Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Am 8. März werden die Gemeindebehörden für die Legislatur 2026 bis 2030 gewählt. Am letzten Montag stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten an einem von den Parteien organisierten Wahlpodium im Löwen-Saal vor.
Während die Sozialbehörde, die Bürgerrechtsbehörde und die Schulpflege nicht umkämpft sind – es stellen sich genau so viele Kandierende zur Verfügung, wie es Plätze gibt –, sind die Meilemer in der komfortablen Situation, beim Gemeinderat auswählen zu können: Für die acht zu besetzenden Sitze (der neunte gehört der Schulpräsidentin oder dem Schulpräsidenten) gibt es elf Kandidatinnen und Kandidaten. Fünf davon sind Bisherige.
Am Montag konnte man die Personen hinter den Namen erleben. Nacheinander stellten sich auf der Löwen-Bühne als erstes die Kandidierenden für die Sozialbehörde, die Bürgerrechtsbehörde und die Schulpflege (letztere inklusive Präsidium) mit einem kurzen «Werbespot» von maximal einer Minute Dauer vor. Weil es bei diesen Behörden keine Kampfwahlen gibt, wurde auf eine vertiefende Fragerunde verzichtet.
Drei wollen das RPK-Präsidium
Stattdessen erhielten die Kandidaten für die Rechnungsprüfungskommission (RPK) mehr Zeit zugestanden, denn hier möchten gleich drei der sieben Männer das Präsidium übernehmen: Hansueli Arnold, Mathias Ehrismann (beide bisher) und Georg Spycher (neu) bewerben sich darum.
Als erster stellte sich indes Beat Birkenmeier vor (Die Mitte). Er sei überzeugt davon, dass man sich in der Gemeinde engagieren müsse. Der ETH-Ingenieur ist selber in diversen Sportvereinen und in der katholischen Kirche aktiv und möchte sich nun auch in der RPK einbringen. Der Gemeinde mit seinem Einsatz etwas zurückgeben möchte neu auch Dan Dvořák (FDP).
Ebenfalls neu stellt sich Georg Spycher zur Verfügung (FDP). «Man darf von der Gemeinde nicht nur viel verlangen, sondern man sollte auch etwas für sie tun», ist er überzeugt. Sein Wissen und seine Erfahrung in Verwaltungsprozessen, die er in seinem beruflichen Alltag regelmässig sammelt, möchte er als RPK-Präsident auch in die Gemeinde tragen.
Seit vier Jahren in der Behörde ist Mathias Ehrismann (GLP). Er schätzt die spannende und interessante Arbeit und die guten Diskussionen, die über Parteigrenzen hinaus in der RPK geführt würden: «Ich habe viel Neues gelernt, und dieses Wissen möchte ich jetzt auch als Präsident einbringen.»
Bereit für mehr Verantwortung und das Präsidium ist auch Hansueli Arnold (SVP). Als RPK-Mitglied der letzten vier Jahre konnte er viele Erfahrungen sammeln und sich Wissen aneignen.
Matthias Hodel (FDP) stellt sich zur Wiederwahl, war wegen einer Geschäftsreise aber nicht am Wahlpodium anwesend.
Das Ziel aller Kandidaten sind gesunde Gemeindefinanzen. Für Hansueli Arnold ist wichtig, dass sich das neue Gremium schnell findet und dass er den neuen Mitgliedern den Einstieg in die Arbeit erleichtern kann. Grosse kreative Freiheiten habe man in der Behörde nicht, «genau hinschauen, die richtigen Fragen stellen und fundierte Entscheidungen treffen, das ist unsere Aufgabe, und darauf möchte ich mich konzentrieren», sagt er. Dass Meilen die Finanzen ökonomisch und ökologisch sinnvoll einsetzt, ist Mathias Ehrismann wichtig. Die finanziellen Mittel seien schliesslich nicht unendlich. «Die RPK ist das finanzielle Gewissen der Gemeinde – jetzt und für die Zukunft», sagte er. Georg Spycher sagte, die RPK solle Partner des Gemeinderats sein. «Auf der einen Seite muss die RPK den formellen Teil sicherstellen, auf der anderen Seite aber auch dem Gemeinderat als beratendes Organ zur Verfügung stehen.»
Vom Bauer mit den Pferden bis zum Hüttenwart
Der Gemeinderat Meilen besteht aus neun Mitgliedern, wobei ein Sitz der Schulpräsidentin gehört, die gemeinsam mit der Schulpflege gewählt wird. Cordula Kaiss ist die einzige Kandidierende für dieses Amt. Sie sagte, dass ihr eine gute Schule sehr am Herzen liege, dass sie den Job als Schulpräsidentin und Gemeinderätin sehr gerne ausübe, und dass sie sich deshalb voller Überzeugung für eine weitere Legislatur zur Verfügung stelle.
