Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Neulich in Meilen: Ehemaligentreffen

Neulich sass ich an der Bar und trank ein Bier. Carla sass bereits da, als ich eintraf, und hatte das obligate Glas Weisswein vor sich stehen. Sie schien es eilig damit zu haben, mit mir anzustossen und endlich losplaudern zu können.

«Du bist ja aufgekratzt!», meinte ich. «Und das auch noch am Feierabend.» – «Ja», bestätigte sie, «ich war am Ehemaligentreffen in Obermeilen! Mann, das war vielleicht eine schöne Sache.» – «Warst du zum ersten Mal dabei?» – «Die anderen Male habe ich irgendwie verpasst.» – «Hast du viele Gschpänli von damals wiedergesehen?» – «Meine ehemalige Banknachbarin habe ich getroffen. Ich habe sie fast nicht wiedererkannt.» – «Und hast du auch deinen Schulschatz von damals wieder gesehen?» Sie nickte nur, nahm einen Schluck und als sie mich ansah, waren ihre Backen leicht gerötet. «Peter! Ich hatte in der Primarschule schon für ihn geschwärmt. An der Oberstufe waren wir dann eine Weile zusammen. Fast ein ganzes Jahr!» – «Das ist viel in diesem Alter.» – «Sehr! Das Lustige war, dass ich in den Gesprächen mit ihm gar nichts mehr für ihn empfand». – «Gar nichts?» – «Also, wir haben ziemlich lange miteinander gesprochen. Das schon. Und ich konnte nachvollziehen, weshalb ich ihn damals toll fand. Aber auf der Gefühlsebene ging nichts mehr ab. Ich meine, im romantischen Sinne. Du verstehst schon.» – «Dennoch hatte ich das Gefühl, dich mit meiner Frage nach dem Schulschatz irgendwie ertappt zu haben.» – «Im Ernst?» – «Das war nicht bloss Wangenrouge, was ich da gerade eben zu sehen bekommen habe.» – «Wow, du bist ein genauer Beobachter.» – «Dann habe ich also recht gesehen?» – «Irgendwie hat mich die Begegnung mit dem Schwarm von damals schon in der Magengegend gekitzelt. Immerhin hatte ich mit ihm meinen ersten Kuss. Gleichzeitig könnte ich mir das heute nicht mehr vorstellen. Diese Spannung wird wohl vorhin meine Wangen gerötet haben.» Sie erzählte mir noch viel von den Begegnungen und Gesprächen an diesem Treffen. Als wir uns schliesslich verabschiedeten, legte ich das Geld auf den Tresen und rief zu Jimmy: «Bis in einer Woche!» und er antwortete: «Bis nächste Woche.» Auf dem Nachhauseweg dachte ich: Solche Treffen mit der Vergangenheit halten uns vor Augen, dass wir Menschen uns von Jahr zu Jahr wandeln und doch immer dieselben bleiben.

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