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Wohnpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Bereits zum achten Mal luden die FDP-Ortsparteien des Bezirks Meilen zum Polit-Forum in den Jürg-Wille-Saal des «Löwen». Moderiert wurde das Podium am vergangenen Dienstagabend von FDP-Nationalrat Beat Walti. Das Thema: Wohnpolitik.

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Die Nachfrage nach Wohnraum ist gross. Wie kann sie gestillt werden, und was sind dabei die Aufgaben der Politik? Wo sind Privatpersonen oder Firmen in der Verantwortung? Wie unterscheidet sich die Wohnpolitik von Städten, ländlichen Gegenden und der Agglomeration?

Diese und vielen weiteren Fragen diskutierten Claude Ginesta, CEO Ginesta Immobilien, Alexander Herzog, CFO Allgemeinde Baugenossenschaft Zürich, die FDP-Kantonsrätin und Präsidentin der Kommission für Planung und Bau (KPB), Barbara Franzen sowie Benjamin Meyer, Amt für Raumentwicklung Kanton Zürich.

Hauptthese des Abends: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Doch waren sich alle einig, dass die Wohnungsknappheit nicht alle Regionen der Schweiz gleichermassen betrifft. Arbeits- und Wohnort sollten heute nahe beieinander liegen, weil Mitarbeitende nicht mehr gerne lange Arbeitswege auf sich nehmen. In Stadt und Agglomeration ist das Problem also grösser als auf dem Land.

Eigentlich fehle es besonders an Angeboten für die Mittelschicht, sagte Immobilienspezialist Claude Ginesta. Im Hochpreissegment sei das Angebot vorhanden, und für günstigen Wohnraum wie etwa Genossenschaftswohnungen, die subventioniert werden, setze sich die Politik bereits ein.

Die Ansprüche der Bevölkerung hätten sich verändert. Es gibt immer mehr Single-Haushalte, auch in grösseren Wohnungen. Die Wohlstandsansprüche an eine Wohnung seien in den letzten Jahren stark gestiegen, fand Benjamin Meyer.

Noch wären Lösungsmöglichkeiten da, zeigte sich Barbara Franzen überzeugt: «Man muss die Ressourcen nur richtig nutzen.» Also verdichteter bauen, Areallösungen fördern und vermehrt auf Mischformen von Gewerbe- und Wohnzone setzen. «Damit meine ich nicht die Grossindustrie. Aber viele Gewerbetreibende benötigen Räumlichkeiten nur im Erdgeschoss. Wenn man darüber Wohnungen baut, wird der Platz für alle sinnvoll ausgenutzt.» Indes: Verdichtetes Bauen mag in der Theorie eine Lösung sein, in der Praxis zeige sich aber, dass die meisten keine Verdichtung wünschen, sobald sie selber davon betroffen sind, sind sich die Podiums-Teilnehmer einig.

Ein weiteres Problem: Die Einsprachenflut. Das Recht, Einsprache gegen Bauprojekte zu erheben sei wichtig, allerdings brauche es schnellere Entscheidungen, damit Bauprojekte nicht monate- oder jahrelang verzögert werden können, sagte Benjamin Meyer : «Es sollte auch nur noch zur Einsprache berechtigt sein, wer von einem Projekt direkt benachteiligt wird.»

Beim Thema Genossenschaftswohnungen wurden als Hauptproblem die Belegungsvorschriften identifiziert, die oft nicht durchgesetzt werden können. Als Beispiel: Ein Paar mit einem Kind lebt in einer 4-Zimmer-Wohnung. Das Paar trennt sich, Kind und Partner ziehen weg, es bleibt eine Einzelperson in der grossen Wohnung. Eigentlich müsste diese dann umziehen. «Wir haben aber nicht ausreichend kleine Wohnungen frei», sagt Alexander Herzog von der ABZ. So werden schliesslich grosse Wohnungen von Einzelpersonen belegt statt von Familien.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion offerierten die FDP-Ortsparteien des Bezirks Meilen einen Apéro, bei dem die Wohnpolitik weiter engagiert diskutiert wurde.

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