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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Bei einem gut zweistündigen Frühstück Anfang Jahr versorgt der Gemeinderat die Meilemer Gewerbler und Arbeitgeber jeweils mit aktuellen Informationen. Am Dienstag versammelten sich dazu annähernd 100 geladene Gäste im Löwen-Saal.

Dem Gemeinderat sei der Kontakt zu den Gewerblern und Arbeitgebern in der Gemeinde wichtig, gerade auch zu jenen, die selber nicht in Meilen wohnen, sagte Gemeindepräsident Christoph Hiller: «An der Goldküste ist das Land teuer. Umso wichtiger ist es, dass Meilen nicht zur Schlafstadt wird, sondern dass hier – dank Ihnen – auch Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.» Die Türen von Gemeinderat und Verwaltung würden immer offen stehen, falls Fragen oder Probleme auftauchten.
Raumproblem im Untergrund
Die ersten 40 von total 134 Folien blickten zurück auf das Jahr 2025 in Meilen und behandelten diverse Themen von der Einweihung der Feuerwehr-Einstellhalle bis zu Kater Leo.
Anschliessend informierte Tiefbau-Vorstand Alain Chervet über Projekte aus seinem Ressort, wozu am Wintermorgen auch die Info gehörte, dass für Meilen bis zu 15 Personen im Einsatz sind, um Schnee zu räumen.
Als Vorhaben im laufenden Jahr zählte Alain Chervet Arbeiten im Bereich von Burgstrasse, Pfannenstielstrasse, Bergstrasse und Gruebstrasse auf, dazu kommen die Umsetzung des Quartierplans Bruech und eine behindertengerechte Bushaltestelle auf der Bergstrasse inklusive einer neuen Fussgängerinsel.
Erstmals umgesetzt werden bei der Sanierung der Ländischstrasse sogenannte Schwammstadtmassnahmen. Das bedeutet, dass sauberes oder wenig verschmutztes Regenwasser gespeichert und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird, statt in die Kanalisation zu fliessen.
Eine neue Herausforderung stellt sich mit dem «Raumproblem im Untergrund»: Wegen des Klimawandels reichen für neu gepflanzte Bäume die früher üblichen ein bis zwei Kubikmeter Substrat nicht mehr aus, damit sie langfristig gedeihen, heute braucht es ein Mehrfaches davon.
Neues vom geplanten SBB-Doppelspurausbau wusste der Gemeinderat ebenfalls zu berichten: Der ursprünglich geplante Baubeginn im Jahr 2030 wird in Frage gestellt, weil der erforderliche Landerwerb zu vielen Einzelgesprächen führt – und möglicherweise auch zu Rekursen.
Diverse neue Projekte von Bibliothek bis Badi
Liegenschaften-Vorstand Peter Bösch stellte laufende Projekte vor wie etwa den Um- und Ausbau des Doppelkindergartens Just mit geplantem Bezug im August, den Pavillonneubau im Schulhaus Feldmeilen oder die Totalsanierung des «Gebäude C» auf der Allmend, welche der Gemeinderat als gebundene Ausgabe in Eigenregie beschliessen konnte.
«Wir sind wegen dem Bevölkerungswachstum am Gasgeben im Tiefbau und bei den Liegenschaften», so Bösch. Auch für das «Pumpwerk» im «Horn» und überhaupt für den ganzen Perimeter «Horn» wird wieder geplant, bezüglich einer neuen Bibliothek/Ludothek wird ebenfalls diskutiert, und es steht die Idee im Raum, einen Teil des «Schälehuus» sowie das dahinter liegende Gebäude zum neuen Jugendzentrum der Gemeinde zu machen, weil das ehemalige «DOP» (jetzt u.a. «Haus der Musik» und «Stella») im Inneren saniert werden soll.
