Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Die Meilemer «Computeria» war eines der ganz frühen Angebote dieser Art: 1999 gegründet, ist sie nur wenig jünger als die allererste Schweizer Computeria überhaupt, die als Pionierin in St. Gallen entstand.

Der Grundgedanke hinter den Computerias – es gibt zurzeit rund 50 in der Schweiz – ist auch heute, über 25 Jahre später, noch derselbe: Es geht um Computer und den Umgang damit, in erster Linie für Menschen im Alter von 50 plus. Die Idee war es ausserdem, «initiativen Seniorinnen und Senioren einen ganz besonderen Begegnungsort zu schaffen, um an PCs zu surfen», wie die Lokalzeitung damals über den St. Galler Pionier schrieb. Wichtig waren also auch von Anfang an soziale Kontakte und Kommunikation.
Breit gefächerte Themen
Zu Beginn war die Computeria in Meilen noch gar kein Verein, sondern eine Gruppe Freiwilliger, die unter dem Patronat von Pro Senectute stand und deren Aktivitäten in den Gängen des Alterszentrums Platten stattfanden. Erst 2017 wurde der heutige Verein gegründet.
Die behandelten Themen sind mittlerweile viel breiter gefächert als in den Anfängen: «Bald nach der Gründung kam die Bedienung von Handys dazu und später der Umgang mit Smartphones und Tablets», sagt Dieter Stokar. Er ist seit letztem Sommer Präsident der Computeria. Vorher war der Informatiker schon rund zehn Jahre lang als Supporter für den Verein tätig.
«Wir spüren als Supporter grosse Dankbarkeit bei unseren Kunden.»
Zu seinem neuen Amt kam er eher unverhofft, weil seine Vorgängerin aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste. «Ich musste leer schlucken. Mein Leben fühlte sich so schon voll ausgelastet an – jetzt auch noch das Präsidium? Nein sagen konnte ich schlecht, und paradoxerweise fühle ich mich seither immer noch genauso ausgelastet – nur einen Tick zufriedener», sagt er lachend. «Ich finde die Computeria ein sehr sinnvolles Angebot, und wir spüren als Supporter auch immer wieder grosse Dankbarkeit bei unseren ‘Kunden’.» Übrigens nannte man die Supporter vor nicht allzu langer Zeit noch «Instruktoren», doch das habe ihm zu militärisch geklungen, erklärt der 66-Jährige.
Von Fragestunde bis Unterstützung zu Hause
Das knappe Dutzend Supporter und Supporterinnen im Alter von 40 bis 70 hat grundsätzlich drei unterschiedliche Angebote auf Lager: Die niederschwelligen Fragestunden im Ortsmuseum für kleinere Anliegen, die gratis sind und alle zwei Monate stattfinden. Dann den CompiTreff im Treffpunkt Meilen, wo über
spezifische Themen, Entwicklungen, Projekte und Trends informiert wird (bis zu 35 Teil-nehmer mit Anmeldung, 10 Franken, eben-
falls alle zwei Monate) und schliesslich die individuelle Unterstützung für 1 Franken pro Minute – auf Wunsch auch bei den Kunden zu Hause.
Schöne Begegnungen und interessante Gespräche
Wer Angebote der Computeria in Anspruch nimmt, braucht übrigens nicht Vereinsmitglied zu sein, wer Supporter ist, hingegen schon. Aktuell stehen ein Dutzend Freiwillige für möglichst regelmässige Einsätze jeweils alle vier oder acht Wochen zur Verfügung. Doch für einen problemlosen Betrieb, z.B. bei Ausfällen wegen Krankheit, reicht das nicht. «Zuwachs wäre sehr willkommen», sagt Dieter Stokar, «auch um die Arbeit besser verteilen zu können und um neue Projekte anzupacken.» Angedacht sind Workshops als Ergänzung zu den Themen im CompiTreff, denn diese werden meist in Form eines Vortrags erklärt.
Die meisten Supporter sind Informatiker oder Informatikerinnen, darunter zwei Profis, die auch im Berufsleben als Supporter unterwegs sind und ihren Kollegen und Kolleginnen gerne Tipps geben, wie sie ihr Wissen am besten vermitteln. Um welche Themen geht es überhaupt? «Neu-Installation, Daten-Migration, Druckerprobleme, Mailprobleme, persönliche Orga-nisation von Daten, Passwörter, Spam, Phishing- und Cyber-Attacken, Backups, Updates, veraltete Geräte, Organisation von Fotos, Social Media…» zählt Dieter Stokar auf und fügt an, das Potenzial an Fragen und Problemen sei schier unerschöpflich. Dabei werden natürlich sowohl Windows- als auch Mac-Benutzerinnen und -Benutzer beraten.
«Als Generalversammlung essen wir gemeinsam Zmittag.»
Wichtig ist auch das Zwischenmenschliche. «Wir haben immer wieder sehr schöne Begegnungen und dürfen interessante Gespräche führen», sagt der Vereinspräsident. Und man dürfe auch nicht vergessen, dass man als Computersupporter gezwungenermassen in die Privatsphäre einer Person eintrete. «Es braucht ein Bewusstsein für Respekt und Integrität. Man erklärt immer, was man zu tun beabsichtigt und holt dafür das Einverständnis ab.»
Genügend Tricks auf Lager
Im letzten Jahr haben die Supporter und Supporterinnen neben den beiden Angeboten Fragestunde und CompiTreff fast 100 Stunden Kundensupport geleistet, meist bei den Klienten zu Hause. «Manchmal geht es da auch ein wenig ums Plaudern», sagt Dieter Stokar und schmunzelt. Oder man muss zuerst einmal herausfinden, wo eigentlich das Problem liegt, das gelöst werden soll. «Das war schon im Berufsleben mein Thema», sagt er, «manchmal denken Benutzer und IT-Spezialisten in ganz unterschiedlichen Kategorien.» Und: Er wisse auch nicht alles, habe aber mehr Tricks auf Lager, um Lösungen zu finden.
Übrigens, Vorstandssitzungen im eigentlichen Sinn gibt es bei der Computeria keine. «Wir machen alle drei Monate ein Supportertreffen, einmal im Jahr eine Strategie- und Ideen-Sitzung, und als Generalversammlung essen wir gemeinsam Zmittag.»