Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

In Meilen entsteht Grosses

Jeweils Anfang Jahr lädt der Gemeinderat die Vertreterinnen und Vertreter von Meilemer Unternehmen – seien es grössere Firmen oder KMUs – zum Frühstück im Löwen-Saal ein. Am «Gewerbezmorge» wird ihnen ein Überblick über wichtige Projekte geboten.

Am «Gewerbezmorge» vom letzten Dienstag wurde der zeitliche Fahrplan für die Dorfstrassen-Sanierung vorgestellt. Beginn ist im Juli. Grafik: zvg

So viel Publikum gab es noch nie: An rund einem Dutzend Tische machten sich mehr als hundert Gewerbler frühmorgens über Kaffee, Gipfeli und Orangensaft her, während Gemeindepräsident Christoph Hiller zum Einstieg einen Rückblick auf Meilemer Ereignisse im vergangenen Jahr präsentierte. Kurz vor acht Uhr wechselte dann die Perspektive, indem Tiefbauvorstand Alain Chervet zum Ausblick auf anstehende Bauarbeiten im Dorf ansetzte.

Ein gutes Jahr Bauarbeiten auf der Dorfstrasse

Die Sanierung und Neugestaltung der Dorfstrasse wird den Verkehr ab 15. Juli 2024 bis August 2025 prägen. Die Arbeiten laufen in sechs Etappen ab, die eine Vollsperrung sowohl für Autos als auch für die Ortsbusse mit sich bringen. Die Bushaltestellen werden verlegt, die Autofahrer mit 30 Minuten Gratis-Parkzeit im Parkhaus getröstet. Und: «Alle Geschäfte bleiben während der ganzen Zeit zu Fuss und teilweise mit dem Velo erreichbar», versicherte Chervet. Das Endresultat ist eine Dorfstrasse mit Tempo 30, mit mehr Verkehrssicherheit, einem sanierten Untergrund und mehr Aufenthaltsqualität sowie 36 grossen Parkfeldern entlang der Strasse. Das seien nur drei weniger als heute, so Alain Chervet.

Die Bauarbeiten am Fernwärmenetz von Energie 360° – aktuell wird an der Ormisstrasse gearbeitet – pausieren ab Sommer bis Herbst 2025, um das Meilemer Verkehrsnetz zu entlasten. Dann geht es an der Pfannenstielstrasse weiter.

Sechs Bauprojekte im Zusammenhang mit der Schule

Vom Tiefbau zu den Liegenschaften führte Gemeinderat Pepe Bösch. Er stellte nicht weniger als sechs unterschiedliche Schulprojekte in diversen Planungsstadien vor.

Bereits in Ausführung ist die Instandsetzung und Erweiterung des Kindergartens Tobel (Doppelkindergarten und Räumlichkeiten für den Verein Fee, Familienergänzende Einrichtungen für Kinder). Vor die Gemeindeversammlung kommt im März die Aufstockung des Pavillons Obermeilen um ein Geschoss und im Juni der Ausbau des Doppelkindergartens Just. An der Urne abgestimmt wird ebenfalls im Juni 2024 über einen Pavillon-Neubau beim vor einigen Jahren erstellten Schulhaus Feldmeilen sowie im März 2025 über die Aufstockung des «Pavillon X» auf der Allmend – hier sollen Räume für die Verpflegung der Sek-Schüler und für Bedürfnisse des Vereins Fee geschaffen werden.

Eine weitere Urnenabstimmung für die Schule: Die Umnutzung des Gebäudes Bergstrasse 140 für die Zwecke des Vereins Fee. Darüber stimmen die Meilemer bereits im kommenden März ab. Weitere Projekte mit einem längeren Planungshorizont von knapp zehn Jahren sind Neubauten und Umbauten in bestehenden Gebäuden auf der Allmend sowie Neubauten in der Schulanlage Feldmeilen.

Der Gesamtinstandsetzung harrt ausserdem das «DOP Süd» am Dorfplatz. Mit einer Machbarkeitsstudie soll abgeklärt werden, ob das alte Sekundarschulhaus definitiv zum «Musikhaus», also zu einer Musikschule, umgestaltet werden kann.

Ein neues Haus für die Gemeindebibliothek?

Nicht zum ersten Mal an einem «Gewerbezmorge» erwähnt wurde das Kibag-Areal an der Seestrasse, welches die Gemeinde vor etlichen Jahren gekauft hat. Der dortige «Hafenkran» samt Schienen und Auffangbecken für das einst transportierte Kies ist geschützt und muss bestehen bleiben. «Wir klären zurzeit ab, wie wir den Kran als Element einbinden können», sagte Pepe Bösch. Vorstellbar seien ein Spielplatz und eine öffentliche Badestelle.

Ebenfalls am Wasser liegt die Liegenschaft Seestrasse 358 neben dem Parkplatz «Horn». Hier könnte ein öffentliches «Wassersporthaus» entstehen, erstellt im Baurecht als Neubau von einem privaten Verein, so die momentane Vision.

