Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Neulich in Meilen: Suuserchilbi

Neulich sass ich in der Bar und trank ein Bier. Roger war auch da. «Ist auch nicht mehr so voll wie noch vergangene Woche», meinte er und blickte in den locker besetzten Raum.

«Naja, die Ferien haben begonnen», meinte ich darauf. «Letzte Woche war noch Suuserchilbi», fuhr Roger fort. Dann aber kam nichts mehr. Also fragte ich: «Warst du auch dort?» – «Wo?» – «Na, an der Chilbi!» – «Klar, habe ich doch gesagt.» – «Nein, hast du eben nicht.» Roger sah mich irritiert an. Ich wollte nicht streiten, also fragte ich einfach weiter: «Wie war’s?» – «Ganz nett. Habe eine Rose geschossen.» – «Gratuliere!» – «War nicht schwer. Habe sie einer schönen Dame gegeben.» – «Ich verstehe», sagte ich, in der Meinung, dass nun der eigentliche Teil der Geschichte kommt. «Und? Habt ihr den Abend zusammen verbracht?» – «Wer?» – «Du und die schöne Frau. Hast du sie zu einem Suuser eingeladen?» – «Nein. Ich habe ein paar alte Kollegen gesehen, mit denen habe ich ein Bier getrunken.» – «An der Suuserchilbi?» – «Ja, klar. Davon reden wir doch die ganze Zeit.» Schön wär’s, wenn wir tatsächlich darüber reden würden, dachte ich. Ich blieb dran und sagte: «Ich habe einfach gestaunt, dass du an der Suuserchilbi ein Bier trinkst. Da wäre doch die Idee, dass du einen Suuser trinkst.» – «Mhm», war die Antwort von Roger, die man bestenfalls einsilbig nennen konnte. «Ich dachte nur, es würde sich anbieten, bei diesem Anlass Suuser zu trinken.» – «Das stand nicht in den Teilnahmebedingungen.» Das war so gar nicht Roger-like. Also sprach ich ihn direkt drauf an: «Sag mal Roger: Was ist los?» Erstaunt sah er mich an, doch dann schien er zu realisieren, was ich meinte. «Verzeih. Ich bin müde. Der September war hart. Jedes Wochenende gab es etwas zu feiern. Ich habe viel zu wenig geschlafen. Bin froh, dass der Oktober etwas ruhiger wird. Darum muss ich nun Feierabend machen.» – «Das verstehe ich. Geniess das Wochenende!» Roger zahlte und ging. Wenig später legte auch ich das Geld auf den Tresen. «Bis nächste Woche», sagte ich zu Jimmy, der Gläser trocknete. «Bis in einer Woche», antwortete er ganz cool. Draussen atmete ich die kühle Herbstluft ein und dachte bei mir: Vielleicht läuft im Moment weniger. Aber es geschieht nicht weniger. Denn es wird Herbst. Und den zu geniessen, will ich mir Zeit nehmen.

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