Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Passend zum Kulturjahr 2026 mit dem Schwerpunktthema «Esskultur» veranstaltete das Heimatbuch Meilen gestern vor einer Woche im Löwen-Saal den virtuellen Dorfrundgang «Meilemer Wirtshausgeschichte(n) II».
Der erste Teil, er hatte im März 2023 an gleicher Stelle stattgefunden, war Wirtshäusern, Gaststätten und Restaurants gewidmet, die es heute nicht mehr gibt Diesmal wurden Geschichten, Kurioses und Interessantes zu heute noch bestehenden Restaurants in Meilen erzählt. Bewusst nicht berücksichtigt wurde der «Vordere Pfannenstiel», weil ein separater Vortrag zu dieser Wirtschaft in Planung ist.
Präsentiert wurden die Geschichten, Erinnerungen und Informationen von Heimatbuch-Präsident Hans Isler, ergänzt durch Lesungen von Susy Brupbacher. Die «Wirtschaft zur Burg» wurde von Werner Wunderli vorgestellt.
Quartierbeiz mit Charme und Charakter
Von 1902 bis 1948 befand sich im Gebäude des «Pöschtli» die Feldner Postablagestelle, was der Wirtschaft bis heute ihren Namen gibt. Dass das Haus so erhalten geblieben ist, ist dem Quartierverein Feldmeilen und der Mittwochgesellschaft zu verdanken. Ihre Intervention verhinderte 1975, dass das Haus gleichzeitig mit dem danebenliegenden «alten Schulhaus» abgebrochen wurde, und dass das Grundstück in den Bauperimeter des neuen Hoval-Verwaltungsgebäudes eingeschlossen wurde. 1977 wurde die «Quartierbeiz mit Charme und Charakter» eröffnet. Bei Fräulein S. Siegrist gab es ein relativ bescheidenes Speiseangebot und bis 1979 keinen Alkohol. Zum Preis von 7 bis 14 Franken standen jeweils zwei Mittagsmenüs zur Auswahl, zum Beispiel «Öpfelchüechli à discrétion». Seit 1997 ist das Meilemer Pächterehepaar Lilian und Stefan Schneider verantwortlich für das Restaurant Alti Poscht, so der offizielle Name. Zu den Spezialitäten des Hauses zählen diverse Cordons Bleus, Kalbsleberli und im Herbst feine Wildgerichte.
Bekannt für die «Metzgete»
Jahrhundertelang ein Bauernhaus, wurde 1909 aus dem «Alpenblick» in Toggwil ein einfaches Ausflugsrestaurant. Zuerst gehörte es der Familie Guggenbühl, 1923 kauften Ernst und Lina Tritten Wirtschaft und Hof. Seit 1998 wird das Restaurant in vierter Generation von Thomas Tritten geführt. Bekannt ist das Haus für seine «Metzgete». Als die Familie 1970 die Landwirtschaft aufgab, richtete der damalige Wirt Gottfried Tritten-Akeret eine Schweinemast ein – da lag es nahe, den Gästen eine «Metzgete» anzubieten. Die Schweinemast gibt es heute nicht mehr, geblieben ist aber der gute Ruf der Alpenblick-Metzgete. Sie zieht noch heute viele Gäste von weit her an. Bei Spaziergängern, Ausflüglern und Stammgästen ist auch der «Alpengruss Spezial», Meringue mit Schlagrahm, sehr beliebt. Eine Portion ist so gross, dass sie locker für zwei Personen reicht.
Etwas Kurioses gibt es aus der Zeit um 1960 zu erzählen: Wie damals in Gasthöfen nicht unüblich, hielten Trittens einen kleinen Affen namens Toni. Die Gäste verköstigten Toni zu ihrer Belustigung leider oft mit Wein und Bier. Der Affe wurde alkoholkrank und musste schliesslich dem Zoo Zürich übergeben werden. Im Kindermund wurde der Alpenblick deshalb auch «Affenwirtschaft» genannt.
