Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Bei eisigen Aussentemperaturen begrüsste Annette Bartholdy eine den warmen Kirchenraum füllende Zuhörerschaft zum Winterkonzert der Reihe «Vier Jahreszeiten», ehe die Interpreten Judith Stapf (Violine), Arnau Rovira I Bascompte (Cello) und Marco Sanna (Klavier) den Abend eröffneten.

Das Klaviertrio A-Dur Hob. XV/18 von Joseph Haydn ist ein der Fürstin Maria Anna von Esterhazy gewidmetes Werk, das während des zweiten Englandaufenthalts des Komponisten entstand.
Erster Höhepunkt des Abends
Vom ersten Ton an war klar, dass hier junge Meister am Werk sind. Der Klang und das gesamte Agieren verschmolzen auf wunderbare Weise zu einer Einheit, wie es ganz selten zu erleben ist. Der gemeinsame Atem des Trios führte zu wunderbarer Phrasierung und Agogik, dass es eine Freude war! Die sympathischen ARD-Wettbewerbsgewinner (2023) boten das variantenreiche Werk auf höchstem Niveau: Technisch in Perfektion faszinierten die gewieften Wechsel und das Parallel-Spiel sowie das orchestrale Klangbild in feinster Abstimmung. Das frische Zupacken im Finale mit Haydn’schem Witz führte zum ersten Höhepunkt des Abends.
Als Zweites machten sich die Musiker an das Klaviertrio B-Dur Op. 97 von Ludwig van Beethoven, dem sogenannten Erzherzog-Trio aus dem Jahre 1811, welches der Tonschöpfer seinem Schüler und Freund Erzherzog Rudolph von Österreich gewidmet hat.
Musikalischer Höhenflug
Die Protagonisten gingen das grosse Werk in passend stolzer Gewichtung (Klavier) an, satte Tongebung prägte den Einstieg dank markigem Violoncello-Ton, dieweil Könnerin Judith Stapf ihrer Violine als Kontrast in vornehmer Zurückhaltung die schönsten Töne entlockte. Wunderbar ziselierte Tongebung machte die Gegenüberstellung von Thematik und Begleitung ebenso zum Erlebnis wie das Tutti-Piano vor dem Abschluss des ersten Satzes. Das «Scherzo-Allegro» (2. Satz) erfuhr frühlingshafte Frische durch passend gewähltes Tempo, bevor herrliches Pianissimo im «Andante cantabile» (3. Satz) zu faszinierender Berückung führte. Im genialen Schlusssatz «Allegro moderato» steigerten sich die drei wunderbaren Musiker zum zweiten Höhepunkt des Abends, die Begeisterung ob solch musikalischem Höhenflug manifestierte sich in riesigem Applaus.
Eine Zugabe war die logische Folge, welche das Trio mit der geistvollen Wiedergabe von Maurice Ravels Satz «Pantoum» aus seinem a-Moll-Trio gab – eine Riesenfreude, dieser Abend!
Man merke sich das Datum des Frühlingskonzerts: Am 1. März steht in der reformierten Kirche ein vierhändiges Klavierprogramm mit dem bekannten Klavierduo Soôs-Haag an.