Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Neulich in Meilen: A Rainy Day in New York

Neulich sass ich an der Bar und trank ein Bier. Jimmy stand hinter dem Tresen und trocknete Gläser.

«Nun ist der Sommer vorbei», sagte ich, worauf er antwortete: «Er hat sehr lange gedauert. Und» schob er nach, «der Regen tut der Natur gut.» – «Ist nur schade für alle, die jetzt verregnete Ferien haben.» – «Schon», meinte Jimmy darauf, «aber über das Bisschen Regen hier kann man sich nicht ernsthaft beklagen. Was mir gestern ein Gast erzählt hat, das willst du nicht erleben.» – «Ah ja?» – «Der war in New York, als dieser Sturm über die Stadt hinwegfegte.» – «Das muss ein rechter Orkan gewesen sein.» – «Und wie! Er erzählte, dass er an jenem Morgen ins Museum wollte. Aber er hat es nicht geschafft. Die U-Bahn fuhr nur noch bedingt. Die Taxis waren alle ausgebucht. Schliesslich versuchte er es zu Fuss, war aber nach kurzer Zeit bis auf die Knochen nass.» – «Nicht schlecht. So stark hat’s hier zum Glück nicht geregnet.» – «Das Schlimmste kommt noch!» – «Geht’s noch schlimmer?» – «Er hat berichtet, dass schliesslich Wasser in die U-Bahn einbrach und die Menschen, die von den Fluten dort unten überrascht wurden, schwimmend den Untergrund verlassen mussten.» – «Im Ernst?» – «In den Wassermassen schwammen natürlich auch die Ratten, die dort unten lebten.» – «Oje!» – «Und natürlich stieg auch all der andere Unrat hoch, den es dort unten gab!» – «Igitt!» – «Da reicht einmal duschen nicht mehr.» – «Das ist echt übel!», sagte ich und konnte nicht verhindern, dass Bilder von Fluten, Menschen und Ratten in mir hochstiegen. «Regen in New York ist nicht toll», meinte Jimmy schliesslich. Worauf ich verträumt sagte: «Dabei hat Woody Allen einen so schönen Film über einen Regentag in New York gemacht.» – «Der kommt aber bestimmt ohne Sturm aus, oder?» – «Du kennst ‚A Rainy Day in New York‘ nicht?» – «Muss man den kennen?» – «Das ist eine der schönsten und romantischsten Liebeskomödien!» – Ich schwärmte ihm in der Folge von diesem Film vor. Als ich bezahlen wollte, winkte Jimmy ab. «Geht aufs Haus.» Ich bedankte mich und sagte: «Dann bis in einer Woche.» – «Bis nächste Woche», antwortete er. Ich trat aus der Bar und schlug die Kapuze hoch, die unappetitlichen Bilder von den Fluten gingen mir nicht aus dem Kopf. Da dachte ich bei mir: Als Gegengift gegen diese Bilder schau ich mir gleich nochmals Woody Allens Film an.

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