Vom Bahnhofbuffet zum Sushitempel
1891 erbaut, wurde das Restaurant Bahnhof 1893 im Hinblick auf die Inbetriebnahme der rechtsufrigen Zürichseebahn eröffnet. Ab 1903 diente die Gaststätte auch als Bahnhofbuffet für die Wetzikon-Meilen-Bahn und als dessen Wartesaal, wo die Passagiere vor der Abfahrt jeweils aufgerufen wurden. Zu essen und zu trinken gab es damals «gute, reelle Weine und schmackhafte Speisen».
Im «Sääli» im hinteren Teil der Gaststube fand 1964 auch die allererste Gewerbeschau von Meilen statt – mit gerade mal vier Teilnehmern.
Etwa seit den 1980er-Jahren gab es im «Bahnhöfli» unter verschiedenen Pächtern italienische Küche, bevor 2020 aus der ehemaligen Dorfwirtschaft ein Ableger der «Barfüsser-Kette» wurde und fortan Sushi auf der Speisekarte standen. Bis heute kommt das Konzept bei den Meilemerinnen und Meilemern gut an: im Mai feiert das Restaurant sein Fünfjähriges.
Mit Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet
1676 errichtete Untervogt Hans Jakob Wunderli das Gebäude der heutigen «Wirtschaft zur Burg» als eines der repräsentativsten Weinbauernhäuser der Gegend. 1875 wurde dort von Heinrich und Johann Wunderli eine Weinschenke eingerichtet. «In den Anfängen war das ein willkommener Nebenverdienst zum Landwirtschaftsbetrieb der Familie: Die Frauen waren für die Gastwirtschaft und die Männer für den Bauernbetrieb verantwortlich», erzählte Werner Wunderli den Anwesenden. Angeboten wurde Selbstgemachtes wie Most, Wein, Käse, Speck, Wurst oder Brot. Das Haus wurde immer wieder renoviert und in Schuss gehalten, und über die Jahre wurde die «Burg» zu einer Adresse für Gourmets. Unter Marianne und Turi Thoma, für den die Übernahme der stolzen Wirtschaft ein Bubentraum war, wurde das Restaurant mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. 2024 übergab Turi Thoma das Zepter in die Hände von Cham Günter und Sascia Held. Sie haben 2025 gar 16 Punkte erhalten und bieten weiterhin gehobene Küche mit Charme.
Beliebter Quartiertreffpunkt
Die «alte Sonne» in Obermeilen ist heute ein etabliertes Speiselokal. Insbesondere im Sommer ist das Gartenrestaurant beliebter Treffpunkt des Quartiers.
Ab 1866 mit dem Tavernenrecht ausgestattet, befand sich die Wirtschaft bis 1937 im erste Obergeschoss, bevor mit dem Einbau des heutigen Restaurants im ehemaligen Kellergeschoss eine Neueinteilung stattfand. Seit 1949 stehen Haus und Restaurant im Eigentum der Familie Baumgartner. Bis zu seinem Tod 1967 führte Heiri Baumgartner das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau Claire, die er kennenlernte, als sie als Serviertochter im Restaurant eingestellt wurde. Von 1967 bis 1994 führte Claire Baumgartner das Restaurant alleine, danach bis 2005 gemeinsam mit Sohn «Chulio». In dieser langen Zeit sind viele Erinnerungen entstanden, einige wurden am virtuellen Dorfrundgang mit dem Publikum geteilt: so konnte zum Beispiel bei der allerersten «Suuserchilbi» 1959 noch nicht auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden. Es wurde eine Rössliriiti bestellt, die vor allem optisch überzeugte. Beim Aufbau des Fahrgeschäftes wurde dann schnell klar, dass der Platz zwischen Haus und Scheune zu knapp war für ein Karussell. Heiri Baumgartner, ein Mann der schnellen Entschlüsse, verfügte kurzerhand, dass das Scheunendach mit einer Säge so zu kürzen sei, dass die Chilbiattraktion ihren Platz finden konnte.
