Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Ingrid Heller wohnt seit vier Jahren mit ihrer Familie in Feldmeilen. Nun lernte sie das Café-Grüezi-Angebot der reformierten Kirche näher kennen – aus einem speziellen Grund.

An ihrem früheren Wohnort Schweden arbeitete Ingrid Heller als Journalistin und absolviert nun einen englischen Online-Kurs der London School of Journalism. Im Rahmen dieses Kurses wurde unter anderem die Aufgabe gestellt, einen lokalen Event zu besuchen und darüber zu schreiben.
Ingrid Heller hat sich für «Cafe Grüezi» entschieden, das Angebot der reformierten Kirche Meilen – es ist kostenlos und steht ohne Anmeldung allen Fremdsprachigen offen, die Deutsch lernen oder ihre bereits bestehenden Fähigkeiten trainieren und ausbauen möchten. Ihren ursprünglich englischen Text über die regelmässig stattfindende Veranstaltung hat Ingrid Heller auf Deutsch übersetzt und dem Meilener Anzeiger für einen Einblick in einen «Café Grüezi»-Morgen zur Verfügung gestellt.
Ein Haus mit sechs Schlafzimmern
Montags um neun Uhr ist «Café Grüezi»-Zeit. Seit mehr als zehn Jahren treffen sich Menschen aus der ganzen Welt im 400 Jahre alten Haus an der Kirchgasse. Das Ziel: Deutsch zu lernen, ein Gefühl für die schweizerische Kultur zu bekommen und auch Spass zu haben.
Aus der Werdmüller-Stube in der denkmalgeschützten Liegenschaft «Bau» dringt ein Lachen. Eine der Teilnehmerinnen in der Gruppe von 13 Frauen hat gesagt, dass es in ihrem Haus sechs Schlafzimmer gibt. «Ist das ein Schloss?», fragt Silvia Haselbach, eine der freiwillig arbeitenden Lehrpersonen, mit einem Augenzwinkern.
Heute wird in kleinen Gruppen diskutiert. Es gibt drei verschiedene Themen: Das Zuhause, die Jahreszeiten, der Körper. Ukraine, Italien, Irak, Syrien, Vietnam, Tibet, Eritrea, Äthiopien und die Dominikanische Republik – die Teilnehmerinnen, die regelmässig zum Café Grüezi kommen, stammen aus der ganzen Welt.
«Wir sagen immer, dass das keine Schule ist. Wir sind hier, um den Leuten mit der Sprache zu helfen. Am Anfang haben viele von ihnen Hilfe mit Übersetzungen von Dokumenten gebraucht, doch jetzt möchten sie vor allem die deutsche Sprache besser kennenlernen», sagt Silvia Haselbach. Sie ist schon lange mit dabei und ist eine von fünf engagierten Lehrpersonen. Im Herbst 2025 hat Café Grüezi sein 10-Jahre-Jubiläum gefeiert.
Aus der Ukraine und anderen Ländern
Am Anfang kamen viele Menschen aus Eritrea und anderen nordafrikanischen Ländern. Seit ein paar Jahren hat sich die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen aber verändert, jetzt stammt die Mehrheit aus der Ukraine.
Liudmyla Baklanova ist eine von ihnen. «Ich bin vor drei Jahren in die Schweiz gekommen und wohne jetzt mit meinem 13-jährigen Sohn in Meilen. Von Beruf bin ich paramedizinische Mitarbeiterin, und ich möchte gerne mein Deutsch verbessern», sagt sie.
Nach einer kleinen Pause werden die Teilnehmerinnen in drei Niveaugruppen aufgeteilt: Anfänger, Mittel und Fortgeschrittene.
In verschiedenen Zimmern geht das Lernen mit Diskussionen und Lesen weiter, und die Teilnehmerinnen kommen der schweizerischen Kultur und der deutschen Sprache einen weiteren Schritt näher.