Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
AZ Meilen · Bahnhofstrasse 28 · 8706 Meilen · Telefon 044 923 88 33 · info(at)meileneranzeiger.ch

Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Hommage an den Kontrabass

Am Frühlingskonzert des Sinfonie Orchesters Meilen stand ein Instrument im Mittelpunkt, das für Orchester, Jazz und Volksmusik unentbehrlich ist, es aber selten ins Rampenlicht schafft: Am vergangenen Freitagabend wurde dem Kontrabass die verdiente Ehre zuteil.

Ariane Thomann und Dirigent Konradin Herzog. Fotos: zvg

Mit heiterer Musik begrüsste das SOM das Publikum zum Frühlingskonzert in der reformierten Kirche Meilen. Die 1913 entstandene Ouvertüre zur spätromantischen opera buffa «L’amore medico» des deutsch-italienischen Komponisten Ermanno Wolf-Ferrari war der schwungvolle Auftakt zu einem musikalisch abwechslungsreichen Abend.

Auch das Konzert für Kontrabass und Orchester op.3 des russischen Komponisten Sergej Alexandrowitsch Koussevitzky aus dem Jahr 1902 steht noch ganz in der Tradition der Spätromantik des vorhergehenden Jahrhunderts.

Ein Ohrenschmaus

Die 21-jährige Solistin Ariane Thomann kennt und liebt das Konzert seit ihrer Kindheit: «Es ist ein Wegbegleiter in jeder Phase meines Lebens.» An diesem Abend spielte sie es zum ersten Mal mit Orchester. Markante Hornstösse kündeten den Einsatz des Solo-Kontrabasses an, dessen warmer, ausdrucksvoller Ton die Zuhörerinnen und Zuhörer unmittelbar in seinen Bann schlug. Geschmeidig gestaltete Ariane Thomann die lyrischen Melodiebögen und makellos meisterte sie die hochvirtuosen Passagen. Das Zusammenspiel zwischen Solistin und Orchester war ein wahrer Ohrenschmaus, auch wenn die Solostimme aufgrund der tiefen Lage des Instruments gelegentlich im üppigen orchestralen Klangkörper verschwand.

In der vom Publikum stürmisch geforderten Zugabe, «Motivy» des bulgarischen Komponisten Emil Tabakov, zeigte sich Ariane Thomann nochmals als grosse Virtuosin und differenzierte Interpretin.

Romantischer Wohlklang

Igor Strawinskys Divertimento «Le baiser de la fée» führte das Publikum in die klassische Moderne. Die Komposition basiert auf der Musik des gleichnamigen Balletts von1928 und ist von starker Rhythmik, dissonanten Orchesterfarben, aber auch Tänzerischem geprägt. In den «Danses suisses» vermochte das geneigte Ohr allerhand helvetische Folklore auszumachen.

Mit Bravour bewältigte das Orchester die komplexen rhythmischen Anforderungen, und die Holzbläser, ganz besonders die erste Flöte, beeindruckten mit präziser Intonation und kantablen Soli. Romantischer Wohlklang war auch in diesem Werk zu hören: Im Adagio musizierten Cello, Klarinette und Harfe in beseeltem, melodischem Austausch.

Überraschung in bester Spiellaune

Im «Finale mit Überraschung» wurde noch einmal dem Kontrabass gehuldigt, und zwar mit einer Schweizer Erstaufführung. «Der übermütige Bassist» von Toni Leutwiler entstand 1956 als Auftragswerk des Südwestfunks Baden-Baden. Der Komponist, Arrangeur und Dirigent war primär in der gehobenen Unterhaltungsmusik tätig,

Durchaus übermütig gab Ariane Thomann den Takt zum feurigen Cha-Cha-Cha vor, der in filmreifen 50er-Jahre-Sound überging, vom Orchester in blendender Spiellaune dargeboten wurde und sogar zu einem Tänzchen auf dem Dirigentenpodest führte.

teilen
teilen
teilen
XING
WhatsApp

Weitere aktuelle Artikel in der Kategorie Kultur / Politik

Weiterlesen
Weiterlesen
Weiterlesen