Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Rund 150 Meilemerinnen und Meilemer trafen sich am letzten Sonntag gegen Abend im «Löwen» zum Neujahrsapéro, um 2026 zu begrüssen und als Dorfgemeinschaft anzustossen.
Der Anlass ist öffentlich; Häppchen und Getränke werden von der Gemeinde finanziert. Vollzählig anwesend war der Gemeinderat. Der Neujahrsapéro ist der Meilemer Regierung wichtig, und er liegt auch Gemeindepräsident Christoph Hiller sehr am Herzen. Er ist nach seinem schweren Unfall im November froh, in alter Frische wieder zurück zu sein.
Freude und Erschütterung
Dennoch war die Stimmung im Löwen-Saal zu Beginn des Anlasses weniger fröhlich als in früheren Jahren. Man sah zwischen den mit weissen Tischtüchern gedeckten Stehtischen viele ernste Gesichter, denn allen war die Tragödie von Crans-Montana mit ihren Todesopfern und schwer Brandverletzten nur allzu präsent, auch sorgt die momentane Weltlage mit den vielen Konflikten für Sorge.
Als der Gemeindepräsident die Bühne betrat, um seine Neujahrsrede zu halten, war ihm deshalb die Aufmerksamkeit der Anwesenden sicher. «Wie eng Freude und Erschütterung beisammen liegen können, hat uns die allererste Stunde des Jahres 2026 nur allzu deutlich vor Augen geführt», sagte er, auf Crans-Montana anspielend. So eine Katastrophe wecke aber auch das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, dass sich die Menschen über alle Grenzen hinweg freundschaftlich verbunden sind und sich unterstützen: «Das ist in solchen Momenten unendlich wertvoll.»
Die Dorfgemeinschaft in der kleinen Stadt
Er glaube, «dass wir in Meilen im Alltag und an vielen besonderen Anlässen genau diese Atmosphäre pflegen und auch in einer kleinen Stadt eben die Dorfgemeinschaft leben, wo man sich kennt, sich vertraut und ein Miteinander anstrebt». Gerade deshalb sei für ihn klar gewesen, dass der Neujahrs-Umtrunk nicht abgesagt werden soll, im Gegenteil: «Solche Zusammenkünfte ermöglichen die Stärkung von Nachbarschaft und Freundschaft. Sie geben die Basis für Solidarität und gegenseitige Hilfe.»
Besorgt zeigte sich Christoph Hiller beim Blick über die Grenzen. Er erwähnte die grossen aktuellen Konflikte mit Eskalations-Potenzial von Taiwan über die Ukraine und den Nahen Osten bis hin zu Venezuela und kam auch auf die enormen Staatsverschuldungen, die Inflation, Drohnenangriffe, Cyberattacken und Desinformationskampagnen zu sprechen. «Mit Zuversicht ist aber zu hoffen, dass die Demokratien sich nicht von Despoten unterwerfen lassen und dass hier und dort wieder Vernunft einkehrt.»
Bedrohte westliche Welt
Auch wies er darauf hin, dass die Schweiz Anfang Jahr den Vorsitz der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) übernommen hat und so international die Neutralität und die bewährten Guten Dienste präsentieren kann, «mit mehr Selbstbewusstsein». Insgesamt sieht er aber die westliche Welt auf eine Weise bedroht, wie sie es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nie mehr gewesen ist.
Auf Meilen zurückkommend, lobte er die hiesige Diskussionskultur, die von Anstand und Respekt geformt sei und freute sich darüber, dass in der Gemeinde alle Politiker ihre Funktion im Milizamt ausüben – «deshalb besteht kein Graben, was letztlich Erfolg verspricht und in Meilen besonders ausgeprägt ist».
Werbung für das Kulturjahr 2026
Der Gemeindepräsident machte auch Werbung, nämlich fürs «Kulturjahr 2026», das von der Gemeindebibliothek mit der Ludothek und dem Ortsmuseum initiiert worden ist. Mitmachen können alle. Das Thema: Ess-Kultur in all ihren Facetten; online unter www.meilen-kultur.ch sind alle bereits bekannten Anlässe aufgelistet. Passend dazu gab es denn auch für alle Gäste als Bhaltis etwas zu essen, nämlich eine Tafel Milchschokolade aus der Meilemer Bäckerei-Konditorei Brandenberger, hergestellt nach einem alten Familienrezept.
Zunächst wandten sich die Anwesenden aber nicht der Schokolade zu, sondern den vom Löwen-Team aufgetischten warmen und kalten Häppchen, dazu wurde mit einem Glas Seeperle des Feldner Winzers Schneider angestossen, auch Weisser und Roter wurde serviert. Die Stimmung war nun deutlich gelöster als zu Beginn der Veranstaltung. Besonders interessante und animierte Gespräche ergaben sich ausserdem aus der Tatsache, dass 2026 ein Wahljahr ist – die entsprechenden Kandidatinnen und Kandidaten liessen es sich natürlich nicht nehmen, am Neujahrsapéro Kontakte zu knüpfen und sichtbar zu sein.