Auch das Strandbad Dorf soll aufgewertet werden. Eine Visualisierung zeigte eine Aufteilung in fünf Bereiche mit attraktiver Uferzone. In diesem Zusammenhang wird momentan ein Delegationsvertrag mit dem Kanton ausgearbeitet.

Einen kleinen «Primeur» konnte Pepe Bösch auch noch bieten: Das Gebäude Dorfstrasse 63 bei der Abzweigung in die Burgstrasse – ältere Meilemer erinnern sich noch an die langjährige Mieterin Metzgerei Luchsinger – könnte abgerissen werden und einer ganz neuen Gemeindebibliothek Platz machen. Diese Idee wird im laufenden Jahr auf ihre Machbarkeit überprüft werden müssen.

Last but not least: Das Depot für die Stützpunktfeuerwehr an der Bruechstrasse – ein langjähriges «Problemkind» – befinde sich nun endlich «auf guter Endspur», so Pepe Bösch. Man hoffe auf eine baldige Fertigstellung.

Viertelstundentakt, aber nur bis Bahnhof Tiefenbrunnen

Ein weiteres grosses Projekt: Der SBB-Ausbau auf Doppelspur zwischen Feldmeilen und Meilen. Tiefbauvorstand Alain Chervet stellte vor und meinte, es sei «Wahnsinn, was da auf uns zukommt» – nämlich eine riesige Baustelle mit Nachtarbeiten und mehreren Wochen Vollsperrung des Bahnbetriebs. Konkret geht es um die Verbreiterung der General-Wille-Strasse, um zusätzliche Viadukte (Schwabach) und erweiterte Unterführungen (Burgstrasse) sowie Anpassungen am Bahnhof Meilen (breiterer Mittelperron). Auf der ganzen Strecke werden private Vorgärten zugunsten des Bahntrassees verkleinert. Geplant ist der Baustart in vier Jahren mit Fertigstellung 2031/2032.

Danach ist der lang ersehnte Viertelstundentakt zwischen Meilen und Zürich Realität. Dies aber vorerst nur bis zum Bahnhof Tiefenbrunnen. Weiter geht es 2035 oder 2036 nach der Fertigstellung des Riesbachtunnels bis Stadelhofen.

Immobilienprojekt der SBB in Feldmeilen

Bereits seit über zehn Jahren in Bearbeitung ist ein weiteres SBB-Projekt zur Umgestaltung des Bahnhofs Feldmeilen samt dessen Umgebung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Meilen und Herrliberg. Hier geht es aber um Immobilien und nicht um die Bahn-Infrastruktur.

Bereits 2013 wurde die erste diesbezügliche Studie durchgeführt. Hochbauvorstand Heini Bossert stellte den weiterhin Kaffee trinkenden und aufmerksam lauschenden Gewerblern ein Projekt vor, das es in sich hat: So sollen die untere und die obere General-Wille-Strasse zusammengefasst werden, was auf tieferem Gelände-Niveau als heute einen grossen Bus-Wendeplatz im Westen des Bahnhofs ermöglicht.

Der historische Güterschuppen ist geschützt und wird ins Projekt integriert, östlich daran anschliessend sind auf SBB-Land entlang der General-Wille-Strasse neue Wohnungen und Gewerberäume vorgesehen. Die Gemeindeversammlung wird voraussichtlich im Dezember 2024 entscheiden, der Baustart ist fast gleichzeitig mit dem Doppelspur-Ausbau vorgesehen – falls das technisch möglich ist.

Jugendprojekt «Lift» für den Einstieg ins Berufsleben

Nach so vielen Grossprojekten und Baustellen durfte Schulpräsidentin Cordula Kaiss dem Publikum ein gefühlsmässig näheres Projekt ans Herz legen: Es geht darum, praktisch begabten Sek-Schülerinnen und -Schülern den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.

Das «Jugendprojekt Lift» ist dabei auf Betriebe angewiesen, die den Jugendlichen so genannte Wochenarbeitsplätze anbieten: An zwei bis drei Stunden pro Woche arbeiten die Teenager in ihrer Freizeit in der Firma mit. Während drei Monaten kann man sich so ohne Zeitdruck gegenseitig kennenlernen, und vielleicht steht am Ende des Engagements sogar ein Lehrvertrag. Die teilnehmenden Betriebe werden von der Schule Meilen eng begleitet; Interessenten konnten sich direkt in eine Liste eintragen.

Zehntausend Zuschauer

Zum Abschluss blieb dem Gemeindepräsidenten der Ausblick auf Meilemer Grossereignisse des kommenden Jahres, allen voran die «grosse Kiste» NOS (Nordostschweizer Schwingfest) direkt vor dem Start der Bauarbeiten in der Dorfstrasse. Auf der Allmend werden 10’000 Zuschauer erwartet. Firmen können sich weiterhin als Sponsor oder Spender von Naturalpreisen melden.

Mit Dankesworten von Nadja Breu, Vizepräsidentin des Handwerks- und Gewerbevereins Meilen (HGM), endete der Gewerbezmorge, und die Gäste wurden in den vermutlich arbeitsreichen und sicher eiskalten Dienstagmorgen entlassen.

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