Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Grossbaustellen und Gipfeli

Jeweils Anfang Jahr lädt der Gemeinderat alle Meilemer Arbeitgeber zum «Gewerbezmorge» ein und tischt ihnen neben einem Frühstück die neusten Polit-Infos auf.

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Fast 90 Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Selbständige und Gewerbler fanden sich am Dienstag pünktlich um halb acht im Löwen-Saal ein, wo schon die gedeckten Tische warteten und Kaffee eingeschenkt wurde. Das bedeutet Teilnehmerrekord. Offenbar stösst der «Zmorge» auf zunehmendes Interesse: Arbeitgeber, die ihren Wohnsitz nicht in der Gemeinde haben, kommen hier zu einer Tour d’horizon durch die Themen, die Meilen beschäftigen, und auch einheimische Gewerbler erfahren Neues. Dazu kommen das Sehen und Gesehenwerden, Glückwünsche fürs neue Jahr und vielleicht das eine oder andere Wort mit dem vollzählig anwesenden Gemeinderat.

Neue Bau- und Zonenordnung zeigt Wirkung

An diesem 10. Januar 2023 ging es, wie schon vor einem Jahr, vor allem ums Thema Baustellen und Bauprojekte – solche auf öffentlichem Boden und Grossprojekte von privaten Investoren. Dass nun die am 1. April 2022 vollständig in Kraft getretene neue Bau- und Zonenordnung ihre Wirkung entfaltet, ist spürbar.

Zum Einstieg servierte Gemeindepräsident Christoph Hiller aber zunächst einen Rückblick auf Anlässe des Jahres 2022 in Bildern und mit einem schön gemachten Imagefilm, der Meilen als Oase der Lebensfreude zeigt, mit Flugaufnahmen von Feldern und Einblicken in den Alltag an der Goldküste, von Guetzlifabrik über Chilbi, von Schulzimmer bis zur Arbeit im Rebberg und Joggen im Dorfbachtobel.

Sanierung der Dorfstrasse ab Juli 2024 geplant

Nach einem kleinen Streifzug durch die Legislaturziele 2022-2026 folgte der erste handfeste Infoblock: Gemeinderat Alain Chervet, im Gremium neu für den Tiefbau zuständig, präsentierte die abgeschlossenen, aktuellen und geplanten Projekte auf Meilens Verkehrsnetz. So erläuterte er etwa die Herausforderungen beim Bau des Fernwärmeversorgungsnetzes von energie 360°. Ab Mitte Januar ist der obere Teil der Burgstrasse auf einer Spur gesperrt, ebenfalls die Bruechstrasse auf Höhe Delica. Die nochmals erforderliche, finale Vollsperrung der Burgstrasse konnte vom Winter auf die Zeit ab Ostern verschoben werden und wird von den bekannten Massnahmen wie dem Bus-Ersatzbetrieb begleitet.

In Planung befindet sich ein noch grösserer «Hosenlupf», nämlich die Sanierung der Dorfstrasse. Aller Voraussicht nach wird sie ab Juli nächsten Jahres in fünf Etappen durchgeführt. «Wir sind an einem Runden Tisch auch mit den Gewerblern im Gespräch», sagte Alain Chervet. Deren Hauptsorge sind die Kundenparkplätze, für die es Ersatz geben soll im Parkhaus Dorfplatz, genauso wie für die Anwohnerparkplätze. Sogar die Idee von «Einkaufstrolleys» wird diskutiert: die Leih-Gefährte mit extra grossen Reifen sollen in Depots zur Verfügung stehen. «Der Primeur für den Gewerbezmorge 2024 ist jedenfalls schon absehbar», sagte Chervet in Anspielung auf das Grossprojekt.

Ebenfalls in der Planungsphase: Die Entwicklung des Areals Bahnhof Feldmeilen, konkret befinde man sich mit den SBB in Kontakt betreffend der geplanten Zusammenlegung der «oberen» und «unteren» General-Wille-Strasse. Auch der Doppelspurausbau zwischen Herrliberg-Feldmeilen und Meilen wird vorangetrieben.

Der Gemeinde gehören 100 Liegenschaften

An Stelle der im November verstorbenen Gemeinderätin Irene Ritz präsentierte Hochbauvorstand Heini Bossert die Situation im Ressort Liegenschaften unter der Prämisse «wenig Spektakuläres». Tatsächlich ist die Betreuung des gemeindeeigenen Portfolios von über 100 Liegenschaften auch ohne Spektakel aufwändig genug, wie er an einigen Beispielen zeigte. So müssen zum Beispiel die Schulhäuser Feldmeilen und Allmend erweitert bzw. instandgesetzt werden, auch der Kindergarten Just soll wachsen und bei diversen Liegenschaften wie Pumpwerk Horn, Areal Kibag, Ortsmuseum oder einem Mehrfamilienhaus an der Seestrasse 358 besteht Erneuerungs- oder Umnutzungsbedarf.

Markthalle, Stelzen, Beugenhof und Innovationsmeile

Vier grosse, je unterschiedlich weit fortgeschrittene Bauvorhaben beanspruchten schliesslich den grössten Teil des Morgens: Das Projekt Stelzenstrasse neben der katholischen Kirche, die Innovationsmeile auf dem Gelände der ehemaligen Getränke AG in Obermeilen, die Markthalle am Dorfplatz und der Beugenhof auf dem Areal Schneider an der Seestrasse zwischen Dorf- und Obermeilen.

