Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Am 6. März präsentiert das Sinfonie Orchester Meilen ein kontrastreiches Programm mit romantischen Melodien, jazzigen Rhythmen und einem jungen Saxophonisten im Mittelpunkt.
Die Rhapsodie für Altsaxophon und Orchester von Claude Debussy (1857 – 1918) war das Auftragswerk einer wohlhabenden amerikanischen Amateursaxophonistin. Trotz üppigem Honorar kam die Arbeit nur schleppend voran, und von der Komposition existierte nach Debussys Tod keine vollständige Partitur.
Ein befreundeter Komponist erstellte sowohl eine Fassung mit Klavier wie auch eine mit Orchester, und die Uraufführung fand 1919 statt – zu spät für die inzwischen ertaubte Auftraggeberin.
Lange im Konzertbetrieb vernachlässigt, gehört die Rhapsodie heute zum Standardrepertoire für Saxophon. Dem16-jährigen Solisten Flaviano Alder hat es vor allem die «Klangatmosphäre» angetan: «Es ist ein aussergewöhnlich farbenreiches Werk. Obwohl Debussy vom Saxophon nicht begeistert war, brachte er das Instrument im Hinblick auf Dynamik und Ausdrucksweise an seine Grenzen.»
«Sentimental-schwärmerische Jugend-Eselei»
Gustav Mahler (1860 – 1911) wollte von seinem 1884 entstandenen «Blumine» in späteren Jahren nichts mehr wissen. Komponiert wurde das Andante als Bühnenmusik für das Schauspiel «Der Trompeter von Säckingen». Vier Jahre später nannte er das Ständchen des Trompeters an seine Angebetete eine «sentimental-schwärmerische Jugend-Eselei». Erst 1967 wurde das spätromantische Werk wieder aufgeführt und erfreut seither die Zuhörer mit seiner melodischen Eingängigkeit.
Zu den Werken, die den Jazz in der Kunstmusik salonfähig machten, gehört die 1928 entstandene «Hot Sonate» für Saxophon und Klavier. Der 1894 in Prag geborene Komponist und Pianist Erwin Schulhoff ist heute fast vergessen, obwohl er eine Pionierrolle in der Geschichte der modernen Musik einnimmt.
Mit ausgedehnten Konzertreisen in den 1920er- und 1930er-Jahren spielte er international eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der damaligen Avantgarde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Aufführung seiner Werke in Deutschland verboten, als Jude und Schöpfer «entarteter Kunst» war Schulhoff doppelt stigmatisiert. Ab 1939 lebte er unter anderem Namen als Jazzpianist in der Tschechoslowakei. Zwei Jahre später wurde Schulhoff in der Festung Weissenburg oberhalb Würzburg interniert, wo er 1942 an Tuberkulose starb.
Klassische Strukturen mit jazzigen Elementen
Die «Hot Sonate» erklingt in einer Bearbeitung für Orchester. Der Solist Flaviano Alder, Gewinner etlicher erster Preise, hat auch dieses Werk an Wettbewerben vorgespielt und für das Programm vorgeschlagen: «Mir gefällt, wie es klassische Strukturen mit jazzigen Elementen verbindet. Es hat eine Frechheit und Leichtigkeit, verlangt aber hohe rhythmische Präzision und sehr klare und genaue Artikulation.»
Dürften diese vorgestellten Kompositionen unter die Kategorie «spannende Neuentdeckungen» fallen, gehören die Melodien der 1957 uraufgeführten «West Side Story» von Leonard Bernstein zum kulturellen Allgemeingut. Die Übertragung der Tragödie um Romeo und Julia in das New York der 1950er-Jahre mit rivalisierenden Jugendgangs, rassistischer Polizei und zerplatzten Jugendträumen ist ein Werk für die Ewigkeit. Im Konzert erklingt eine Auswahl der Stücke in der Bearbeitung für Orchester.
Nach dem Konzert in Meilen wird das Publikum um einen Beitrag in die Kollekte gebeten.
Das Konzert in Egg wird vom Konzertzirkel Egg veranstaltet; Karten zu 25 Franken sind am Konzerttag ab 16.15 Uhr in der Kirche erhältlich.
Frühlingskonzerte SOM, Freitag, 6. März, 19.30 Uhr reformierte Kirche Meilen und Sonntag, 8. März, 17.00 Uhr reformierte Kirche Egg.