Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Den diesjährigen 1.-August-Redner haben viele regelmässig abends in ihrer Stube zu Gast: Oliver Steffen moderiert seit langem bei Tele Züri die ZüriNews und ist Gastgeber in den Sendungen TalkTäglich, SonnTalk und SommerTalk.
Seit 2020 ist der Meilemer ausserdem Chefredaktor TV beim Medienunternehmen CH Media und trägt die publizistische Gesamtverantwortung für mehrere regionale Deutschschweizer Medien, die täglich insgesamt fast eine Million Menschen erreichen. Als Journalist ist er bekannt für seinen analytischen, unaufgeregten und sachlichen Stil, Sensationshascherei mag er nicht. Auch sein Familienleben hält der 52-Jährige privat. Obwohl er sich im Dorf engagiert – kürzlich als Speaker an den «Family Days» des Fussballclubs auf der Allmend – ist beim Thema Homestory Schluss: Seine Haustüre bleibt für die Medien geschlossen.
Diese Haustüre befindet sich im Quartier Ormis, wo Oliver Steffen mit seiner Frau Daniela Hess sowie der 7-jährigen Tochter und dem 11-jährigen Sohn schon seit Jahren wohnt. Fürs kurze Gespräch über seinen Auftritt an der Meilemer Nationalfeier treffen wir uns am Zwetschgenweg gleich oberhalb der Allmend, seinem Lieblingsort in der Gemeinde. Hier geht er spazieren, wenn er eine Pause benötigt und durchatmen will.
Dass Oliver Steffen am 1. August überhaupt im Land ist, ist übrigens eine grosse Ausnahme, wie Gemeindepräsident Christoph Hiller verrät: «Bekanntlich ist es mir ein Anliegen, an der Bundesfeier nicht wie andernorts immer nur Politiker einzuladen», sagt er. «Umso mehr habe ich mich gefreut, als Oliver Steffen, ein erfahrener Journalist mit beeindruckender Karriere, schon vor anderthalb Jahren spontan als Redner zugesagt hat – und dafür sogar extra seine Ferien verschiebt.»
Wo er normalerweise den 1. August verbringt und wie er sich auf seinen Auftritt vorbereitet, haben wir von Oliver Steffen im Gespräch erfahren.
Herr Steffen, wie sieht Ihre Beziehung zum Nationalfeiertag aus?
Anfang August bin ich meistens mit der Familie im Ausland in den Ferien und deshalb nicht gross am Feiern. Aber als Kind war es für mich neben dem Geburtstag einer der wichtigsten Tage im Jahr: Feuerwerk, mit Kollegen zusammen sein… und genau das verbinde ich mit dem 1. August: Zusammen essen, zusammen lachen, zusammen diskutieren.
Wie spontan war die Bereitschaft, diesmal die Ferien anders zu organisieren und Anfang August in der Schweiz zu bleiben?
Ich musste mich in der Tat mit meinen Kolleginnen und Kollegen absprechen, denn aktuell produzieren wir den «SommerTalk», eine sehr intensive Zeit, die wir nun etwas anders als sonst organisiert haben. Aber wenn man in einer Gemeinde lebt, dann sollte man auch etwas beitragen. Es funktioniert nicht, wenn alle nur sagen, nein, das mache ich nicht, das ist mir zu mühsam. Und zudem dachte ich auch, man bekommt in seinem Leben wahrscheinlich nicht so oft die Gelegenheit, eine 1.-August-Rede zu halten (lacht).
Dann ist das Ihre erste Rede an einer Bundesfeier?
Ja, tatsächlich.
Wie bereitet man sich denn als Neuling darauf vor?
Wenn ich das wüsste, hätte ich die Rede schon geschrieben… Aber im Ernst, ich brauche dafür einen gewissen Druck; ich funktioniere gut unter Druck, das ist mein Antrieb für Kreativität. Das gilt auch für die Vorbereitung auf meine Sendungen. Zudem treffe ich noch kurz vor dem 1. August beruflich die Bundesräte Baume-Schneider und Rösti, und ich werde die Gelegenheit natürlich nutzen und sie nach ihren 1.-August-Tipps fragen. Zentral ist für mich, dass wir gemeinsam lachen können, und ich möchte meine Perspektive auf die aktuelle Zeit einbringen und so zu Gedanken anregen. Kurz: Es soll ein unterhaltsamer Morgen werden mit einem gewissen Tiefsinn.
Die Medien sind stark im Wandel, die Informationsvermittlung ist unter Druck…
Ja, das ist so. Ich werde deshalb sicher versuchen, die Situation aus meiner Perspektive plastisch aufzuzeigen, ein Fenster in meine Welt zu öffnen. Und gleichzeitig möchte ich darauf eingehen, dass Demokratie ohne Information nicht funktioniert und zeigen, auf welche Art und Weise Informationen vermittelt werden sollten. Denn ich glaube an die Demokratie. Das Schöne daran ist, dass man sich unterschiedliche Meinungen einholen und anschliessend persönlich eine Entscheidung treffen kann.
Selber in die Politik zu gehen ist kein Thema?
Als Chefredaktor ist das nicht möglich. Da muss man jedes Engagement sehr genau abwägen – nur schon eine Parteizugehörigkeit geht nicht. Obwohl ich natürlich schon Spass daran hätte, ein Dorf mitzugestalten. Aktuell bin ich auch noch nicht in einem Meilemer Verein. Ich spiele zwar Volleyball, das aber schon seit Gymi-Zeiten mit meinen alten Kollegen in Nürensdorf, also nicht gerade um die Ecke. Für mehr fehlt mir aktuell die Zeit, denn wenn ich etwas mache, dann möchte ich es richtig machen.
Und nun geht es also noch vor dem 1. August in die Ferien. Wohin?
Auf die Lofoten. Ich kann mir gut vorstellen, wie ich dort am Abend beim Schein der Mitternachtssonne draussen sitze und an der Rede schreibe. Ein Gerüst dazu gibt es logischerweise schon, ich muss das Ganze aber noch verfeinern. Es sind ja 20 bis 25 Minuten, die ich laut Christoph Hiller füllen darf oder füllen muss – ich bin mir diesbezüglich noch nicht ganz sicher, was gilt… Aber darüber entscheidet ja danach das Publikum. Ich freue mich!