Für die acht verbleibenden Sitze stellen sich erfreulicherweise elf Kandidierende zur Wahl – in Meilen ist es ganz offensichtlich nicht so, dass niemand in den Gemeinderat will.
«Ich bin der Bauer mit den Pferden aus Bergmeilen, bin sehr engagiert in diversen Vereinen und Institutionen, bin und darf seit drei Jahren für Ihre Liegenschaften zuständig sein und hoffe, dass ich das auch weiterhin darf. Ich bin Peter Bösch», startete Peter «Pepe» Bösch (SVP, bisher) die Vorstellungsrunde der Gemeinderatskandidierenden kurz und prägnant.
Mit zwölf Jahren Erfahrung auf kommunaler und kantonaler politischer Ebene möchte Qëndresa Sadriu (SP, neu) von sich überzeugen. Sie ist aktiv im Quartierverein Dorf und im Frauenverein, das Vereinsleben liege ihr am Herzen, weil dort das Dorf zusammenkomme und Ideen entstünden.
Der «Hüttenwart» des Abends, Löwen-Wirt Marcel Bussmann (parteiloser Kandidat des Handwerks- und Gewerbevereins HGM) war zwölf Jahre HGM-Präsident und weiss deshalb genau, wo dem Gewerbe der Schuh drückt. Er möchte sich als Bisheriger weiterhin «für das Meilemer Gewerbe einsetzen und die spannende Arbeit als Sicherheitsvorstand weiterführen mit einer tollen Mannschaft von Milizlern und Festangestellten, ohne die in Meilen einiges fehlen würde».
Neu möchte Claudia Jung (FDP) in den Gemeinderat, weil ihr Meilen sehr am Herzen liege. Sie möchte sich dafür einsetzen, dass die hohe Lebensqualität der Gemeinde bestehen bleibt. «Dazu gehören für mich als Basis gesunde Finanzen und was man damit ermöglichen kann, so etwa ein qualitativ hochstehendes Schul- und Bildungswesen für unsere Jugend.» Als Anwältin und Juristin im Finanzwesen bringe sie dafür das fachliche Rüstzeug mit.
Als Ur-Meilemer, er ist hier geboren und aufgewachsen, sieht sich auch Andreas Knöpfel (SVP, neu) den Aufgaben eines Meilemer Gemeinderates gewachsen. Er hat über 30 Jahre Berufserfahrung als Rechtschef in international tätigen Unternehmen und sagt, dass er seiner Heimatgemeinde etwas zurückgeben wolle. «Ich bin dank meiner beruflichen Tätigkeit trainiert auf Effektivität und Effizienz, das braucht es auch in einer Gemeinde in der Grösse von Meilen», ist er überzeugt.
Ein weiterer Ur-Meilemer ist der Bisherige Alain Chervet (FDP), der sich seit vielen Jahren in diversen Vereinen und Institutionen engagiert: «Ich gestalte gerne, bewege gerne etwas, und das ist auch meine Motivation und das innere Feuer, das mich antreibt, mich auch in Zukunft dafür einzusetzen, dass wir gewohnte Abläufe regelmässig hinterfragen und versuchen, sie noch besser, effizienter und nachhaltiger zu machen, um noch mehr für Meilen herauszuholen.»
Für die Grünliberalen kandidiert Lea Lutz-Knobel (neu). Sie ist Vizepräsidentin der GLP Meilen, sitzt im OK des Erntedankfestes und ist seit vier Jahren Präsidentin des Elternforums Obermeilen. «Jetzt ist für mich genau der richtige Zeitpunkt, mein Engagement für Meilen und die Meilemer Bevölkerung noch zu verstärken. Ich möchte mich im Gemeinderat dafür einbringen, dass wir unsere Infrastruktur dem Bevölkerungswachstum anpassen und dass die öffentlichen Orte familienfreundlich und ökologisch aufgewertet werden.»
Bauingenieur Martin Pola (FDP, neu) ist seit 16 Jahren Mitglied der Baukommission. Nun möchte er sich sich für die Bewirtschaftung und Weiterentwicklung der Liegenschaften und Infrastrukturen in der Gemeinde Meilen einsetzen. Mit dem Rücktritt von Heini Bossert gehe Kompetenz im Gemeinderat verloren. Um diese Lücke zu schliessen, «kann ich viel von meiner Erfahrung und von meinem Wissen einbringen und einen wichtigen Beitrag leisten», sagte er.
Seit rund drei Jahren ist Anita Gilomen (parteilos, neu) im Quartierverein Dorfmeilen tätig und mittlerweile Co-Präsidentin des Vereins. «Als Parteilose habe ich eine Stimme für euch, ein offenes Ohr für euch und kann situativ auf Situationen eingehen», sagte sie. Sie habe zudem ein grosses Talent, verschiedene Meinungen unter ein Dach zu bringen und gute Lösungen für alle zu finden, ist sie überzeugt.
