- Leserbrief
- Joseph Auchter, Meilen
Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Schon oft las man an dieser Stelle Leserbriefe über «Taxi-Eltern», die vor der Primarschule Feldmeilen regelmässig mit ihren SUVs die Strasse verstopfen.
Sehr ähnlich, allerdings noch viel schlimmer, geht es tagtäglich vor der Ballettschule von Mimi Schmäh zu und her. Stündlich ist ein Kurs zu Ende, und Dutzende kleiner Prinzessinnen in rosafarbenen Tütü-Kleidchen überfluten die General-Wille-Strasse auf dem Weg zu Mamas riesigem Geländewagen. Für 15 bis 20 Minuten gibt es dann auf der sonst beschaulichen Strasse kaum ein Durchkommen.
Nach dem Motto «die direkte Verbindung von A nach B ist eine Gerade» stürmen anschliessend schon die Mini-Ballerinas für die nächste Stunde aus den schwarzen Vans direkt über die Strasse in den Eingang des Ballettstudios, ohne nach rechts oder links zu schauen. Die arme Studio-Leiterin Mimi kann übrigens nichts dafür – sie kämpft seit Jahren mit Engelszungen und Parkverboten gegen die tauben Ohren der Eltern.
Nun kommt noch erschwerend dazu, dass seit Mitte März das Haus der ehemaligen Pizzeria rückgebaut wird und riesige Muldenfahrzeuge, Lastwagen und Lieferwagen vor- und rückwärts in die Baustelleneinfahrt manövrieren. Für die Helikoptereltern scheint das kein Problem zu sein. Dann stellen wir den SUV halt auf dem Trottoir ab. Oder in einer Hofeinfahrt. Oder in zweiter Reihe mitten auf der Strasse. Wenn der Durchgangsverkehr minutenlang warten muss, ist das ja nun wirklich nicht unser Problem. Hauptsache unsere armen kleinen Küken müssen keinen Schritt zu viel laufen, gell?
Des Öfteren haben wir auch schon amüsiert beobachtet, dass sogar Polizeiwagen geduldig in der Autoschlange gewartet haben. Zuerst dachten wir: «Aaah, jetzt gibt’s endlich mal eine Busse!». Aber nix da, nicht mal eine hochgezogene Augenbraue – nach zehn Minuten rollten die Polizisten weiter, um dann wohl an der Rebbergstrasse Parkbussen zu verteilen.
Gar nicht amüsant sind allerdings die Fälle, wo sich die Kinder in toten Winkeln von rückwärtsfahrenden Muldenschleppern hinterm Bus den Weg durch das Auto-Chaos bahnen. Mindestens einmal pro Woche erleben wir einen Schreckmoment, dass ein gestresster LKW-Fahrer gerade noch bremsen kann, bevor das Tütü-Kleidchen endgültig unterm Pneu verschwindet. Muss erst ein Kind zu Tode kommen, bevor die Gemeinde Meilen durchgreift? Den Eltern scheint das ja egal zu sein.