Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Tag der offenen Tür beim Energieverbund von Energie 360°

Energie 360° hat mit dem Energieverbund Meilen eine Lösung entwickelt, bei der Seewasser zur Kühlung der Delica-Anlagen verwendet wird und die dabei entstehende Abwärme zur Wärmeversorgung für private und öffentliche Liegenschaften dient. Am vergangenen Samstag konnte die Energiezentrale besichtigt werden.

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Das Prinzip des Energieverbunds Meilen ist eigentlich einfach: Die Delica kühlt ihre Produktion mit Energie aus dem Zürichsee. Das Wasser wird bei konstanten 5 Grad aus einer Tiefe von 50 Metern entnommen und in der Filteranlage für Delica aufbereitet. In einer 420 Meter langen unterirdischen Leitung, unter anderem durch die Kirchgasse, wird das Wasser in die Energiezentrale überführt.

Im Wärmetauscher gibt das Seewasser seine Kälte an ein Kältemittel ab. Die Kompressoren bringen die Kälte stufenweise auf bis zu  minus 46 Grad. Die dadurch produzierte Abwärme wird von zwei Wärmepumpen von 8 auf 75 Grad erhöht und in den Energiespeicher eingespiesen. Vergleichsschwankungen werden von zwei Energiespeichern ausgeglichen. Diese optimieren den Wärmepumpenbetrieb und sorgen für eine zuverlässige Wärmeversorgung. Eine Holzpelletheizung garantiert die Wärmeversorgung der angeschlossenen Liegenschaften. Pellets werden bei 700 bis 800 Grad verbrannt und die entstandene Wärme wird in den Energiespeicher überführt. Ein Druckausgleichbehälter regelt kontinuierlich den optimalen Druck im Zwischenkreislauf. Die Fernwärmeleitungen ermöglichen eine effiziente Wärmeversorgung nördlich des Dorfkerns. In den angeschlossenen Gebäuden sorgen Übergangsstationen für eine nahtlose Verbindung zwischen der Fernwärmeleitung und der internen Hausverteilung.

Die ganze Gemeinde umgegraben

Die Planung und Umsetzung des Projektes waren nicht trivial. Romeo Deplazes, Bereichsleiter Lösungen bei der Energie 360° AG, erzählte am Tag der offenen Tür, dass die Idee für einen solchen Wärmeverbund bereits 2016 aufkam. Es stand die Frage im Raum, wie man bei der Delica – damals noch Midor AG – effizienter und nachhaltiger kühlen könnte. Drei Jahre lang wurde abgeklärt, wurden Gespräche geführt, die verschiedenen Player zusammengebracht und Bewilligungen eingeholt. Auch gab es intensive Gespräche mit den SBB. Da die Leitung unter den Bahngleisen durchführt, mussten Sicherheitsabklärungen gemacht werden.

Baubeginn war 2019, und seit 2021 kühlt die Delica mit Seewasser. «Wir haben mit diesem Projekt die ganze Gemeinde umgegraben», sagte Romeo Deplazes, und zeigt sich dabei sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde «auch in herausfordernden Momenten». Dass die Baustelle den Meilemerinnen und Meilemern viel Geduld und Toleranz abverlangt, sei ihm bewusst: «Eine solche Grabung verlangt sehr viel Koordination. Wir müssen uns aber dabei bewusst sein, dass wir heute die Infrastruktur für die nächsten 50 bis 100 Jahre bauen», sagte er. Es sei aber auch verständlich, dass es die Anwohner stört, wenn die Baustelle direkt vor der Haustüre liegt und über Monate den Zugang zum Haus erschwert. Einschränkungen aufgrund der Baustellen von Energie 360° mussten natürlich auch Meilemerinnen und Meilemer hinnehmen, die keine direkten Anwohner sind.

90 von 100 verfügbaren Verträgen sind unterschrieben

Der Spatenstich für den Bau der Energiezentrale an der oberen Kirchgasse hat im Frühling 2022 stattgefunden. Anschliessend begann der Ausbau des Netzes. Heute, anderthalb Jahre später, sind die ersten 21 Liegenschaften angeschlossen.

In dieser ersten Phase werden noch weitere vier Liegenschaften, inklusive Hallenbad Meilen, angeschlossen. Insgesamt rund 90 Verträge mit Eigentümern wurden bisher  unterzeichnet. Die aktuelle Anlage  hat eine Kapazität für den Anschluss von rund 100 Liegenschaften. Ideen für eine Erweiterung der Anlage und des Perimeters für weitere Liegenschaften bestehen, müssen aber noch genauer geprüft werden.

Grusswort, Rundgänge und eine Bratwurst vom Grill

Das Grusswort der Gemeinde Meilen überbrachte Gemeindepräsident Christoph Hiller, der sich ebenfalls für die gute Zusammenarbeit bedankte. Energie sei politisch ein hochaktuelles Thema, und die Art der Energiegewinnung werde auf nationaler Ebene kontrovers diskutiert. «Dass wir in Meilen jetzt einen Energieverbund haben, ist toll. Und wir profitieren auch gleich selber davon, weil das Hallenbad und die Schulanlage Allmend angeschlossen sind. Das alles, ohne dass wir selber Geld investieren mussten», sagte er.

Neben den Ansprachen von Romeo Deplazes und Christoph Hiller gab es für die Besucherinnen und Besucher eine Bratwurst vom Grill, man konnte an einem Wettbewerb teilnehmen und unter fachkundiger Begleitung die Energiezentrale genau unter die Lupe nehmen.

Wer den Tag der offenen Tür verpasst hat, hat am 18. und 25. Januar 2024 noch einmal die Chance auf eine Führung, durch die Zentrale. Organisiert werden diese vom Ortsmuseum Meilen. Anmeldung und Infos findet man zu gegebener Zeit auf der Website des Museums.

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