Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Sepp Brändli ist die Ruhe selbst

Sepp Brändli ist der Mann, der die Gemeinde Meilen am 9. Juli beim Donnschtig-Jass von SRF1 vertritt. Wenn er und seine Mit-Jasser das gegnerische Team aus Horgen besiegen, holen sie die Sendung eine Woche später auf den Meilemer Dorfplatz.

Sepp Brändli
Meilens bester Jasser mit Pfeife und dem Foto, das von ihm als «Telefonjasser» während der Sendung eingeblendet wird. Foto: MAZ

Der live gesendete «Donnschtig-Jass» ist eine jener Schweizer TV-Ereignisse, die immer zuverlässig Zuschauer vor dem Fernseher versammeln, und das erst noch Jahr für Jahr erfolgreicher. In der Saison 2025 waren es jeweils bis zu 600’000 Personen, was einem Marktanteil von über 50% entspricht. Dazu kommen live vor Ort etwa 2000 bis 3000 Fans. Man könnte also meinen, dass es Grund genug gäbe, etwas nervös zu werden, wenn einem die halbe Nation beim Jassen zuschaut.

Jassen ist ein Spiel und braucht Glück wie das Leben

Sepp Brändli sieht das allerdings ganz entspannt und ist die Ruhe selbst: «Nein, nervös bin ich überhaupt nicht – ich sehe nicht ein, weshalb. Jassen ist ein Spiel, dazu gehören nicht nur Karten, sondern es braucht auch Glück, wie im Leben überhaupt», sagt er lachend. Druck lasse ihn kalt.

Der 76-Jährige ist ein Meilemer Urgestein. Viele kennen ihn noch aus seiner Zeit im Zustelldienst bei der Post. 50 Jahre lang arbeitete er als Meilemer Pöstler, immer freundlich, immer zuverlässig und immer mit einer Tabakpfeife im Mundwinkel – diese klemmt er sich auch heute noch gerne zwischen die Zähne, in der Wohnung allerdings nur fürs Foto. Als 16-Jähriger kam er aus Kaltbrunn (SG) nach Meilen, gründete hier mit seiner Frau Ursi eine Familie, und schon längst haben ihn seine beiden Kinder Cornelia und Marco zum stolzen Grossvater gemacht.

«Differenzler» statt «Rumba»

Noch länger als seine Karriere bei der Post ist indes seine Laufbahn als Jasser: «Schon als Kind habe ich zu Hause gejasst. Das war immer ein grosses Hobby, heute mehr denn je.» Seit er pensioniert ist, also seit nunmehr elf Jahren, treffe er sich noch lieber mit seinen Kollegen zum Jassen «im Alpi», also im «Alpenblick» in Toggwil oberhalb von Meilen. «Es sind schon seit 40 Jahren die gleichen vier bis sechs Leute.» Gejasst wird meistens ein «Rumba»: «Den kennt man eigentlich nicht so gut, aber wir mögen ihn halt.»

Beim Donnschtig-Jass wird «Differenzler» gespielt, ein Jass, bei dem es nicht darum geht, möglichst viele Punkte zu holen, sondern darum, genau die Punktzahl zu erreichen, die man vorher angesagt hat.

«Den hatte ich schon 25 Jahre lang nicht mehr gespielt», bemerkt Sepp Brändli. Als die Gemeinde Meilen für die Sendung die besten fünf Jasser suchte, kam ihm deshalb auch nicht in den Sinn, sich anzumelden. «Ein Freund hat mich mehr oder weniger dazu gedrängt», erzählt er. Dass er das Ausscheidungsturnier Mitte April im «Löwen» prompt gewann, erschütterte ihn nicht gross – schliesslich war er auch am ersten Meilemer 1.-August-Turnier bereits Jasskönig (gespielt wurde dort «Schieber»), und eben: «Wenn man halt die Karten nicht hat, dann verliert man, es ist ein Spiel und auch Glückssache.»

Gespielt wird in Hohenrain oder Römerswil

Weil er die Ausscheidung als Bester gewann, wird er Meilen als «Telefonjasser» vertreten. «Ich sitze dann dort in einer Kabine und bin telefonisch mit dem Moderator Rainer Maria Salzgeber verbunden, der nach meinen Anweisungen spielt, während ihm die Zuschauer in die Karten schauen», erklärt er. «Dort» ist Hohenrain oder Römerswil (beides LU), je nachdem, welche Gemeinde in der Vorwoche gewonnen und die TV-Sendung zu sich geholt hat. Der Gegner heisst auf jeden Fall Horgen.

Training im «Löwen»

Bis zur Live-Sendung im Luzernischen trifft sich das Meilemer Jass-Team insgesamt fünfmal zwecks Training im Löwen. «Meine Mit-Jasser sind alle richtig gut», findet Sepp Brändli. Jeder jasse anders, das sei immer wieder spannend zu erleben, und er möge auch die Diskussionen, die unweigerlich auf das Spiel folgten. Er selber spiele eher defensiv, obwohl das sonst gar nicht unbedingt sein Stil sei: «Je nach Karten kann ich aber auch risikofreudig sein.»

Ins Luzernische mitreisen werden neben dem vierköpfigen Team, das für Meilen spielt (plus Ersatz-Jasser) auch zwei Cars mit Fans aus der Gemeinde, darunter natürlich Sepp Brändlis Frau Ursi. Der Rest der Familie schaut am TV zu, wie wahrscheinlich viele Meilemer: «Alle im Dorf kennen mich und sprechen mich an», sagt Brändli lachend. Und meint: Er wolle natürlich schon gewinnen, wie früher als Spieler oder Trainer im Fussball auch. Und übrigens sei er damals ganz kurz vor Spielbeginn jeweils doch etwas nervös geworden.

«Donnschtig-Jass», SRF1, Donnerstag, 9. Juli, 20.05-21.50 Uhr, mit Thomas Bucheli, «Hecht» und Remo Forrer.

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