Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Wortwörtlich im «Jardin féerique»

«Der märchenhafte Garten», dieser dem letzten Werk des Programms entnommene Titel, passte eigentlich zur ganzen Serenade des Jahrgangs 2023.

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Mit klug zusammengestellter französischer Musik aus der Übergangszeit von der Spätromantik in die Moderne führte der zweite Probe-Dirigent des Sinfonie Orchesters, François Girard-Garcia, Publikum und Musiker durch eine zauberhafte, vielschichtige Welt.

Wegen der unsicheren Wetterlage fand die Serenade am letzten Freitagabend nicht im Mariafeld, sondern in der reformierten Kirche Meilen statt. Im Namen des Quartiervereins Feldmeilen begrüsste Patrick Schmid die Anwesenden und bedankte sich bei Frau Wille für die erneute, nicht selbstverständliche Gastfreundschaft im Mariafeld. Er wies auch auf den nach dem Konzert im benachbarten «Löwen» angebotenen Apéro hin.

Herausragende Bläser

Nun hob François Girard-Garcia den Taktstock, liess seinen Blick über das Orchester schweifen, bis er der absoluten Konzentration sicher war, und gab dann einen sanften, aber klaren Einsatz zum zarten Anfang der vier Sätze zur Geschichte von «Pelléas et Mélisande» von Gabriel Fauré. Schon in den ersten Takten fielen das kammermusikalische Zusammenspiel und die Sorgfalt der Klanggebung auf. Wohlklang und Präzision verrieten eine sorgsame und intensive Probenarbeit. Im zweiten Satz der Suite stellten die ersten Geigen die flinken Finger der Spinnerin dar. Bald mischten sich die verschiedenen Bläserstimmen ins Geschehen.

Immer wieder ist die Qualität der Bläsersolistinnen und -solisten dieses Orchesters zu bewundern. Zuverlässig und klangschön spielen sie ihre Soli zur Freude der Zuhörenden.

Possenhaft und feengleich

Bevor die Musik nach dem sanft verklingenden Tod der schönen Mélisande zum unterhaltsamen «Boeuf sur le toit» wechselte, erzählte François Girard-Garcia dem Publikum, welche Szenerie Jean Cocteau für die Uraufführung des Stücks erdacht hatte. Darius Milhaud nahm sein Werk wohl selbst nicht ganz ernst. Er komponierte ein reizvolles Wechselspiel von beharrlichen Dissonanzen in allen Instrumentengruppen und wohltuender Auflösung in Harmonie. Das einprägsame Hauptthema erklang wiederholt glanzvoll mit jazzartigem Drive in den Trompeten.

In eine verträumte Welt führte die «Pavane pour une infante défunte» von Maurice Ravel. Ein wundervoll gespieltes Hornsolo eröffnete die raffiniert komponierte Folge des in allen Instrumenten wiederkehrenden Themas. Nach dem possenhaften Stück von Milhaud führte Ravel in den Feengarten zurück.

Temposichere Leitung

Bewegung brachten dann die spanisch angehauchten Ballettstücke aus «Le Cid» von Jules Massenet. Wer in Paris eine Oper aufgeführt haben wollte, musste im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert unbedingt Ballettszenen komponieren. Massenet wählte zur Geschichte des Nationalhelden für seine Balletteinlagen Namen von verschiedenen spanischen Regionen.

Das SOM spielte die munteren Stücke «Aragonaise» und «Navarraise» unter der temposicheren Leitung des Dirigenten mit freudigem Schwung. Wie bereits im vorhergehenden Werk von Milhaud bestimmten die diversen Schlaginstrumente die mitreissenden Rhythmen. Während fast alle übrigen Mitwirkenden Orchestermitglieder sind, müssen für das Schlagwerk jeweils versierte Profis gefunden werden, die nach wenigen Proben zuverlässig ihre Einsätze bringen.

Im letzten Stück des Programms erweckten klangschön gespielte Streichinstrumente und intonationssichere Bläserinnen und Bläser zusammen mit der in diesem Konzert vielbeschäftigten Harfenistin den zauberhaften Garten zu voller Pracht.

Für den Abschluss der qualitativ hochstehenden Serenade schenkten Dirigent und Orchester dem Publikum als märchenhafte Zugabe einen Ausschnitt aus dem «Feuervogel» von Igor Strawinsky.

Eine schwierige Wahl

François Girard-Garcia dirigiert klar und ausdrucksvoll. Seine fliessenden Bewegungen unterstreichen die Eleganz der Musik. Die in den Proben benötigten Noten waren am Konzertabend samt dem Dirigentenpult verschwunden, doch der junge Musiker beherrschte das ganze Programm auswendig.

Wer am Samstag, 24. Juni die Wiederholung der Serenade im Park des Hauses Wäckerling in Uetikon besuchte, erlebte das Konzert im Zauber der Freiluft mitsamt gelegentlichem Fluglärm und mit durch Wäscheklammern gegen die Bise festgehaltenen Orchesternoten. Auch in Uetikon spielte das SOM beeindruckend präzise und mit vollem Einsatz. In der Vorprobe hatte der umsichtige Dirigent den Solistinnen und Solisten geraten, unter freiem Himmel lauter zu spielen als in der geschlossenen Kirche, was sich als wichtiger Hinweis bewährte. Auch dem Haus Wäckerling ist das SOM dankbar für die Möglichkeit, im Park ein Konzert zu gestalten.

Das Sinfonie Orchester Meilen steht vor einer schwierigen Entscheidung. Das SOM muss eine Wahl treffen zwischen zwei begabten Musikern, die beide gern das Orchester leiten würden.

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