Last but not least steht der Badi Dorf eine umfassende Renovation bevor, zusammen mit einer Aufwertung des Seeufers und, möglicherweise, einer neuen Ganzjahres-«Beiz» mit 60 bis 80 Sitzplätzen «am Scherme», also drinnen. So könnte rentabel gewirtschaftet werden.
Schwierigkeiten bei der «Seehalde»
Im zweiten Teil des Morgens hatte Hochbau-Vorstand Heini Bossert seinen Auftritt. Er wies darauf hin, dass der regionale Richtplan mit den Hauptthemen Verkehr und Energie bis im Sommer teilrevidiert wird, ebenso wie die Meilemer Bau- und Zonenordnung, die entsprechende Vorlage soll im Juni vor die Gemeindeversammlung kommen.
Aufhorchen liess, was er zum Projekt Seehalde Dorfmeile sagte. Die Pensionskasse BVK plant, am Dorfeingang schräg vis-à-vis des Kibag-Parks eine neue Siedlung zu errichten: aus aktuell 20 Wohnungen sollen etwas mehr als 60 werden, indem man die bestehenden Mehrfamilienhäuser abreisst und das Gebiet mit bis zu 16 Meter hohen, neuen Gebäuden besser ausnutzt. Im September wurde das Projekt an einer Info-Veranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt, im Juni sollten der entsprechende Gestaltungsplan, die erforderliche Umzonung und der städtebauliche Vertrag vor die Gemeindeversammlung kommen. Dieser Zeitplan kann nun nicht eingehalten werden.
Denn: «Der Bericht der kantonalen Vorprüfung, den wir im Dezember erhalten haben, ist kritisch ausgefallen», berichtete Heini Bossert. Der Kanton sei offenbar der Meinung, die BVK müsse keinen Gewinn machen, «sondern eher gemeinnützig sein» und auf günstigen Wohnungsbau setzen. Der Kanton regt an, die bestehenden Gebäude aufzustocken, statt Neubauten zu erstellen. Allerdings können auf diese Weise keine 60 Wohnungen entstehen.
Die entsprechenden Themen müssen nun von der Bauherrin BVK in Abstimmung mit der Gemeinde und den kantonalen Behörden aufgearbeitet werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird.
Bereits von der kantonalen Baudirektion genehmigt ist die Teilrevision des Erschliessungsplans bezüglich Neubauprojekt Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen. Beim Gestaltungsplan ist nur noch der Lärmschutz in Prüfung.
Vielleicht kommt der Donnschtig-Jass nach Meilen
Die Gemeinde hat 2026 ein «Kulturjahr» ausgerufen mit dem Thema «Esskultur» als rotem Faden, bei dem sich auch das Gewerbe einbringen kann. Wie die zuständige Gemeinderätin Marzena Kopp aufzählte, wäre das auf unterschiedlichen Wegen möglich: Teilnahme an oder Organisation von Aktivitäten und Veranstaltungen sowie Sponsoring von (Erlebnis-)Preisen für den geplanten Wettbewerb.
Spannend wird es möglicherweise am 9. Juli. Beim SRF-«Donnschtig-Jass» im Fernsehen tritt Meilen gegen Horgen an, und falls die Meilemer besser jassen, findet die nächste Sendung eine Woche später auf dem Dorfplatz vor den Augen der Schweizer TV-Zuschauer statt, wie bereits 2012. Damals holte Meilens Sieg gegen Uster den Anlass mit über 3000 Live-Zuschauern in die Seeanlage. Diese wäre allerdings inzwischen für die Anforderungen von SRF zu klein.
Gut besuchte Anlässe des HGM
Zur Abrundung des Zmorge richtete Nadja Breu, die Vizepräsidentin des HGM, ein paar Worte ans Publikum und blickte zurück auf «Sommerplausch», «HGM-Kafi» und «HGM-Treff» im 2025. Erfreulicherweise sind die Anlässe besser besucht als auch schon. Wie auch der «Gewerbe-Zmorge» stellen sie in einer Zeit mit vielen weltpolitischen Belastungen das Miteinander ins Zentrum.