Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Am Mittwoch, 21. Januar macht das Reisetheater wieder Halt in Meilen. Gezeigt wird eine Geschichte über das Erwachsenwerden und seine Tücken.
Die gefühlvolle und turbulente Geschichte der Gebrüder Grimm von der Prinzessin und dem Frosch ist als Dialektmärchen auf der Bühne zu sehen und sorgt für kurzweilige Momente für die ganze Familie.
Die Textfassung stammt vom Reisetheater-Gründer Jörg Christen. Sie ist gewürzt mit viel Humor und einem Gespür für eine kinder- und bühnengerechte Umsetzung. Fabio Romano ist verantwortlich für die Inszenierung. Die passende Musik von Monika Romer und die farbenfrohe Bühnenausstattung von Tarcis Cadalbert und Vicky Dovate erfreuen Ohr und Auge.
Im Ensemble des Reisetheaters spielen professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler: Tasja Fleury, Liam Wietlisbach, Luana Roth, Ruben da Costa, Emanuel Gfeller, Fabio Romano und Jörg Christen. Sie garantieren einen märchenhaften Theaternachmittag.
Ein ungewöhnlicher Tausch-
handel
Eine hübsche, junge Prinzessin spielt im Schlossgarten mit ihrer goldenen Kugel, die ihr plötzlich aus den Fingern gleitet und in den tiefen Schlossbrunnen fällt. Sie ist verzweifelt und weint bitterliche wegen dem Verlust ihres liebsten Spielzeugs. Doch da erscheint wie aus dem Nichts ein Frosch an der Wasseroberfläche. Er bietet der Prinzessin an, die Kugel für sie aus dem Brunnen zu holen, aber nur, wenn sie ihn im Gegenzug als gleichwertigen Spielkameraden anerkennt und Tisch und Bett mit ihm teilt.
Die Prinzessin willigt ein. Als der Frosch mit der Kugel an die Oberfläche zurückkehrt, schnappt sie sich die Kugel und rennt ins Schloss zurück.
Am nächsten Tag klopft es an der Tür des Schlosses. Es ist der Frosch, der die Prinzessin an ihr Versprechen erinnern will. Als der König die Geschichte vom Vortag erfährt, befiehlt er seiner Tochter, ihr Wort zu halten.
Wird die Prinzessin ihr Versprechen halten? Und wird aus dem Frosch am Ende ein Prinz?
Eines der schönsten Grimm’schen Märchen
Der Froschkönig ist das erste Märchen in der 1812 erschienenen 1. Auflage der Sammlung der Gebrüder Grimm, und es ist auch eines der schönsten. Gemäss Grimms Anmerkungen stammt das Märchen aus dem Raum Hessen. Es geht um Vertrauen, Verpflichtungen, Freundschaft, Geduld, Willenskraft, die erste Liebe – kurz, um das Erwachsenwerden. Alle werden früher oder später einmal erwachsen, das ist heute so und wird auch immer so sein. Man muss lernen, für sein Wort einzustehen und Versprechen zu halten, auch wenn es viel Überwindung kostet. Dies lernt die Prinzessin in diesem Märchen und wird so vom unbekümmerten Mädchen zur Frau. Und der Frosch? Er benötigt viel Zeit, Toleranz und Entschlossenheit, bis er sein Ziel erreicht.
Märchen und ihre Botschaften
Im Gegensatz zu den sogenannten Kunstmärchen lässt sich bei Volksmärchen kein bestimmter Urheber feststellen. Die mündliche Weitergabe war lange Zeit die einzige und ist bis heute die natürlichste Form der Überlieferung. Märchen regen die Zuschauerinnen oder Zuhörer an, eigene Sinnfragen zu stellen und eigenständige Antworten zu finden. Sie liefern keine Belehrung über das richtige Verhalten in der realen Welt und erheben keinen Anspruch, die Welt so zu beschreiben, wie sie ist. Vielmehr weckt die sinnbildliche Märchensprache bei den Theaterbesuchern eigene Bilder und regt sie an, diese für sich zu deuten. Je nach Herkunft, Lebenserfahrung und kultureller Zugehörigkeit interpretiert jeder die Bilder anders. Märchen sind also vielfältig auslegbar.
Ein Theater, das seit 44 Jahren existiert
Das Reisetheater wurde 1982 von Jörg Christen gegründet, mit dem Ziel, Theateraufführungen in Gebiete der Schweiz zu bringen, die nicht über ein eigenes Theaterensemble verfügen. Die jährlich 20’000 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauer sind der beste Beweis dafür, dass das Reisetheater bis heute seine Faszination behalten hat.
Das Ensemble des Theaters hat einen unverwechselbaren Stil entwickelt. Märchen wie jene der Gebrüder Grimm sind auch im Zeitalter von Smartphones, Tablets und Spielkonsolen beliebt, denn sie widerspiegeln den Alltag in all seinen Facetten.
Seit 2008 führt Corinne Ramos-Christen, die Tochter von Jörg Christen, das Lebenswerk ihres Vaters fort.