Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Im Repair Café in Meilen flicken Freiwillige (fast) alles gratis

Ein Toaster mit Wackelkontakt, eine Lieblingsjacke mit kaputtem Reissverschluss oder eine Lampe, die nicht brennt: Was früher oft repariert wurde, landet heute schnell im Abfall. Repair Cafés wollen der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen – mit Werkzeug, Fachwissen und einer grossen Portion Gemeinschaftssinn.

Das Repair Café Meilen arbeitet als Verein unter der Schirmherrschaft der Stiftung für Konsumentenschutz und finanziert sich ausschliesslich aus Spenden. Jedes Jahr flicken die ehrenamtlichen Mitglieder an zwei Tagen pro Monat Hunderte von Gegenständen, so ziemlich alles, ausser Velos und Handys.

Die Idee stammt aus den Niederlanden. Die Journalistin und Nachhaltigkeitsaktivistin Martine Postma organisierte im Oktober 2009 in Amsterdam das erste Repair Café. Heute gibt es mehrere Tausend Repair Cafés in über 40 Ländern, in der Schweiz sind es rund 200. Das Prinzip ist einfach: Freiwillige mit handwerklichem oder technischem Know-how helfen Besucherinnen und Besuchern dabei, defekte Alltagsgegenstände gemeinsam zu reparieren. Vom Elektrogerät über Kleidungsstücke bis hin zu Spielzeug oder Schmuck – vieles erhält so eine zweite Chance. Repair Cafés leisten damit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Sie verlängern die Lebensdauer von Produkten, sparen Ressourcen und vermeiden Abfall. Gleichzeitig schaffen sie Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Berufe.

 

Thomas Weber (71), Vorstandsmitglied

«Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt»

«Ich bin kurz vor der Pensionierung zum Repair Café gestossen. Ich fragte mich damals, wie ich meine Zeit sinnvoll einsetzen könnte. Als leidenschaftlicher Bastler mit ETH-Hintergrund war schnell klar: Hier kann ich mein Wissen weitergeben. Mich begeistert es, kaputte Dinge wieder zum Laufen zu bringen – und gleichzeitig etwas gegen die Wegwerfmentalität zu tun. Vieles landet heute im Abfall, obwohl es sich mit etwas Geduld reparieren liesse.

Besonders spannend finde ich die Detektivarbeit. Häufig gibt es keine Unterlagen mehr, also müssen wir herausfinden, wie ein Gerät funktioniert und wo der Fehler steckt. Das ist manchmal knifflig, aber genau das macht den Reiz aus. Gleichzeitig berühren mich die Geschichten hinter den Gegenständen. Viele Besucher bringen nicht nur Defektes vorbei, sondern Erinnerungen. Wenn wir etwa einen alten Lieblingsföhn oder einen Dia-Projektor wieder zum Leben erwecken können, ist die Freude riesig.

Ich kümmere mich im Verein um die Werbung. Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass es uns gibt. Mein Wunsch ist, dass künftig noch mehr jüngere Leute den Weg ins Repair Café finden. Nachhaltigkeit betrifft schliesslich alle Generationen.

Besonders schätze ich auch unser Team: Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen und Fähigkeiten arbeiten ehrenamtlich zusammen – vereint durch die Freude am Reparieren und am gemeinsamen Engagement.»

 

Silvia Zimmermann (68), Vorstandsmitglied

«Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden»

«Ich engagiere mich im Repair Café, weil ich der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Mir geht es gut, ich habe keine materiellen Sorgen und empfinde es als Privileg, Zeit für andere einsetzen zu können. Im Repair Café habe ich den Ort gefunden, an dem ich mich mit meinen Stärken einbringen kann.

Am Empfang bin ich die erste Anlaufstelle für unsere Besucherinnen und Besucher. Ich sorge dafür, dass jeder zum richtigen Reparateur kommt, erkläre, wie unser Angebot funktioniert, und versuche, auch Wartezeiten angenehm zu gestalten. Wichtig ist uns, dass die Menschen beim Reparieren dabeibleiben und – wenn möglich – selbst mithelfen. Wir sind keine Werkstatt, bei der man etwas abgibt und es Tage später wieder abholt. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden und Wissen weiterzugeben. Besonders schön finde ich die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Viele kenne ich aus Meilen, andere lerne ich erst hier kennen. Fast alle begegnen uns mit grosser Wertschätzung.

Das Repair Café ist für mich ein Treffpunkt, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen. Besonders beeindruckt mich das Engagement unserer Reparateurinnen und Reparateure. Mit viel Geduld, Fachwissen und Herzblut versuchen sie, Dinge zu retten, die sonst im Abfall landen würden.

Reparieren statt wegwerfen ist aktueller denn je. Gleichzeitig hoffe ich, dass das Repair Café weiterhin ein Ort bleibt, an dem Gemeinschaft gelebt wird – unkompliziert, herzlich und mit Freude am gemeinsamen Tun.»

 

Infos und nächste Termine

Das Repair Café öffnet fast jeden Monat am Freitag (14.00 – 17.00 Uhr) und am Samstag (10.00 –
13.00 Uhr) im Treffpunkt Meilen an der Schulhausstrasse 27. Alle Reparaturen sind gratis.

Nach Absprache mit den Besuchern wird allfällig notwendiges Reparaturmaterial weltweit beschafft, die Kosten werden den Besuchern verrechnet. Spenden sind sehr willkommen.

Fr, 28. und Sa, 29. August

Fr, 25. und Sa, 26. September

Fr, 30. und Sa, 31. Oktober

Fr, 27. und Sa, 28. November

www.repair-café.ch

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