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Geheimnisvolle Wracks im Zürichsee

Die Swiss Archeodivers erforschen und dokumentieren seit über 20 Jahren archäologische Funde unter Wasser. Mit modernster Ausrüstung und historischem Fachwissen bewahren die Taucherinnen und Taucher Geschichte und ermöglichen spannende Einblicke in vergangene Zeiten.

Ein Schiffswrack, wie es sich unter Wasser präsentiert. Foto: Markus Inglin.

In Zusammenarbeit mit der Archäologie des Kantons Zürich, der Stadt Zürich und dem Verein Kulturschüür Männedorf gestalteten sie im Laufe der letzten Monate eine Ausstellung zu Schiffsunfällen auf dem Zürichsee.

Vom 15. August bis am 13. September zeigen sie in den Räumen der Kulturschüür Männedorf fast 30 Objekte aus dem Zürichsee, die von den Taucherinnen und Tauchern intensiv untersucht und ausgewertet wurden.

In der Ausstellung werden die Geschichte und das Schicksal von versunkenen Last- und Personenschiffen rekonstruiert. Aber auch an einzelne Personen wird erinnert: So haben Zürcher Musikerinnen und Musiker eine Trauerkomposition des Schweizer Pfarrers und Schriftstellers Johann Caspar Lavater zu einem Schiffsunglück mit Todesfolge neu interpretiert. Das Werk soll nun an all die vielen auf dem See verunglückten Personen erinnern, von denen einige bis zum heutigen Tage nicht wieder gefunden wurden.

Schiffe waren wichtige Transportmittel

Die europäische Schifffahrt war bis ins 19. Jahrhundert von grosser Bedeutung. Seen und Flüsse bildeten ein verbundenes Netz, auf dem sich Güter, Menschen und Tiere leichter, schneller und kostengünstiger transportieren liessen als auf dem Landweg.

Da Zürich am Schnittpunkt der See- und Flussschifffahrt lag, kam dem Zürichsee auch im Transit- und Handelsverkehr zwischen Deutschland und Italien eine wichtige Rolle zu: 1890 waren auf dem Zürichsee 120 Lastsegelschiffe im Einsatz.

Aber auch der Pilgerverkehr mit Einsiedeln und der Zürcher Marktverkehr machten aus dem Zürichsee eine wichtige Wasserstrasse. Für die Überführung der Lasten wurden einst hölzerne Segelschiffe eingesetzt, sogenannte Ledischiffe.

Der Personentransport fand mit Hilfe von Schaluppen statt, die von mehreren Schiffsknechten gerudert wurden. 1835 fuhr zum ersten Mal ein maschinengetriebenes, eisernes Schiff auf dem Zürichsee, das Dampfschiff «Minerva», und gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Motorlastsegelschiffe auf, die mit Petrolmotoren ausgestattet waren und Geschwindigkeiten von bis zu 6 km/h erreichen konnten. Auch die Vielfalt der auf dem Wasser transportierten Waren war gross: Salz als Konservierungsmittel, Wein, Getreide, Textilien, Holz, Kohle, Kies und Steine.

Unfälle waren keine Seltenheit

Im regen Schiffsverkehr waren Unfälle keine Seltenheit: Es kam zu Zusammenstössen oder Kippunglücken infolge falscher Beladung oder Überladung. Auch von Untiefen und Wellen ging eine stete Gefahr aus. Gelegentlich fiel wegen Trunkenheit gar ein Mann über Bord, denn Alkohol galt als Lohnbestandteil und war während der Arbeit noch bis ins 20. Jahrhundert geduldet. Und Stürme konnten insbesondere den schwer mit Steinen beladenen Schiffen gefährlich werden.

Von den bis ins 20. Jahrhundert eingesetzten hölzernen Lastschiffen haben sich keine erhalten. Die einstige Schiffbautradition wurde nur spärlich dokumentiert und hinterliess weder detaillierte Zeichnungen noch Baupläne. Erhalten geblieben sind einzig unpräzise Fotografien und einige wenige Beschreibungen zur Schiffbautechnik. Da längst auch die letzten Zeitzeugen verstorben sind, ist die Wissenschaft auf die Untersuchung von Schiffswracks angewiesen, um mehr über die damalige Schiffbauweise zu erfahren.

Schiffswracks als Zeitkapseln

Schiffswracks sind viel mehr als einfach nur Gerippe: Sie dienen auch als Zeitkapseln, in denen sich gelegentlich historische Gegenstände finden, die einen Einblick in die damalige materielle Kultur und somit auf das Leben zum Zeitpunkt des Untergangs ermöglichen. Aufgrund der besonderen Erhaltungsbedingungen unter Wasser sind die neuzeitlichen Wracks häufig auch noch so gut erhalten, dass ihr ursprüngliches Aussehen akkurat rekonstruiert werden kann. Sie geben dadurch Auskunft über den Schiffbau, die transportierten Waren und über die Handelswege.

Ausstellung «Die geheimnisvollen Wracks im Zürichsee», 15. August bis 13. September, täglich ab 10.00 Uhr, Kulturschüür, Alte Landstrasse 230, Männedorf.

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