Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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«Water Hats» auf Burkwiler Köpfen

Sich einen Kübel kühlen Wassers über den Kopf zu kippen – davon träumte man in den letzten Tagen bei weit über 30 Grad. Fotograf Thomas Flück hat seinen Nachbarn «Water Hats» aufgesetzt.

Auch der Fotograf selber bekam einen Wasserhut aufgesetzt: An der Giesskanne Anja Gloor, hinter der Kamera Nadine Caplunik. Foto: David Zurbriggen

Thomas Flück ist vielen in der Gemeinde ein Begriff und ein Bekannter: Bis Ende 2017 lebte er während Jahrzehnten in Meilen und verwirklichte hier viele fotografische Projekte, bevor er ins Appenzellerland umzog. Jetzt ist er an den Zürichsee zurückgekehrt und wohnt in Burkwil, der neuen Siedlung mit 106 Wohnungen für rund 240 Bewohnerinnen und Bewohner in Obermeilen.

Mit Fotografie Verbindung schaffen

Und er wäre nicht Thomas Flück, wenn er nicht auch gleich in seinem Umfeld kreativ und aktiv geworden wäre. «Mit spassiger fotografischer Arbeit Verbindung schaffen, das funktioniert einfach immer», sagt er. An zwei Tagen im Hochsommer hat er deshalb in seinem neuen Zuhause Burkwil Menschen porträtiert: Bewohner der neuen Siedlung in Obermeilen, Junge und Ältere, aber auch Besucher und Interessierte. Und das nicht einfach so, sondern mit einem Hut aus Wasser.

Während eine Helferin von einer hohen Trittleiter herab einen sorgfältig auf den Scheitel gezielten Schwall Wasser kippte, liess Thomas Flück auf die Ansage «eins, zwei, drei» seine Kamera in Serienbildern rattern und das Studio-Licht aufblitzen. Das Resultat sind gestochen scharfe Bilder vom entscheidenden Moment: «Wenn die Haare und Kleider noch trocken sind und das Wasser auf den Köpfen einen Hut formt, sieht es am coolsten aus», findet der Fotograf. Die so Erfrischten hatten total de Plausch, nicht nur am Erlebnis selber, sondern auch am ungewöhnlichen Porträt.

Wir sind Meilen

Erfahrung mit Projekten, die das Gemeinschaftsgefühl stärken, hat er schon lange. Vielen in Erinnerung ist die Serie «Wir sind Meilen» mit 2000 Schwarz-Weiss-Porträts von Menschen aus der Gemeinde.

Daraus wurde zuerst eine Ausstellung in der Seeanlage und dann ein Buch. «Menschen auf diese Weise zu fotografieren, bewirkt, dass sie sich als sichtbar wahrnehmen und sich als Teil der Gemeinschaft begreifen», sagt Thomas Flück. Gerne würde er «Wir sind Meilen 2.0» realisieren: «Alle jene fotografieren, die noch hier sind, in derselben Pose wie 2008 – und dann das alte und das neue Bild nebeneinanderstellen.» Schauen, was sich verändert hat.

Eine entschleunigende Krankheit

Auch bei Thomas Flück hat sich etwas verändert: Sein wichtigster Sinn, der Sehsinn, ist beeinträchtigt. In der Mitte seines Blickfeldes sieht er nichts mehr, weil die Rezeptoren im Bereich der Makula ausgefallen sind. Die erbliche Krankheit Makuladystrophie hat sich vor zehn Jahren bemerkbar gemacht. Seit einigen Jahren werden die Symptome zum Glück nicht mehr schlimmer und bleiben stabil.

Dass Thomas Flück weiterhin fotografieren kann, hat er seiner langjährigen Erfahrung zu verdanken, dazu kommen Hilfsmittel wie eine starke Vergrösserung von Daten und Bildern auf dem Bildschirm. «Aber wenn ich in Meilen unterwegs bin, erkenne ich kaum jemanden, weil meine Sehkraft inzwischen zu schlecht ist.» Das habe aber auch seine guten Seiten, meint er: «Meine Augen entschleunigen. ’Ich muss noch schnell…’ gibt es bei mir nicht mehr, ich mache alles mit Bedacht und darf mir Zeit nehmen – so schön!» Er ist jetzt 63-jährig und muss dank einer Rente auch nicht mehr so pausenlos arbeiten wie früher, wofür er sehr dankbar ist.

Keine Eile und viel Zeit

«En huufe Idee» hat Thomas Flück weiterhin, und diese würden auch bestens zu Burkwil passen, wo er sehr glücklich sei, sagt er. Eine dieser Ideen: Ein «Who is Who» der Siedlung, die kostengünstigen Wohnraum, ökologische Holz-Lehm-Architektur und gemeinschaftliches Leben für Jung und Alt verbinden will. Dabei würden alle Burkwiler «der ersten Generation» porträtiert. «Aber schauen wir einmal, ob und wie das etwas wird – ich habe keine Eile und immer Zeit.»

Die insgesamt 51 Köpfe mit Wasserhüten kann man übrigens jederzeit anschauen: Die Fotos sind im Aussenraum der Siedlung aufgehängt und bleiben dort, so lange Wind und Wetter es zulassen.

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