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Hanspeter Bäni erzählt aus seinem Reporterleben

Er ist einer der bekanntesten Dokumentarfilmer der Schweiz: Hanspeter Bänis Reportagen über die weisse Königin in Afrika, den Häftling «Carlos» oder die Bergbauernfamilie von Sepp Epp, die er 20 Jahre begleitet hat, schrieben Geschichte.

Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Meilen. Foto: zvg

Was die wenigsten wissen: Der 1956 Geborene ist teilweise in Meilen grossgeworden, heute wohnt er aber mit seiner Familie nicht mehr in der Region.

Hanspeter Bäni machte eine Lehre als Tiefbauzeichner und als Maurer und holte als Erwachsener die Matura nach. Seit 1990 ist er in der Medienbranche unterwegs, zuerst als Moderator bei Privatradios, ab dem Jahr 2000 bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren für das Schweizer Fernsehen – zuerst bei der Rundschau, dann als Videojournalist für «DOK und Reportagen».

Gefährliches, Unglaubliches und Heiteres

Seine Filme haben nicht nur viele Auszeichnungen gewonnen, sondern auch immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt und Debatten ausgelöst, so etwa der Dokumentarfilm «Der Jugendanwalt» über den Fall «Carlos». Seine Projekte führten ihn auch immer wieder rund um die ganze Welt und oft zu abenteuerlichen, gefährlichen oder fast unglaublichen, auf jeden Fall erzählenswerten Situationen.

Über diese hat er nun ein Buch geschrieben: «Der Reporter, Geschichten jenseits der Dreharbeiten» ist soeben im Arisverlag erschienen und gibt Einblicke in spannende Momente, die den Reporter zwar enorm prägten, aber nie Teil des Films wurden.

«Unvergessen bleibt, wie mir in Nicaragua bei der Einreise die Kameraausrüstung beschlagnahmt wurde, weil man in mir einen Spion vermutete. Ich musste damit rechnen, in einem Gefängnis unter prekären Bedingungen festgehalten zu werden.» Nur dank einer Person, die in Managua lebte und die er von früher her kannte, konnte er der heiklen Situation entkommen. In Kamerun drohte ihm ein Mann, ihm mit einer Machete den Schädel zu spalten. Im Norden Kenias sass er in der Wüste fest, mit einem Auto, dessen linkes Vorderrad sich gelöst hatte, und dessen Reserverad defekt war. «Als die einzige Wasserflasche leer war, schlichen sich schon unangenehme Gedanken ein», erinnert sich Hanspeter Bäni und ergänzt, im Buch berichte er nicht nur über Schwieriges, sondern auch über viele heitere Situationen.

Mehr als nur «Making of»

Die Geschichten gehen indes weit über klassische Making-of-Erzählungen hinaus. Bäni reflektiert schonungslos ehrlich über Erfolge und Misserfolge, ethische Dilemmata und persönliche Grenzen. Dabei blickt er zurück auf seine eigene schwierige Kindheit und Jugend, die sein Gespür für soziale Brüche geschärft und sein Interesse an den Schicksalen anderer Menschen genährt haben: Praktisch immer gelingt es ihm, eine Verbindung zu Protagonistinnen und Protagonisten herzustellen, gerade auch dann, wenn sie selbst Leid erfahren haben.

Auf Lesereise

Interessant ist Bänis Statement zum Film über den jugendlichen Straftäter Brian Keller alias Carlos, der 2013 eine breite Diskussion darüber auslöste, weil ein kostspieliges Sondersetting zur Resozialisierung gezeigt wurde. «’Der Jugendanwalt’ hat mich lange beschäftigt. Vergleiche zu anderen aufwändigen und noch teureren Therapien als das Sondersetting fanden im Film keinen Platz. Ich würde ihn heute erneut realisieren, allerdings in einer anderen, überarbeiteten Form.»

Hanspeter Bäni ist jetzt auf Lesereise. Die einzelnen Termine sind online zu finden auf seiner Website https://derreporter.ch. Am 16. April liest der Dokumentarfilmer in Küsnacht (Bibliothek, Seestrasse 123, 19.30 Uhr), eine Anmeldung ist erwünscht via die Website des Autors.

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