Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Neulich in Meilen: Immer diese Radfahrer!

Neulich sass ich in der Bar und trank ein Bier. Roger hielt mir sein Glas hin und kam gleich zur Sache. «Hast du die Radfahrer auch so auf dem Kieker wie ich?», fragte er und nahm einen grossen Schluck, als ginge es darum, einen grossen Ärger runterzuspülen.

«Kann ich so jetzt nicht behaupten», erwiderte ich. «Ich ärgere mich immer wieder! Die halten sich an keine Verkehrsregeln. Zeichen geben? Völlig überschätzt. Rote Ampeln? Gilt nur für die anderen. Und im Zweifelsfall fahre ich auf dem Trottoir weiter.» Ich war erstaunt, wie aufgebracht er war. «Was ich schon an Beinaheunfälle hatte! Aber wenn du als Autofahrer nur mal etwas zu nah überholst, werden die nicht müde, dich das lautstark und mit entsprechenden Gesten wissen zu lassen.» – «Du scheinst so einiges an Erfahrung zu haben», meinte ich. Doch das konnte seinen Redefluss nicht stoppen. «Gerade am letzten Wochenende, Sonntag früh, ich fuhr über Land durch eins der vielen Dörfer in unserem Kanton. Da überholte ich einen Radfahrer, der ehrgeizig gegen die Zeit fuhr. Im Dorf aber musste ich abbremsen. Schliesslich waren wir nicht alleine auf der Strasse. ‘Fahr etwas links!’ rief er hinter mir, ich hörte es klar durch die offenen Fenster. Ich konnte aber nicht. ‘Fahr etwas links!’ rief er erneut. Ich blieb wo ich war, weil ich nicht anders konnte. Als er an der Kreuzung an mir vorbeifuhr, beschenkte er mich mit einem ‘Arschloch’!» – «Und wie hast du reagiert?», fragte ich neugierig. «Ich habe seinen Ausspruch mit meinem Mittelfinger quittiert. Hat gutgetan.» Jimmy stellte uns zwei Frischgezapfte hin und fragte: «Worüber sprecht ihr?» – «Über den Konflikt Autofahrer gegen Radfahrer.» – «Da könnte ich auch Geschichten erzählen», stieg Jimmy gleich ein. «Die Autofahrer sind unglaublich rücksichtslos uns gegenüber…» Damit waren die zwei mitten in einer heftigen Diskussion, während ich versuchte, beide Sichtweisen zu verstehen. Ich unternahm auch einen Versuch einer Vermittlung, der aber kläglich scheiterte. Nach dem dritten Bier legte ich mein Geld auf den Tresen und sagte zu Jimmy: «Bis in einer Woche.» Der schaute auf und sagte abwesend: «Ja, ja. Bis nächste Woche», und wandte sich wieder Roger zu. Ich trat nach draussen und dachte: Wenigstens reden die miteinander. Wenn wir Glück haben, lernen sie die Sicht des anderen verstehen und reagieren das nächste Mal nicht so aggressiv.

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