Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Rehkitzrettung in Meilen

Wie jedes Jahr engagiert sich die Jagdgesellschaft Meilen zusammen mit den beiden Drohnenpiloten Herbert Böhler und Remo Kohler intensiv bei der Rettung von Rehkitzen aus Feldern, die gemäht werden.

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Rehgeissen setzen ihre Kitze ab Ende April bis Ende Juni gerne in hohes Gras ab und lassen sie, weil die Kleinen noch nicht genügend Ausdauer haben, für rund drei bis vier Wochen im Gras liegen. Die Kitze werden dabei regelmässig von ihrer Mutter aufgesucht, um sie zu säugen. Die Geiss hält sich in dieser Zeit praktisch immer in der Nähe auf, liegt aber nicht dauernd bei den Kleinen, um nicht ihren Geruch auf die Kitze zu übertragen. Diese besitzen nämlich am Anfang ihres Lebens selbst fast keinen Eigengeruch, damit sie nicht von Beutegreifern entdeckt werden.

Kitze flüchten nicht, sondern verstecken sich

Bei einer Bedrohung ducken sich die Kitze zunächst, um vom Feind nicht wahrgenommen zu werden. Genau dieses Verhalten birgt aber Gefahr, sobald die Wiesen mit den Mähmaschinen geschnitten werden. Denn die Kitze flüchten nicht, sondern werden leider allzu oft von der Maschine verletzt oder getötet.

Seit einigen Jahren werden deshalb mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen eingesetzt, um die Kitze zu finden, sie in Kisten zu fangen und wieder in die Freiheit zu entlassen, sobald die Wiese gemäht wurde. Damit die Rehkitzretter wissen, wann welche Wiese gemäht wird, braucht es die Zusammenarbeit mit den Landwirten. Diese melden sehr zuverlässig bis spätestens am Vortag des Mähens die betreffenden Felder an den Disponenten, der die Felder in einem eigens dafür programmierten System des Vereins Rehkitzrettung Schweiz erfasst.

Drohnen mit optischem Zoom und Wärmebildkamera

Danach wird das Feld einem Drohnenpiloten zugewiesen, der seinerseits die Parameter für den eigentlichen Suchflug erstellt: Es werden die Flugbahnen, die Flughöhe und die Fluggeschwindigkeit festgelegt.

Dabei ist das System mittlerweile sogar in der Lage, die relative Flughöhe zum Startpunkt der Topografie des Geländes anzupassen.

Die Flugparameter lassen sich nun auf die Drohne übertragen, sodass am Morgen nur die betreffende Datei aufgerufen werden muss, um den Suchflug durchzuführen. Sobald ein Verdachtspunkt ausgemacht ist, stoppt der Pilot die Drohne, um ihn weiter zu betrachten. Dabei kann heute zwischen Wärmebild und optischem Zoom gewechselt werden, damit nicht jeder Stein persönlich von einem Helfer inspiziert werden muss. Es braucht allerdings etwas Erfahrung, um nicht jede Abweichung als Kitz zu deuten.

Im Zweifelsfall werden uneindeutige Signaturen vor Ort inspiziert. Manchmal findet man dort auch Dachse, Füchse, Katzen und dergleichen oder Steine, Erdlöcher und kahle Stellen im Gras. Erwachsene Rehe lassen sich mit der besser werdenden Technik aber fast immer eindeutig erkennen.

Zwischen 35 und 40 Rehkitze gerettet

Sobald ein Kitz ausgemacht wurde, wird es in einer Kiste gefangen, diese wird mit Fahnen markiert und der Landwirt wird kontaktiert, damit er über den Fund informiert ist. Nach dem Mähen wird die Kiste wieder entfernt und das Kitz befreit.

Dieses Jahr hat die Jagdgesellschaft Meilen von Anfang Mai bis Ende Juni an insgesamt 19 Morgen – zum Teil mit zwei Teams, bestehend aus einem Piloten und mindestens einem Helfer – knapp 200 Hektare Wiesen abgeflogen. Dabei wurden 114 Felder abgearbeitet, meistens jeweils von 4.30 Uhr bis gegen 8 Uhr am Morgen. Der grosse Erfolg lässt sich sehen: Es konnten insgesamt 55 Rehkitze identifiziert werden. Dabei sind sicherlich acht, die zweimal gefunden wurden, da zweimal dieselben Felder abgeflogen werden mussten, einige weitere Doppelzählungen sind ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Insgesamt dürften aber zwischen 35 und 40 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt worden sein. Lediglich ein Kitz wurde beim Mähen getötet, das bei der Kontrolle wahrscheinlich aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse übersehen wurde.

Ganz herzlich bedanken möchte sich die Jagdgesellschaft Meilen bei den Landwirtinnen und Landwirten für ihr vorbildliches Melden der Felder bedanken und bei den Meilemer Drohnenpiloten Remo Kohler und Herbert Böhler für ihren keineswegs selbstverständlichen und freiwilligen Einsatz in ihrer Freizeit!

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