Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Heimatbuch-Forum zum Schwerpunktthema Verkehr

Im Anschluss an die Generalversammlung der Vereinigung Heimatbuch findet traditionell das Heimatbuch-Forum statt. Auf der Bühne des Löwen-Saals diskutieren verschiedene Persönlichkeiten über das Thema Verkehr, welches auch im kommenden Buch den Schwerpunkt bildet.

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Die Traktanden der Generalversammlung waren schnell und ohne grosse Diskussionen abgehakt. In einem Ausblick präsentierte Heimatbuch-Redaktor Hansruedi Galliker auch, was für das im November erscheinende Buch alles geplant ist. Es sind Texte zum Schwerpunktthema «Rundum Verkehr», kombiniert mit Themen, die das Dorf bewegen. Ein Text über «Dorfkater» Leo findet genauso Platz wie ein Porträt von Dirigent Kemal Akçağ oder der Künstlerin Maria Mathis und viele weitere Beiträge.

Über das Hauptthema unterhielten sich gestern vor einer Woche am Forum Johanna Gerdes, Projektleiterin Gesamtverkehrsplanung beim Amt für Mobilität des Kanton Zürichs; Heini Bossert, Bauingenieur und Gemeinderat; Michel Gatti, ehemaliger Gemeindeingenieur; die Meilemerin Beatrice Neururer und die beiden Schülerinnen Alina und Luca Sue meist je einzeln mit Hansruedi Galliker.

Golfplatz- und Tunnel-Pläne

Heute erinnert sich kaum noch jemand daran, welche Bauvorhaben im Bereich Verkehr einst nicht genehmigt wurden. Genau über solche Projekte sprach Michel Gatti und erzählte beispielsweise, was ursprünglich zur Erschliessung der Alusuisse im Bereich Rainstrasse-Rebbergstrasse geplant war, nämlich eine siebeneinhalb Meter breite Strasse. «Sie hätte das Landschaftsbild und den Verkehr in Meilen merklich verändert», sagte er. Immer wieder habe es auch Projekte für eine Untertunnelung der Seestrasse gegeben. Sowohl ein Projekt von 1977, welches dank einer Unterführung ab Höhe Kirche einen autofreien Platz zwischen dem Restaurant Löwen und dem See vorsah, wie auch ein Projekt von 1986, ein Umfahrungstunnel ab Kibag bis zur Badi Meilen, scheiterten. Bei letzterem lehnte die Gemeindeversammlung den Projektierungskredit ab, nicht zuletzt deshalb, weil es damals noch an einem Verkehrskonzept fehlte.

Ebenfalls erinnerte Michel Gatti an das Projekt einer privaten Golf AG, welche um die Jahrtausendwende einen riesigen Golfplatz oberhalb von Meilen erbauen wollte. Besonders die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil (ZPP) sei damals vehement gegen das Projekt gewesen, weil es an einer landschaftlich empfindlichen Lage geplant war und die Biodiversität gelitten hätte. Es scheiterte, weil die Chancen auf eine Bewilligung als sehr gering eingeschätzt wurden.

Einbezug der Bevölkerung

Gemeinderat Heini Bossert merkte an, dass Verkehrsplanung immer schwierig ist, weil die Folgen sorgfältig abgewogen werden müssen. «Ein Projekt wie der Tunnel unter der Seestrasse weckt ein romantisches Bild mit dem autofreien Platz zwischen Löwen und See.» Auf lange Sicht hätte das Projekt aber nicht funktioniert, sagte er. Für eine erfolgreiche Verkehrsplanung sei dem Gemeinderat der Einbezug der Bevölkerung wichtig. Der beschränkte Platz verlange eine Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr, also Velos, Fussgänger etc. «Das wollen wir nicht mit Verboten oder Vorschriften erreichen, sondern, indem wir die Alternativen attraktiver machen», erklärte Bossert.

Beatrice Neururer, die seit 50 Jahren in Meilen lebt und die Verkehrsentwicklung hautnah miterlebt hat, wünscht sich, dass bei der Verkehrsplanung an alle Wachten gedacht wird. «Ich wünschte mir zudem, dass Meilen nicht noch viel grösser wird, damit es seinen Dorfcharakter nicht verliert. Durch eine gute Verkehrsplanung bleibt das Dorf lebendig und die Menschen vernetzt», sagte sie.

Zu Fuss auf dem Schulweg oder mit dem Velo, mit dem Trotti, mit Bus oder Zug sind die beiden Schülerinnen Alina und Luca Sue unterwegs. Sie schätzen ihren schönen Schulweg, auch wenn er fürs Velo fast zu steil ist. Das Thema Verkehr behandeln sie auch in der Schule: «Jedes Jahr kommt ein Verkehrspolizist zu uns, und in der 5. Klasse absolvieren wir die Veloprüfung», sagte Luca Sue. «Leider werden wir auf dem Schulweg so selten gegrüsst. Wir laufen immer in einem kleinen Grüppli und sind sehr fröhlich unterwegs und grüssen die Menschen, die uns begegnen. Oft bekommen wir aber keine Antwort oder das Gegenüber ist total erstaunt. Ich wünschte mir, Grüezi zu sagen würde wieder normal werden», sagte Alina.

Realistisch bleiben ist notwendig

Mit der Verkehrsplanung und der Mobilität rund um den Pfannenstiel setzt sich Johanna Gerdes intensiv auseinander. Sie lebt selber in Feldmeilen und war bei ihrem Umzug aus dem Norden Deutschlands erstaunt, wie gut die öV-Anbindungen in der Schweiz sind, insbesondere auch in Meilen. «Meine Arbeit ist sehr strategisch. Ich erstelle Konzepte und Agglomerationsprogramme für die Region Pfannenstiel. Wir arbeiten dabei eng mit der Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil zusammen», erklärte sie. Wichtig bei ihrer Arbeit sei es, gesamtverkehrlich zu denken: Natürlich müssten Fuss- und Velowege sowie der öV ausgebaut werden, man müsse aber bei der Planung realistisch sein und auch an den motorisierten Individualverkehr denken.

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