Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Neulich in Meilen Eine gute Geschichte

Neulich sass ich in der Bar und trank ein Bier. Roger war auch da. Wir stiessen an. «Na, wie läuft’s?» – «Unspektakulär», antwortete Roger. «Hab die Fühler ein bisschen Richtung Weihnachten ausgestreckt. Aber die Adventszweit wird ja erst noch losgehen. Und bei dir?» – «Ich war am letzten Wochenende bei meinen Eltern.

Die waren an einen Seniorenanlass der Gemeinde eingeladen, und ich habe sie begleitet.» – «Hat es ihnen gefallen?» – «Nicht nur ihnen. Es war ein echt guter Nachmittag.» – «Mit lauter Senioren? Das ist doch langweilig.» – «Nicht dieser Anlass», sagte ich bestimmt. «Eine Brassband spielte rund eine Stunde lang, dann gab es Kaffee und Kuchen.» – «Sag ich’s doch! Diese Anlässe sind für die Senioren interessant, weil sie ihresgleichen sehen. Aber ich langweile mich schnell.» – «Das mag in anderen Fällen so sein», entgegnete ich, «aber dieses Mal war es anders. Denn die Brassband spielte ausnehmend gut, und nachdem wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genossen hatten, trat der Pfarrer auf die Bühne und las eine Geschichte vor.» – «Eine selbstgeschriebene?» – «Das weiss ich leider nicht», gab ich zu. «Er las aus einer Sammlung von Mordgeschichten, die ich nicht kannte.» – «Und?» – «Die Geschichte war spannend und lustig zugleich.» – «Eine gute Kombination!» – «Der Pfarrer las die ganze Geschichte. Das dauerte bestimmt eine halbe Stunde.» – «Oh, das ist lange!» – «Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam haben alle zugehört.» – «Nicht schlecht», sagt Roger anerkennend. «Auch die jungen Männer von der Brassband waren mucksmäuschenstill.» – «Ja, gute Geschichten können das, wenn sie zudem noch gut gelesen werden.» Roger hob zwei Finger in Richtung Jimmy, der sich sogleich an die Arbeit machte. Kurz darauf stiessen wir noch einmal an. «Dann hattest du also ein gutes Wochenende», fasste Roger meine Erzählungen zusammen. «Ja, sehr. Ich habe dann meine Eltern nach Hause gebracht, wo wir noch einen Wein tranken. So fand der Tag ein gemütliches Ende.» Bald danach beendete ich auch den Abend in der Bar. «Bis in einer Woche», sagte ich zu Jimmy und der antwortete: «Bis in einer Woche.» Ich ging zügigen Schrittes durch das dunkle Meilen nach Hause, während ich mich weiter darüber freute, welche Kraft gute Geschichten haben.

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