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Trittst im Morgenrot daher

«Trittst im Morgenrot daher, seh’ich dich im Strahlenmeer…»: So beginnt der Schweizerpsalm, die Nationalhymne der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

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Leonhard Widmer, 1808 in Feldmeilen geboren und am Zürichsee aufgewachsen, schrieb die Urversion in Form eines Gedichts. Vermutlich trug er es erstmals 1841 im von ihm gegründeten «Unterhaltungszirkel zur Biene» vor.

Die Mitglieder waren vom Gedicht Widmers tief beeindruckt. So sehr, dass sie den Text ohne Widmers Wissen ins Kloster Wettingen an den Zisterzienser-Pater und Komponisten Alberich Zwyssig weiterleiteten, mit der Bitte um Vertonung. Zwyssig kannte Widmer von früheren Geschäftsbeziehungen und trat mit ihm sogleich in Briefkontakt. So wurde der Text im Hinblick auf die Unterlegung mit einer Komposition Zwyssigs gemeinsam revidiert – der Schweizerpsalm war geboren. Aber erst viel später, nämlich am 1. April 1981, erklärte ihn der Bundesrat zur offiziellen Nationalhymne.

Bedenkenswert sind die Hintergründe, die zur Entstehung des Schweizerpsalms führten. Es war die Zeit, in der der Schweizerische Staatenbund, der nach der Niederlage Napoleons seit 1815 bestand, auseinanderzubrechen drohte. Die liberal-reformierten und die konservativ-katholischen Kantone verstrickten sich gegenseitig in immer grössere Streitigkeiten.

Widmer schmerzte das. So gab er seiner Sehnsucht nach einer Schweiz, die vor Gott geeint und friedliebend auftrat, mit der Urversion des Schweizerpsalms Ausdruck.

Es kam zum Sonderbundskrieg, der bis heute letzten militärischen Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Als 1848 mit der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates ein Schlussstrich unter den langen und heftigen Konflikt gezogen wurde, erlangte der Schweizerpsalm vom Widmer und Zwyssig Popularität. Als Symbol für das Streben nach Geschwisterlichkeit, Einheit und Frieden.

Zur gleichen Zeit wurde der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ins Leben gerufen. Als staatlich angeordneter Feiertag sollte er fortan von allen Landsleuten unabhängig ihrer politischen und konfessionellen Ausrichtung jeweils am 3. Sonntag im September begangen werden. Mit dem Ziel der Förderung von Toleranz, Respekt und Wertschätzung gegenüber politisch und religiös Andersdenkenden.

In der Meilemer Erntedankkommission, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der politischen Parteien, der Landeskirchen und der Frauenvereine, kam dieses Jahr der Wunsch auf, man möge doch am Bettag im ökumenischen Gottesdienst um 11 Uhr in der reformierte Kirche wieder den Schweizerpsalm singen.

Die Pfarrkollegen Erich Wyss und Mathias Zihlmann werden diesem Wunsch sicher gerne nachkommen. Wenn der Schweizerpsalm im Gottesdienst dann gesungen wird, so hoffentlich im Bewusstsein darum, dass die unermüdliche Suche nach Wegen der Verständigung und der Friedensförderung zur DNA unseres Landes gehört. Und zwar nicht nur zwischen den Menschen innerhalb Schweiz, sondern zwischen allen Ländern und Völkern der Welt.

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