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Zum 100. Geburtstag von Kurt Stoessel

Am letzten Sonntag, 3. September durfte Kurt Stoessel im Kreis seiner grossen Familie mit vier Kindern und Schwiegerkindern, zehn Enkeln mit Partnerinnen und Partnern sowie dem Urenkel seinen 100. Geburtstag feiern.

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Kurt Stoessel ist seit bald zwei Jahren Bewohner des Weiherhauses auf der Platten und ist des Lobes voll über «den Palazzo». Er werde gut gepflegt und gut verpflegt. Seine Tage geniesst er bei seiner geliebten Lektüre in Latein oder Französisch, bei Vergils Aeneis und Ovids Metamorphosen. Oder er sinniert über sein Lieblingsgedicht von Joachim de Bellay, «Heureux qui, comme Ulisse, a fait un bon voyage». Täglich aber begleitet ihn die «Roma aeterna». Er denkt zurück an die Jahre in Rom, wo er seine liebe Gemahlin Edith kennenlernen durfte.

Kurt Stoessel wurde am 3. September 1923 in Gossau (SG) als drittes von sechs Kindern geboren. 1931 zog die Familie nach Rorschach an den Bodensee, wo der Vater, ein gelernter Käser, bei Fuchs Butter eine sichere Anstellung gefunden hatte. Kurt war ein wissbegieriges Kind. Dank einem Lehrer, der den Schüler zusätzlich intensiv in Latein unterrichtete, gelang ihm der Sprung von der Sekundarschule an die Kantonsschule in St. Gallen, wo er die Matura absolvierte, für ein Kind aus einfachen Verhältnissen war das damals gar nicht selbstverständlich. In seiner Biographie, im Versmass Hexameter verfasst, formuliert er den weiteren Werdegang so: «Ab Matur zog ich zur Sekundarlehramtsschule, die der Kanton St.Gallen als Akademikum neben jenem für die Handelswissenschaften, brillant und schweizerländisch singulär betrieb.»

Als 1946 in Rom die Schweizerschule neu gegründet wurde, zog es den jungen Seklehrer in die Ferne. Er unterrichtete während drei Jahren in Rom, immatrikulierte sich an der Uni für Romanistik und Kunstgeschichte und durchstreifte Tag für Tag «die Aeterna», später auch mit seiner Edith, welche als junge Kindergärtnerin ebenso an der Schweizerschule unterrichtete.

Am 16. Juli 1952 vermählte sich das Paar in Paris, wo Kurt mittlerweile seine Studien weiterführte. Kurt zog dann nach Zürich, zur «frohgemuten Edith», wie er selbst schreibt. Er fand auch gleich eine Anstellung an der Handelsschule Freudenberg. Seine Dissertation verfasste er zu den Schriften von Giorgio Vasari. Die Stichwort- und Notizzettel dazu, immer in Stenographie geschrieben, füllten, in den von Edith sorgfältig geklebten Kartonschachteln schön sortiert, eine halbe Bücherwand.

Die Familie von Edith war seit langem im schönen Feldmeilen heimisch, sodass die junge Familie im Januar 1961 mit drei Kindern gerne in ein eigenes Haus an der Nadelstrasse zog, wo im April 1964 das vierte Kind dazukam. Schon bald klang fröhliche Kammermusik aus dem Stoesselhaus, spielte doch Edith mit grossem Können die Geige, und die vier Kinder lernten alle auch ein Instrument.

Als grosser Liebhaber des Lateins wechselte Kurt im Jahr 1970 als Professor an die Kantonsschule Rämibühl. Er war bekannt als hervorragend vorbereiteter Lehrer, bei dem die Schüler etwas lernten. Nach der Pensionierung war er weiterhin als Dozent an der Volkshochschule tätig, wo er in Vorlesungen und auf Studienreisen einer treuen Hörerschaft ein Kaleidoskop der Kunstgeschichte Italiens darbot.

Es blieb auch Zeit für die Familie. Mit viel Liebe und Engagement betreuten Kurt und Edith die Enkelschar. Sie unternahmen auch «Enkelreisen», einmal sogar bis nach Rom. Kurt half auch gerne bei den Hausaufgaben, und mancher Enkel war froh, wenn kurz vor einer Prüfung Grosspapi noch das Wichtigste erklären konnte.

Nach dem Hinschied der geliebten Gattin im Jahr 2009, die sich allumfassend um Haus und Garten gekümmert hatte, musste Kurt sein Leben neu organisieren. Dank kompetenter Unterstützung durch die Spitex Zürichsee waren ihm weitere Jahre in seinem Haus beschieden. Als die Kräfte nachliessen, nahm Kurt das Angebot, in das Weiherhaus in der Platten umzuziehen, dankbar an.

Wir gratulieren dem Jubilar ganz herzlich und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

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