1971 feierte die BGB Meilen die Wahl von Dr. Franz Bollinger in den Kantonsrat. Die Polizeistunde war längst vorüber, als die Gemeindepolizei zur Kontrolle auftauchte. Einige Teilnehmer der feuchtfröhlichen Runde schafften es, rechtzeitig unter dem Tisch zu verschwinden und entgingen so der obligaten Busse. Darunter auch Christoph Blocher, der spätere Bundesrat.
Heute wird das Restaurant von Natascha und Felix Koller geführt und überzeugt mit einer saisonal wechselnden Karte.
Mistkratzerli in sieben Varianten
«Der ‘Trauben’ genoss bei den Obermeilemer Frauen einst einen zweifelhaften Ruf: Er gehörte zu jenen Beizen, in denen die Männer nach der Arbeit zum Feierabendtrunk einkehrten, deswegen das Nachtessen vergassen und dann erst spät in der Nacht nach Hause kamen, wohl nicht immer nüchtern», erzählte Hans Isler. Seither hat sich das Restaurant in Obermeilen unter diversen Pächtern weiterentwickelt und überzeugte in all den Jahren mit gutbürgerlicher Küche. Unter Silvia und Adi Müller gab es in der Traube ganze acht unterschiedliche Cordon Bleus, heute kocht Paulo dos Santos vom Felchenfilet aus dem Zürichsee bis zum Zürigeschnetzelten Unterschiedliches. Eine Spezialität ist das Mistkratzerli, welches in sieben Variationen angeboten wird.
Der Hirschen direkt vis-à-vis hat eine bewegte Zeit hinter sich. Er besteht seit 1605 und ist nach dem «Löwen» der älteste Gasthof Meilens. Vorübergehend mit 12 und 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet, erhielt er in Walti’s Beizenführer auch schon schwarze Schafe und galt damit als Restaurant, das man meiden solle. In der Ausgabe 2026 wird der Hirschen aber wieder gelobt und als «neue Beiz» aufgenommen. Heute erfüllt das Restaurant wieder gehobene Ansprüche. Speziell angeboten wird Tartar und in der Winterzeit Fondue auf der Seeterrasse.
Den «Löwen» gibt’s am längsten
Die älteste Wirtschaft Meilens ist der «Löwen». Der Kernbau des Gebäudes besteht seit 1419, spätestens seit 1455 wurde das Haus zur Taverne. Von 1903 bis 1931 befand sich vor dem Löwen die Endstation der Wetzikon-Meilen-Bahn. Nach vielen Besitzerwechseln im 19. Jahrhundert gelangte die Wirtschaft 1958 an die Gemeinde. Grund war eine im Jahr 1955 von der Gemeindeversammlung angenommene Motion mit dem Auftrag, einen neuen Gemeindesaal zu realisieren. 1998, nach dem Scheitern des Saalprojekts «Forum», entstand initiiert durch Jürg Wille und mit Unterstützung von Hugo Bohny die Idee, den Löwen anlog zum Restaurant Vorderer Pfannenstiel in eine privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft zu überführen.
Seit der Wiedereröffnung im April 2002 ist die Treculinari AG Pacht-Vertragspartnerin der «Löwen AG». Erster Geschäftsführer war André Henzler. 2005 übernahmen Marcel und Lisa Bussmann die Geschäftsführung. Seit 2019 ist Marcel Bussmann alleiniger Besitzer der Treculinari AG und führt das Resturant als alleiniger Wirt. Mit seinem Saal – diesen gab es nämlich schon lange – ist der «Löwen» seit mehr als 150 Jahren das gesellschaftliche Zentrum von Meilen. Turnerchränzli, Fasnachtsbälle, Generalversammlungen, Wählerversammlungen, politische Veranstaltungen, Bankette, Theater, Konzerte, Vorträge, Pfadi- und Kadettenabende fanden statt.
Im Gewölbekeller des Restaurants wurden denn die Besucherinnen und Besucher nach dem Dorfrundgang auch kulinarisch verwöhnt. Serviert wurden belegte Brote, Erbsensuppe mit Speck und Wurst sowie ein Apéro.