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Meilen kürt sich zum Meister

Die Seebuben beenden eine turbulente Saison an der Tabellenspitze, verzichten aber auf die Aufstiegsspiele. Wieso auch aufsteigen, wenn man in der 3. Liga so viel gewinnt?

Es war ein Schock kurz vor Saison-Ende: Die krachende Niederlage im Derby gegen den Erzrivalen Stäfa am 1. April beendete eine monatelange Siegesserie – und schien plötzlich die Meilemer Erfolgsgeschichte infrage zu stellen. Ausgerechnet gegen die am Tabellenende dümpelnden Stäfner hatte es ordentlich eins auf Dach gegeben, während es sich die Seebuben längst auf den vordersten Rängen gemütlich gemacht hatten. Würden jetzt die übrigen Mannschaften Blut lecken und den HC TSV Meilen auf den letzten Metern noch entthronen?

Am Ende war die Derby-Schmach aber nur ein Rückschlägli auf dem Weg zum Liga-Sieg. Denn in ihren letzten zwei Spielen fanden die Seebuben zu alter Souveränität zurück und zeigten gar ihr vielleicht bestes Handball der ganzen Saison. Zuerst fegten sie den TV Witikon mit 37:22 diskussionslos vom Platz, bevor sie sich mit einem 28:16-Triumph über die zahnlosen Seen Tigers endgültig zum «Regional-Europaweltmeister» kürten und die gesamte Konkurrenz auf die billigen Plätze verwiesen.

Dabei hatte die Saison eher durchwachsen und mit mehreren bitteren Niederlagen begonnen, sodass man nach den ersten paar Spielen schon Schlimmes befürchten musste. Eine Mischung aus Verletzungspech und abhandengekommener Treffsicherheit sorgte dafür, dass sich die Meilemer langsam, aber stetig von den hinteren Rängen nach vorne arbeiten mussten.

Trotzdem ist der Meistertitel in der Saison 25/26 ist absolut verdient. Die Seebuben bestechen nicht durch Jugendlichkeit oder Tempo, sondern durch Erfahrung, Schönheit und unübertroffene Trinkfestigkeit. Teilweise standen sie Teams gegenüber, deren Spieler kaum die Sek abgeschlossen hatten und mit atemberaubender Geschwindigkeit über den Platz wirbelten. Doch nach 60 Minuten mussten sie sich zumeist gegenüber den angegrauten Senioren aus Meilen geschlagen geben. Was diese Mannschaft letztlich auszeichnet, sind ein unbestechlicher Teamgeist und eine Hartnäckigkeit, auch in Rücklage bis zuletzt um den Sieg zu kämpfen.

Es war in der Regel kein Bilderbuch-Handball, das die Meilemer auf dem Platz zeigten. Einige Spieler kannten bis zum letzten Match die Spielzüge nicht, was dazu führte, dass der Torerfolg bisweilen primär mit brachialer Gewalt gesucht werden musste.

Wer sich nun auf packende Aufstiegsspiele freut, hat sich aber geschnitten. Die Seebuben haben schon zu Saisonbeginn klargestellt, dass sie sich in der 3. Liga pudelwohl fühlen und auf gar keinen Fall eine Liga höher spielen werden – das wäre ja auch viel zu anstrengend.

Einen massgeblichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte hatte Coach Danilo, der seinem Team immer wieder eingetrichtert hat, wie limitiert die gegnerischen Mannschaften eigentlich sind. Da ist aber auch Fetah Murina, der für ein einziges Gastspiel im Trikot der Seebuben auch noch seine zweite Achillessehne ruiniert hat. Da ist Mark «Rosé» Huber, der in Zeiten der Not ohne ein einziges Training in die Hosen gestiegen ist. Da ist Reto «Böbäl» Gollob, der mit 104 Treffern erneut den Topscorer-Titel abgesahnt hat. Und da ist Felix Oesch, der unabhängig von Sieg oder Niederlage zuverlässig das Bier strömen lässt – auf ihn ist immer Verlass.

Nun gilt es, die müden Glieder für einige Wochen ruhen zu lassen, um bei der Saisonabschlussreise in Alicante wieder voll in den Angriffsmodus überzugehen.

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