karriere. Dass die nicht gleich steil los ging machte er deutlich, indem er von einem Auftritt in einem Saal erzählte, der wohl etwas grösser war als der Jürg-Wille-Saal, in dem aber genau ein Mann sass. Dem gab er dann ein zweistündiges Privatkonzert.

Einblicke in Persönliches
So bot Pollina auch Einblick in sein Leben als Künstler. Er erzählte zum Beispiel in «Vita d’artista» davon, dass er seine beiden Kinder oft mit auf seine Tourneen nahm, was für sie ein grosses Abenteuer war. Er gab Hits wie «Mare, mare, mare» zum Besten oder liess in «Il volo del colibri» das Publikum an einer Begegnung mit einem Kolibri teilhaben. Der sei eines Tages ganz nahe an sein Gesicht geflogen und habe ihn angeschaut, als wolle er ihm eine Frage stellen. Wobei er gleichzeitig gewusst habe, dass es auf manche Fragen keine Antwort gebe.
So traf am vergangenen Samstagabend ein Kolibri auf die Weisse Rose. Poesie und Politik, Privates und Öffentliches fanden unter Pollinas weitgespannten Themenbogen zusammen und verliehen dem Konzert Reichtum und Tiefe.

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