Bei der Stelzenstrasse ist man nach dem Spatenstich vom 22. November 2022 so weit auf Kurs, dass Gewomag-Vizepräsident Peter Jenny bereits die entstehenden Gewerbeflächen anpreisen konnte: Interessenten können sich melden und als Erstbezüger bewerben. Insgesamt werden 700 m2 Gewerbefläche zur Verfügung stehen, wobei die Mietzinse inklusive Nebenkosten Fr. 250.- bis 300.- pro m2 (im «Edelrohbau») betragen.

Die 32 Wohnungen im Segment kostengünstiger Wohnungsbau kommen hingegen erst im Frühling 2024 auf den Markt. Die Gemeinde Meilen ist die Mehrheitsaktionärin der Gewomag (Gemeinnützige Wohnbau Meilen AG) und verfügt auch über Wohnräume in der Siedlung Ländischstrasse und neu in der Feldmeilemer Siedlung im Tobel, die im September 2022 erworben werden konnte und 36 Wohnungen umfasst, alle sind vermietet.

Grosse Pläne für Obermeilen

Vom Spatenstich noch mindestens zwei Jahre entfernt ist die «Innovationsmeile» Obermeilen, vorgestellt von zwei Vertretern des Investors Realstone SA, der das rund 12’000 m2 grosse ehemalige Areal der Schweizer Getränke AG vor gut einem Jahr im Auftrag des Immobilienfonds Realstone RSF gekauft hat. Die beiden zeigten den Gewerblern dieselben Visualisierungen, die im August 2020 bereits vom Bauentwickler Steiner AG präsentiert wurden. Der anstehende Gestaltungsplan basiert denn auch auf dem ursprünglichen Projekt von Deon AG Architekten, Luzern.

Geplant ist nichts weniger als ein zukunftsträchtiges Gewerbezentrum mit repräsentativer Architektur als Bereicherung für den ganzen Ortsteil Obermeilen samt Begegnungszone, in welche auch die Veloroute 66 integriert werden soll. Vorgesehen sind 54 Wohnungen auf total 4500 m2 sowie 8400 m2 Gewerbe- und Arbeitsflächen in nachhaltiger Bauweise, «am liebsten lokales Gewerbe in Form von innovativen Retailern und Dienstleistern».

Als Zwischennutzung kommt «Das Zelt»

Nach so viel Zukunftsmusik war es Zeit für eine kurze Pause, um die Kaffeetassen und den Gipfelikorb aufzufüllen. Anschliessend präsentierte Dieter Jenny von der Verit Liegenschaften und Beteiligungen AG das Projekt Markthalle.

Nach der Grundsteinlegung vom Juni 2022 haben Ende November die Hochbauarbeiten begonnen. Aktuell ist man wegen Problemen mit der Bewilligung der Kanalisation rund vier Wochen in Verzug. Gemeindepräsident Hiller wies auf die verlängerte Freitreppe hin, die das fertige neue Gebäude mit dem Dorfplatz verbinden wird und freute sich auf das zusätzliche neue Leben im Zentrum, generiert von den Hauptmietern Denner und Alnatura. Geplant ist die Vollendung des Baus mit Bezug der Wohnungen im Obergeschoss auf Ende April 2024.

Ebenfalls gebaut wird bald auf dem Areal Beugen der Schneider Umweltservice AG. «Das ehemalige Wohnhaus ist bereits nicht mehr da, und nächste Woche wird die Scheue abgebrochen», sagte Inhaber René Schneider. Im Frühling verschwinden auch die Hallen. Auf dem leeren Grundstück wird als spezielle Zwischennutzung für eine Woche «Das Zelt» aufgestellt, wo kulturelle Veranstaltungen stattfinden – und, unter anderem, auch die Generalversammlung der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG.

René Schneider zeigte neue Visualisierungen der drei entstehenden Gebäude, die sich über einer zweistöckigen Tiefgarage um einen grünen Innenhof gruppieren und Publikumsmagnete wie etwa einen SportXX und ein activ-Fitnesscenter beherbergen, dazu kommen ein ambulantes Zentrum des Spitals Männedorf und weitere Nutzungen im Medizinbereich. Einige Gewerbeflächen in den oberen Stockwerken sind für Fr. 300.- bis 350.- pro m2 exklusive Nebenkosten noch frei. Insgesamt ein Viertel der Fläche umfasst Wohnungen, die sich in den oberen ein bis zwei Stockwerken der drei Gebäude befinden.

Auch hier: «Wir bauen möglichst nachhaltig oder ‘enkeltauglich’», so René Schneider, «mit Photovoltaik, Seewassernutzung und volumenmässig möglichst wenig Beton.» Der Innenhof werde mit tiefwurzelnden, also grossen Bäumen bestückt werden. Das habe man bewusst so geplant, obwohl die Tiefgarage für die Anlieferung und 230 Autos direkt darunter liegt und dadurch Parkplätze wegfallen. Auch der Bach im Osten wird aufgewertet: insgesamt ist «viel Grün» vorgesehen.

«Viele grosse Projekte sind auf gutem Weg», fasste Gemeindepräsident Hiller zusammen und lobte die Nachbarschaft: Stelzen, Beugen und Markthalle seien «nicht gross angegriffen» worden. Das spreche aber auch für die jeweilige Bauherrschaft und die planenden Architekten.

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