Marzena Kopp (Die Mitte) hat sich schon früh angefangen, sich für Meilen zu engagieren, sei es im Elternforum oder als Fussballtrainerin. Politisch aktiv ist sie seit bald zwölf Jahren. Bevor sie 2022 in den Gemeinderat gewählt wurde und in den Kantonsrat nachrückte, war sie acht Jahre Mitglied der Schulpflege. Sie möchte gerne die Projekte, die sie als Ressortvorsteherin Gesellschaft mitgestalten durfte, fortsetzen.
Zur Wiederwahl in «das schönste Amt im schweizerischen Politsystem, nämlich das Gemeindepräsidium», stellt sich Christoph Hiller (FDP). Es sei eine bürgernahe, sehr handfeste und gestalterische Position. Dieses Amt in Meilen auszuüben, sei ein Privileg. Auch wenn es aufwändig sei – pro Jahr investiere man dafür etwa 1200 Stunden – stelle er sich voller Motivation für weitere vier Jahre zur Verfügung.
Diskussion um Bodenpreise und Zusammenleben
In drei Gruppen mit je einer Frage pro Gruppe wurde anschliessend zu drei Themen diskutiert: die grössten Herausforderungen für Meilen, die Wohnraumproblematik und die Förderung des Zusammenlebens.
Zu den grössten Herausforderungen zählt Christoph Hiller das Bevölkerungswachstum. Demnächst sei die 15‘000-Einwohner-Marke geknackt. Trotzdem wolle Meilen ein Dorf bleiben und seinen Dorfcharakter erhalten. «Dazu braucht es von allen ein Mitmachen in dieser Dorfgemeinschaft», sagt er. Auch die Anforderungen an die Infrastruktur nehmen zu, da müsse sinnvoll und nachhaltig geplant werden. Marzena Kopp sagte, man müsse auch achtsam mit den Ressourcen umgehen und dem lokalen Gewerbe Sorge tragen, indem Gewerberäumlichkeiten bezahlbar und zugänglich bleiben. «Der Platz wird immer knapper, der Dichtestress grösser, das sind Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen», sagte auch Anita Gilomen. Weil der Wohnraum immer teurer werde, sei eine durchmischte Gesellschaft immer mehr in Gefahr. «Diese müssen wir aber unbedingt bewahren», wünschte sich Martin Pola.
Die Bodenpeise würden eine Durchmischung allerdings stark erschweren, gab Peter Bösch zu bedenken. Er sei überzeugt, dass Baugenossenschaften ein wichtiges und sinnvolles Mittel für bezahlbaren Wohnraum seien, diese sollte man fördern und unterstützen. Man müsse dem teuren Boden Sorge tragen und wenn möglich weitere Genossenschaftswohnungen zur Kostenmiete anbieten, fordert Qëndresa Sadriu.
In den eigenen Liegenschaften habe es die Gemeinde in der Hand, Wohnungen kostengünstig an die Milizler und Angestellten zu vermieten, die einen Teil zum Dorfleben beitragen. «So fördert man die Durchmischung, und engagierte Menschen können in der Gemeinde wohnen bleiben», ist Marcel Bussmann überzeugt und nennt den Neubau bei der Feuerwehr, in dem Wohnungen für die Mitarbeitenden entstanden,als gutes Beispiel.
Intelligent zu verdichten, dabei Grünzonen zu erhalten und qualitativ gut zu bauen sind für Claudia Jung Lösungsansätze. Für sie ist nicht nur die Durchmischung der Einkommensschichten, sondern auch der Altersgruppen und Lebensphasen wichtig. «Die Siedlung Burkwil geht da mit gutem Beispiel voran. Solche Projekte gilt es zu fördern», sagte sie.
Die Gemeinde mache schon sehr viel für ein gutes Zusammenleben. «Das Wichtigste sind die entsprechenden Rahmenbedingungen, die weiterhin aufrecht erhalten werden müssen. Ein gutes Zusammenleben könne nur gewährleistet werden, wenn für alle Altergrupen ansprechende Angebote vorhanden seien, sagte Andreas Knöpfel.
Meilen habe viele Vereine, schulergänzende Einrichtungen und viele engagierte Freiwillige, die zu einem guten Zusammenleben beitragen. «Diese gilt es zu fördern und zu unterstützen, das funktioniert in Meilen schon sehr gut», sagte Alain Chervet.
Nur wenn man sich gut vertreten fühle, sei man auch bereit, sich freiwillig zu engagieren, sagte Lea Lutz-Knobel. Deshalb sei es wichtig, am 8. März einen Gemeinderat zu wählen, der unsere Gesellschaft repräsentiere, und in dem junge und ältere Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Familienmodellen aus verschiedenen politischen Richtungen vertreten sind. «Wenn der Gemeinderat zusätzlich ein offenes Ohr für die Bevölkerung hat und mit ihr im Dialog steht, steht einem guten Zusammenleben nichts mehr im Weg.»
Beim anschliessenden Apéro standen alle Kandidierenden für Fragen zur Verfügung.