Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Das Programm, das am vergangenen Samstag in der reformierten Kirche geboten wurde, war ganz dem Kaffee, dem Wein und dem «täglich Brot» gewidmet.

Als Orgelintroduktion erklangen Präludium, Fuge und Chaconne in C-Dur von Dietrich Buxtehude (1637 – 1707), in welchen Organistin und Mentorin Barbara Meldau ihre bekannte Kunstfertigkeit überzeugend zur Geltung brachte: Nach der Eröffnung à la «hört mal her!» ging sie den zweiten Abschnitt durchsichtig an, um alsbald mächtige Registrierung folgen zu lassen, anschliessend führte sie über die Mehrteiligkeit in kanonischem Stil zur Coda.
Eine kaffeesüchtige Tochter
Der zweite Abschnitt – er stand unter dem Titel «Kaffee» – war treffend der Wiedergabe der «Kaffeekantate» BWV 211 von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) gewidmet. Originaltitel: «Schweigt stille, plaudert nicht.» Der zehnteilige Text zeichnet gekonnt und humoristisch den Gang durchs Familienleben in verschiedenen Phasen nach, die Barbara Meldau in ihrem Querschnitt adäquat beleuchtete; es geht dabei auch um einen humorvollen Streit zwischen dem Vater und seiner kaffeesüchtigen Tochter.
Die Instrumentalisten Sarah Vicente (Travers-Flöte), Barbara Baltzer (Violine), Filomena Felley (Viola), Stefan Fuchs (Violoncello), Lucie Cornemillot (Violone) und Laura Mingo Pérez (Cembalo und Orgelpositiv) fungierten sehr zuverlässig unter der Ägide von Konzertmeisterin Johanna Pfister und Dirigentin Barbara Meldau. Der Chor konnte seine Steigerung von verhaltenem Piano zu selbstverständlicher Fülle mit Verve bestens aufzeigen.
Gesungene Tischgebete
Vor dem dritten Teil beleuchtete Barbara Meldau in einer Einführung den Bettag in unserer Zeit unter dem Motto «Unser täglich Brot», ehe das Ensemble ein gepflegtes Intro zum «Benedicte vor dem Essen» von Heinrich Schütz (1585 – 1672) gestaltete. Die gesungenen Tischgebete zeigen, dass früher der Dank vor dem Essen seinen festen Platz hatte.
Anschliessend führten die Chormitglieder die strahlende Sopranistin Martina Ganchuk und Bariton Andrii Ganchuk in guter Durchhörbarkeit und abgestufter Dynamik zur «Herrlichkeit» – Qualitäten, welche auch den folgenden Choral von J.S. Bach «Vater unser im Himmelreich» BWV 416 prägten.
Von Wein und Winzern
Ein weiterer Teil war dem Wein gewidmet: Den Einstieg bildete ein Tourdion von Pierre Attaignant (um 1530) aus dem französischen Vorbarock, wo die Anforderungen und der lebendig-mehrstimmige französische Text in farbiger Lebendigkeit doch einige Undeutlichkeiten zu Tage förderte. Konzertmeisterin Johanna Pfister nutzte in der Folge ihre Position als «Prima inter pares» und gestaltete das Allegro aus dem Violinkonzert «L’autunno» von Antonio Vivaldi (1678 – 1741) selbstsicher in vornehmer Verhaltenheit geschmackvoll mit agogischen Freiheiten.
In helvetische Gefilde führte dann das wohlbekannte «Te voici vigneron» von Carlo Boller/Maurice Budry. Gänzlich dem Wein gewidmet war auch der Song «Summer Wine» von Lee Hazlewood, wo sich die Choristen nach dem Intro zu gutem Swing zusammenfanden.
Den krönenden Abschluss bildete «Let us break bread together» im Arrangement von Howard A. Roberts. Hier durfte der Chor zu mächtiger Solo-Sängerstimme von Andreas Dombos sowohl summen als auch sich zu magistralem Fortissimo steigern, ehe man den Song gemeinsam in berückendem Pianissimo ausklingen liess. Man konnte nach dem Riesenapplaus getrost den Heimweg antreten!